Paris.

Mit gehöriger Verspätung traf Hollande kurz vor 20 Uhr in Berlin ein. Die Tradition will es, dass der erste Besuch den französischen Staatschef ins deutsche Kanzleramt führt. Das allererste Treffen von Europas mächtigsten Politikern war mit Spannung erwartet worden. Für Hollande war der Besuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel besonders heikel. Während des französischen Wahlkampfes hatten sich beide provoziert - Merkel hatte sich dezidiert für ihren konservativen Fraktionskollegen Nicolas Sarkozy starkgemacht und dem Sozialisten Hollande sogar einen Besuchstermin verweigert. Dieser hatte keine Chance ausgelassen, um den deutschen Sparkurs in der Schuldenkrise zu kritisieren.
"Werden Lösungen finden"
Gleich bei der Begrüßung in Berlin wurden erste Unterschiede deutlich. Vor dem Kanzleramt beließ es Merkel bei einem Händedruck. Vorgänger Nicolas Sarkozy hatte stets Wangen-Küsschen bekommen, wie sie in Frankreich üblich sind. Anschließend schritten Merkel und Hollande eine Ehrenformation der Bundeswehr ab.
Beim Auftritt vor der Presse bekräftigte Hollande seine Forderung, den europäischen Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin nachzuverhandeln. Er wolle eine Wachstumsdimension hinzufügen. Alle Ideen und Vorschläge müssten zusammengebracht werden, wie dies rechtlich umgesetzt werden könne. Aufgabe sei es, gemeinsam die Aufgaben zu lösen, Europa voranzubringen und sich den Herausforderungen in der Welt zu stellen. Mit Blick auf die schwierige wirtschaftliche Lage Frankreichs sagte Hollande, Wachstum müsse erst einmal geschaffen werden, auf nationaler und europäischer Ebene. Sonst könnten Schulden und Defizite nicht zurückgeführt werden.
Merkel sagte, obwohl sie unterschiedlichen Parteienfamilien angehörten, heiße das "ja nicht, dass wir nicht zusammenarbeiten können". Sie würden "auf jeden Fall gute Lösungen finden. Das ist eine lange Erfahrung in Europa."