• vom 04.05.2012, 18:18 Uhr

Europa

Update: 04.05.2012, 22:27 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Politischer Analyst José-Manuel Lamarque über die Vorbildwirkung der Wahlen in Frankreich

"Europa wird Frankreich folgen"


Von Alexander U. Mathé aus Frankreich

  • Hollande wäre im Falle eines Sieges schnell unter Handlungsdruck.

"Wiener Zeitung":Was wird nach der Wahl geschehen?

Werbung

José-Manuel Lamarque: Es werden sehr wichtige Wahlen sein. Sie werden die Zukunft Frankreichs und Europas bestimmen. Viele Europäer werden abwarten, was in Frankreich geschieht, um zu entscheiden, was sie bei sich zu Hause machen werden. Allen voran die Griechen, die Spanier, die Italiener; vielleicht auch die Engländer, denen es im Moment nicht so gut geht.

Was würde das im Falle eines Wahlsiegs Sarkozys beziehungsweise Hollandes bedeuten?

Wenn Sarkozy gewinnt, dann ist es offensichtlich, dass die Parlamentswahlen nach links gehen werden. Aber Sarkozy ist nicht ein Mensch wie Chirac oder Mitterrand. Die haben mit so einer Situation umgehen können, weil sie die dafür nötige politische Erziehung hatten. Sarkozy hingegen würde es nicht aushalten, die Macht teilen zu müssen.



Wie sicher ist es denn wirklich, dass bei den Parlamentswahlen die Linke gewinnen wird?

Die Mehrheit der Regionen ist links, der Senat ist links, das wäre dann schon ein politischer Erdrutsch, wenn die Rechte gewänne. Das würde mich außerordentlich überraschen.

Und wenn Hollande gewinnt?

Die linke Mehrheit im Parlament wird nicht nur aus Sozialisten bestehen. Hollande wird sich mit den anderen Parteien arrangieren müssen, der Linkspartei etwa, oder den Grünen. Im Gegensatz zu einem rechten Präsidenten wird er die Forderungen der Linken beziehungsweise der Gewerkschaften erfüllen müssen und das schnell; eben weil er selbst links ist. Da wird kompliziert für ihn.

Information

Zur Person
José-Manuel Lamarque
Der politische Analyst und Journalist aus Paris ist Autor des Blogs "helpthegreekpeople".

Was werden die Wahlen für Europa bedeuten?

Die Wahlen in Frankreich werden die Richtung in Europa bestimmen. Wenn sie in Richtung der Linken, oder der großen Linken - also Hollande und Mélenchon - gehen, dann wird das zu einer Revolte gegen das Finanz-System führen, der die europäischen Völker folgen werden. Wenn Sarkozy gewinnt, wird alles bleiben, wie es ist. Aber egal, wer gewinnt, wir bewegen uns auf eine soziale Krise zu. Ich glaube aber auch, dass Sarkozy das im Gegensatz zu Hollande begriffen hat.

Die Franzosen werden doch kaum wirklich die Chance haben, etwa die Briten zu beeinflussen?

Es stimmt zwar, dass die Briten nach wie vor auf ihrer Insel sind. Aber diesen Reden von der deutsch-französischen Freundschaft glaube ich nicht. Es sind vielmehr die Briten, die unsere wahren Verbündeten sind. Wir bekämpfen uns zwar schon seit dem Mittelalter, aber wir kennen uns auch seit dem Mittelalter. Wir teilen auch dieselbe Heuchelei, den Sinn für das nicht Gesagte. Das haben die Deutschen nicht: Was da nicht gesagt wird, existiert nicht. Wir brauchen auch die Briten, weil sie die einzige große Opposition sind. Umgekehrt braucht uns das britische Volk, das es nötig hat, endlich einmal wieder durchatmen zu können.

Warum das?

In Großbritannien ist David Cameron gerade dabei, das Vereinigte Königreich in die Katastrophe zu führen. Er streicht die Sozialleistungen, die Armen sind gezwungen, London zu verlassen. Wir haben schon vergessen, dass letzten Sommer vier englische Städte fünf Tage lang geplündert worden sind. Sie sind geplündert worden von Leuten, die sich via Blackberry organisiert haben, und dann hat es geheißen, das es Ganoven waren. Es waren keine Ganoven, es waren Arbeitslose, Kinder von Arbeitslosen, die sich gedacht haben: "Da ich kein Geld mehr habe, werde ich mich einfach bedienen." Das, was wir da gesehen haben, werden wir bald wieder sehen: eine Revolte der Engländer.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-04 18:23:14
Letzte Änderung am 2012-05-04 22:27:46


Beliebte Inhalte



Auch wenn Teilergebnisse gefeiert wurden, das Gesamtergebnis verursacht bei den meisten Fraktionen eher Katerstimmung. - APAweb / Herbert Neubauer
  • Mandatsgewinne vor allem für kleiner Gruppierungen
  • TU Graz schaffte Auszählung nicht
  • weiter

Mit Astrid Rössler will Wilfried Haslauer auf jeden Fall. Die Frage lautet: SPÖ oder Stronach dazu? - apa
  • Haslauer will am Dienstag entscheiden, mit wem er in Koalitionsgespräche geht.
  • weiter

Die Studentenvertreter mussten lange warten. An der Uni Linz und an der TU Graz wurde äußerst langsam gezählt. - apaWeb - Neubauer
  • Das letzte Viertel der 100 Sitze bestimmen Studenten der Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen.
  • weiter

Auch SARS geht auf das Konto der Corona-Viren - APAweb / AP / Health Protection Agency
  • 41 Fälle weltweit, die Hälfte der Erkrankten starb.
  • weiter

Der Einladung von Parteichef Strache ist Rosenkranz nun doch gefolgt: als Landeschefin der niederösterreichischen FPÖ tritt sie zurück. - APAweb / Herbert Pfarrhofer
  • Entscheidung dem Bundesparteipräsidium mitgeteilt.
  • weiter

Volksschulwand vorher (links) und nachher (rechts) - Bild: Andreas Praefcke An einer Volksschule in Wien mussten nach dem Protest der Mutter einer Schülerin die Kreuze in allen Klassenzimmern entfernt werden...weiter

Bundesheersoldaten vor der Krypta am Wiener Heldenplatz am 8. Mai 2013. - Stanislav Jenis
  • Faymann und Spindelegger betonen bei Festakt Mitverantwortung Österreichs und würdigen Widerstand.
  • weiter

Gabi Burgstaller geht, Wilfried Haslauer kommt. - Montage: red
  • Haslauer fährt schlechtestes ÖVP-Ergebnis der Geschichte ein, aber immer noch besser als jenes der SPÖ.
  • Das vorläufige Endergebnis: V 29 S 23,8 G 20,2 F 17 TS 8,3.
  • weiter

Am "Internationalen Tag der Pflege" haben sich die Seniorenvertreter von SPÖ und ÖVP für die Abschaffung des Pflegeregresses in der Steiermark ausgesprochen. - APAweb / Barbara Gindl
  • Frühere Angleichung des Frauenpensionsalters für Khol "keine aktuelle Frage"
  • weiter

Wilfried Haslauer (ÖVP) und die Salzburger-Grünen-Chefin Astrid Rössler. - APAweb / Reuters, Dominic Ebenbichler
  • Tiroler ÖVP startet vertiefende Gespräche mit den Grünen.
  • weiter



Werbung



Umfrage

Werbung


Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung