Der Gesundheitszustand der hungerstreikenden ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko hat sich nach Einschätzung ihrer Tochter weiter verschlechtert. "Sie ist viel schwächer, als sie noch vor ein paar Tagen war", sagte Jewgenija Timoschenko im ZDF am Donnerstagabend, die ihre Mutter nach eigenen Angaben am selben Tag im Gefängnis besucht hatte. Sie müsse liegen und könne sich zurzeit "praktisch gar nicht bewegen". Die Bitten der Familie, den Hungerstreik zu beenden, seien bisher erfolglos. "Sie hat aus verschiedensten Gründen ein Interesse an diesem Hungerstreik", sagte die 32-jährige Jewgenija Timoschenko.
Die Inhaftierung der früheren Ministerpräsidentin hat in Europa zu einem Konflikt im Umgang mit der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine und Polen geführt. Alle Mitglieder der EU-Kommission haben angekündigt, der Veranstaltung fernzubleiben. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hält einen Boykott hingegen für den falschen Weg. Stattdessen sollten Politiker und Sportfunktionäre, die in die Ukraine reisten, die Gelegenheit nutzen, um auf die schweren Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen und von der ukrainischen Regierung einen besseren Menschenrechtsschutz fordern, sagte der Generalsekretär von Amnesty Deutschland, Wolfgang Grenz.
Botschafter beklagt voreingenommene Berichterstattung
Unterdessen beklagte der ukrainische Botschafter in Wien die Art der Berichterstattung über sein Heimatland. "Die Fußball-EM darf nicht zum Erreichen politischer Ziele ausgenutzt werden", sagte Andrii Viktorowytsch Bereznyi am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Medien würden nicht über die Errungenschaften des Landes bei der Vorbereitung der EM berichten, als vielmehr über die Verletzung der Menschenrechte und politische Verfolgungen. Man berufe sich dabei, so Bereznyi, vielfach auf einseitige Quellen.
"Diejenigen, die die Europameisterschaft zur Zielscheibe des Drucks auf die Regierung benutzen, werden weder zur Reform des ukrainischen Gerichtswesens noch zur Stärkung der demokratischen Institutionen beitragen", klagte Bereznyi.
Im Fall Timoschenko würden die Argumente der Regierung nicht dargestellt, kritisierte Bereznyi. Die Anstrengungen zur Verbesserung der Haftbedingungen blieben unbemerkt. Die Regierung habe die Behandlung Timoschenkos in einer der besten Gesundheitsanstalten in der Ukraine sichergestellt, setze sich aber auch mit Vorschlägen aus dem Ausland auseinander. (apa/red)