• vom 30.05.2012, 12:04 Uhr

Europa

Update: 30.05.2012, 12:07 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Anerkennung der abtrünnigen georgischen Regionen sei möglich

Serbien: Noch vor Amtsantritt sorgt Nikolic international für Aufruhr



  • Neu gewählter Präsident bezeichnete Vukovar als serbische Stadt.
  • Dementi mit den Worten eine "niederträchtige und heimtückische Lüge".

Belgrad. Der neu gewählte serbische Präsident Tomislav Nikolic wird am morgigen Donnerstag nach der konstituierenden Sitzung des Parlaments angelobt. Die kommenden fünf Jahre soll der einstige Ultranationalist, der viele Jahre als rechte Hand des Haager Angeklagten Vojislav Seselj galt, bis er vor knapp vier Jahren seine politische Ausrichtung änderte und die proeuropäische Serbische Fortschrittliche Partei (SNS) gründete, an der Staatsspitze bleiben. Noch vor der offiziellen Amtsübernahme sorgte Nikolic, der als erstes serbisches Staatsoberhaupt sein Parteiamt niederlegte mit mehreren Interviews für beträchtliches Aufsehen und auch international für Aufruhr.

   Seine Aussagen in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) ließ am Wochenende in Kroatien die Wogen hochgehen. Nikolic erklärte gegenüber der FAZ dass Vukovar eine serbische Stadt gewesen sei. Die kroatische Donaustadt war im ersten Jahr des Jugoslawienkrieges im November 1991 von damaligen jugoslawischen Streitkräften JNA zerstört und besetzt worden, woraufhin die nichtserbische Bevölkerung vertrieben wurde. "Dorthin haben Kroaten nicht zurückzukehren", erklärte Nikolic im Interview. Nach der Einnahme durch die JNA waren auf einem Landgut unweit von Vukovar rund 200 kroatische Kriegsgefangene ermordet worden. Es handelte sich um das schwerste in Kroatien angerichtete Kriegsverbrechen und eines der schwersten Kriegsverbrechenin des gesamten Balkankrieges (1991-95).

 
"Niederträchtige und heimtückische Lüge"
Die in der FAZ zitierten Aussage dementierte seine Partei SNS als "niederträchtige und heimtückische Lüge", nachdem die Äußerungen von Nikolic für heftige Reaktionen in Kroatien gesorgt hatten. Im Internet tauchte mittlerweile jedoch eine Tonaufnahme der umstrittenen Äußerung des neuen serbischen Präsidenten auf, auf der ebenfalls die FAZ-Zitate zu hören sind.

  Die Politik von Tomislav Nikolic werde auf den Ausbau vom Frieden und der Stabilität in der Region abzielen, unterstrich die SNS. Nikolic selbst ließ unterdessen wissen, dass er den kroatischen Präsidenten Ivo Josipovic zu seiner feierlichen Amtseinweihung am 11. Juni nach Belgrad einladen werde. Laut heutigen Belgrader Medienberichten ist die Einladung im Kabinett von Josipovic bisher noch nicht angekommen.

 
Alles nur ein "Missverständnis"
Für Unmut sorgte Nikolic am Wochenende auch mit einem zweiten Interview. Gegenüber dem russischen Radio Echo Moskau kündigte Nikolic nämlich an, dass das serbische Parlament die Anerkennung der abtrünnigen georgischen Regionen Südossetien und Abchasien in Erwägung ziehen wird. Die zwei Regionen sollten nicht mit dem Kosovo verglichen werden, so Nikolic. Die ehemalige südserbische Provinz ist seit 2008 ein unabhängiger Staat, Belgrad lehnt seine Anerkennung entschlossen ab.

  Die stellvertretende georgische Außenministerin Nino Kalandadze hat unterdessen laut der Tageszeitung "Politika" die umstrittene Äußerung von Nikolic versöhnlich als "Missverständnis" bezeichnet. Die Achtung Georgiens sei im Einklang mit den Prinzipien des Völkerrechtes auch ein nationales Interesse Serbiens, erklärte sie in einer Aussendung, auf welche sich das Belgrader Blatt am Mittwoch berief.




Schlagwörter

Serbien, Tomislav Nikolic, Kosovo

3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-30 12:06:35
Letzte Änderung am 2012-05-30 12:07:02


Beliebte Inhalte



Mord in Wien. Eine Frau wurde in Simmering erstochen. - APAweb / APA, Herbert P. Oczeret
  • Passanten hielten Täter fest.
  • weiter

  • Verhandlungen mit Investoren ziehen sich; Hoffnung auf ausländische Banken.
  • weiter

Die Moschee in Telfs ist in Österreich eines der wenigen islamischen Gebetshäuser mit Minarett. Die meisten Moscheen oder Kulturvereine sind nicht so sichtbar. - apa/Gindl
  • Chef der Islam-Glaubensgemeinschaft fordert Rücktritt von Efgani Dönmez.
  • weiter

Aus dem Iran und Afghanistan nach Oberösterreich: Hesam (l.) und Mahmud wollen in Österreich bleiben, vorerst sind sie zum Nichtstun verdammt. Schmidt
  • 20.000 Asylweber sind in Österreich in Grundversorgung - die "Wiener Zeitung" hat drei von ihnen besucht.
  • weiter

"Leider erfolglos" hat sich Stoisits gegen das Beiwort "grüne" Volksanwältin gewehrt: Das Amt habe nichts mit Parteipolitik zu tun. - apa
  • Die Grüne Terezija Stoisits muss als Volksanwältin gehen - und zieht Bilanz.
  • weiter

Aufschrei: E. Dönmez - apa
  • Bundesrat Dönmez: "One-Way-Ticket" für alle Pro-Erdogan-Demonstranten.
  • weiter

Wo bleibt der Nachwuchs? Der ÖGB hat Mühe, mit der Jugend in Kontakt zu treten. - apa/Newald
  • Nur jeder Dritte ist bei der Gewerkschaft.
  • weiter

Österreich hat mit dem Abzug seiner UN-Soldaten von den Golan-Höhen begonnen, am heutigen Mittwoch kehren die ersten Blauhelme zurück. - reuters
  • Der Golan als Beispiel, dass UN-Missionen künftig härter werden.
  • weiter

WEGA-Beamte erschossen in Wien einen Mann. - APAweb / APA, Georg Hochmuth
  • 52-Jähriger war mit Messer auf Beamten losgegangen
  • weiter

Vor mehr als einem Jahr endete der umstrittene Tierschützerprozess in Wiener Neustadt mit einem Freispruch von dreizehn Aktivisten. Die Sendung "Am Schauplatz. Märtyrer oder Mafiosi?", befasst sich noch einmal mit dem Tierschützerprozess, wobei das Filmmaterial eines Staatsanwalts, der mit einer "Schieß-Geste" auf Tierschützer "zielt", neuerlich gesichtet wurde. Im Bild: Ein unbeteiligter Staatsanwalt aus Wr. Neustadt der bei dieser "Schieß-Geste" gegen Tierschützer von einem ORF-Kamera Team nach dem Freispruch, am 2. Mai 2011, gefilmt wurde. - APA/ORF Wiener Neustadt/Wien. Das Oberlandesgericht (OLG) Wien hat einen Teil der Freisprüche im Tierschützer-Prozess aufgehoben...weiter




Werbung



Umfrage

Werbung


Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

20. 6. 2013: Golf ist ein eindeutig ein Sport, wie Maximilian Kieffer beim BMW International in München mit diesem konzentrierten Späh-Liegestütz beweist. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung