Belgrad. Der neu gewählte serbische Präsident Tomislav Nikolic wird am morgigen Donnerstag nach der konstituierenden Sitzung des Parlaments angelobt. Die kommenden fünf Jahre soll der einstige Ultranationalist, der viele Jahre als rechte Hand des Haager Angeklagten Vojislav Seselj galt, bis er vor knapp vier Jahren seine politische Ausrichtung änderte und die proeuropäische Serbische Fortschrittliche Partei (SNS) gründete, an der Staatsspitze bleiben. Noch vor der offiziellen Amtsübernahme sorgte Nikolic, der als erstes serbisches Staatsoberhaupt sein Parteiamt niederlegte mit mehreren Interviews für beträchtliches Aufsehen und auch international für Aufruhr.
Seine Aussagen in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) ließ am Wochenende in Kroatien die Wogen hochgehen. Nikolic erklärte gegenüber der FAZ dass Vukovar eine serbische Stadt gewesen sei. Die kroatische Donaustadt war im ersten Jahr des Jugoslawienkrieges im November 1991 von damaligen jugoslawischen Streitkräften JNA zerstört und besetzt worden, woraufhin die nichtserbische Bevölkerung vertrieben wurde. "Dorthin haben Kroaten nicht zurückzukehren", erklärte Nikolic im Interview. Nach der Einnahme durch die JNA waren auf einem Landgut unweit von Vukovar rund 200 kroatische Kriegsgefangene ermordet worden. Es handelte sich um das schwerste in Kroatien angerichtete Kriegsverbrechen und eines der schwersten Kriegsverbrechenin des gesamten Balkankrieges (1991-95).
"Niederträchtige und heimtückische Lüge"
Die in der FAZ zitierten Aussage dementierte seine Partei SNS als "niederträchtige und heimtückische Lüge", nachdem die Äußerungen von Nikolic für heftige Reaktionen in Kroatien gesorgt hatten. Im Internet tauchte mittlerweile jedoch eine Tonaufnahme der umstrittenen Äußerung des neuen serbischen Präsidenten auf, auf der ebenfalls die FAZ-Zitate zu hören sind.
Die Politik von Tomislav Nikolic werde auf den Ausbau vom Frieden und der Stabilität in der Region abzielen, unterstrich die SNS. Nikolic selbst ließ unterdessen wissen, dass er den kroatischen Präsidenten Ivo Josipovic zu seiner feierlichen Amtseinweihung am 11. Juni nach Belgrad einladen werde. Laut heutigen Belgrader Medienberichten ist die Einladung im Kabinett von Josipovic bisher noch nicht angekommen.
Alles nur ein "Missverständnis"
Für Unmut sorgte Nikolic am Wochenende auch mit einem zweiten Interview. Gegenüber dem russischen Radio Echo Moskau kündigte Nikolic nämlich an, dass das serbische Parlament die Anerkennung der abtrünnigen georgischen Regionen Südossetien und Abchasien in Erwägung ziehen wird. Die zwei Regionen sollten nicht mit dem Kosovo verglichen werden, so Nikolic. Die ehemalige südserbische Provinz ist seit 2008 ein unabhängiger Staat, Belgrad lehnt seine Anerkennung entschlossen ab.
Die stellvertretende georgische Außenministerin Nino Kalandadze hat unterdessen laut der Tageszeitung "Politika" die umstrittene Äußerung von Nikolic versöhnlich als "Missverständnis" bezeichnet. Die Achtung Georgiens sei im Einklang mit den Prinzipien des Völkerrechtes auch ein nationales Interesse Serbiens, erklärte sie in einer Aussendung, auf welche sich das Belgrader Blatt am Mittwoch berief.