• vom 30.04.2012, 10:38 Uhr

Europa

Update: 01.05.2012, 11:29 Uhr
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Ukraine wehrt sich gegen EM-Boykott



Kiew. Medienberichte über einen möglichen Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine durch die deutsche Regierung sind in Kiew auf Unverständnis gestoßen. Er hoffe, dass dies nur eine "Zeitungsente" sei, sagte Außenamtssprecher Oleg Woloschin am Montag in Kiew. "Man will gar nicht daran denken, dass die Staatsmänner Deutschlands fähig sind, die Methoden der Zeiten des Kalten Krieges wiederzubeleben und zu versuchen, den Sport zu einer Geisel der Politik zu machen", so Woloschin nach Angaben örtlicher Medien.

Doch es ist keine Zeitungsente: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel macht einen Besuch in der Ukraine zur Fußball-EM von der politischen Entwicklung in dem Land abhängig. Jede Planung stehe unter dem Vorbehalt des Schicksals der inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko sowie unter "Vorbehalt der Rechtsstaatlichkeit" in der Ukraine, sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin.

Die deutsche Regierung übt scharfe Kritik am Umgang mit der in Haft erkrankten Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko. Merkel erwägt, ihren Ministern zu empfehlen, den EM-Spielen in der Ex-Sowjetrepublik fernzubleiben. Dies gilt nach einem Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" für den Fall, dass Timoschenko nicht für eine angemessene medizinische Behandlung freigelassen wird. Die Ukraine ist gemeinsam mit Polen von 8. Juni bis 1. Juli Gastgeber der EM.

An Timoschenkos Haftort in Charkow wies die Staatsanwaltschaft schwere Beschuldigungen der Politikerin zurück, sie sei bei einem erzwungenen Transport in eine Klinik vor einer Woche geschlagen worden. Timoschenko befindet sich nach eigenen Angaben seit dem 20. April im Hungerstreik.

Angesichts der rechtsstaatlichen Situation in der Ukraine will der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck einer Konferenz zentraleuropäischer Staatschefs Mitte Mai im ukrainischen Jalta fernbleiben. Auch Bundespräsident Heinz Fischer sagte bereits vor drei Wochen "aus terminlichen Gründen" seine Teilnahme an dem Treffen auf der Krim ab. Laut "Spiegel" sagte der slowenische Präsident Danilo Türk seinem ukrainischen Kollegen Viktor Janukowitsch ebenfalls ab. Auch der tschechische Präsident Vaclav Klaus wird nicht kommen, berichteten tschechische Medien.

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, ein bekennender Fußballfan, wird wegen der Lage in der Ukraine ebenfalls bis auf weiteres nicht in das Land reisen. "Nach jetzigem Stand hat Barroso keine Absicht, in die Ukraine zu reisen oder an irgendwelchen Veranstaltungen in der Ukraine teilzunehmen", sagte seine Sprecherin Pia Ahrenkilde Hansen am Montag in Brüssel.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-30 10:38:17
Letzte Änderung am 2012-05-01 11:29:04


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