• vom 27.04.2012, 17:32 Uhr

Europa

Update: 27.04.2012, 18:23 Uhr
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Die Piratenpartei gilt als bunt, aber unprofessionell - Vorstandsmitglied Schrade will mit Klischees aufräumen

Der Pirat mag’s auch mal bieder


Von WZ-Korrespondentin Christine Zeiner

  • Matthias Schrade tritt beim Parteitag am Wochenende zur Wiederwahl an.

Jenseits der Internet-Stereotypen: Matthias Schrade ist Finanzanalyst und Unternehmer.

Jenseits der Internet-Stereotypen: Matthias Schrade ist Finanzanalyst und Unternehmer.

Bei ihren ersten Landtagswahlen im Jahr 2008 erzielte die deutsche Piratenpartei zwischen 0,9 und 1,9 Prozent. Seitdem hat man einen atemberaubenden Höhenflug hingelegt, in Umfragen liegt man mittlerweile bei 13 Prozent und befindet sich damit auf Augenhöhe mit den Grünen. Am Wochenende wählt die unkonventionelle Neo-Partei ihre Führung neu, Vorstandsmitglied Matthias Schrade stellt sich dabei der Wiederwahl.

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Wiener Zeitung: Sind die Piraten mehr als ein Zeigefinger für etablierten Politiker, sich ernsthaft zu überlegen, warum ihnen die Wähler davon laufen?

Matthias Schrade: Wir setzen uns für mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten, Bürgerrechte und Transparenz ein. Das heißt, uns zu wählen ist ein Protest - aber ein Protest für bestimmte Dinge, nicht einfach nur gegen das Bestehende. Gegen das Bestehende protestieren konnte man schon lange, manche viele Menschen sind einfach nicht mehr zur Wahl gegangen, und andere Möglichkeiten zu protestieren gab es ja auch auf dem Wahlzettel.

Ist für die Wähler vor allem - in Anlehnung an Marshall McLuhan's "Das Medium ist die Botschaft" - die Partei die Botschaft?

Die Partei hat mittlerweile auch ein Image. Sie steht für mehr Transparenz, mehr Mitmachmöglichkeiten, genau das, was in anderen Parteien so nicht möglich ist. Wir haben mittlerweile mehr als 28.000 Mitglieder. Jedes Mitglied kann Anträge stellen, jedes Mitglied ist stimmberechtigt. Das spricht die Leute an. Es geht nicht darum, Machtstrukturen aufzubauen oder nur eine kleine Zahl der Parteimitglieder mitbestimmen zu lassen. Und außerdem erkennen immer mehr Wähler, dass das Bild, das in der Presse gemalt wird, entspricht nicht der Realität entspricht.

Was meinen Sie damit?

Beispielsweise wird behauptet, die Piraten wären eine Hackerpartei. Und gern werden buntere Mitglieder herausgegriffen. Der Eindruck wird vermittelt, das sind total durchgeknallte Typen. Im konservativen Saarland, das traditionell von der CDU regiert wird, haben wir 7 Prozent bekommen. Wer im Saarland unsere Mitglieder kennenlernt, stellt fest, die sind total normallangweilig: bodenständig, verheiratet, haben Kinder.

Am Bild von den "durchgeknallten Typen", die wenig Ahnung außer von Internet haben, malen die Piraten aber selbst mit. Oft heißt es: "Dazu haben wir uns noch keine Meinung gebildet." Warum aber bereitet man sich nicht besser vor, wenn man in Talkshows etwa zum Thema Schlecker geht?

Wir haben kaum Einfluss auf die Auswahl auf die Teilnehmerliste der Talkshows. Ich selbst bin für "Lanz" abgelehnt worden, ich sei zu langweilig. Die Auswahl ist alles andere als repräsentativ.




Schlagwörter

Matthias Schrade, Piraten

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-27 17:38:04
Letzte Änderung am 2012-04-27 18:23:09


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