• vom 17.07.2012, 17:58 Uhr

Europa

Update: 17.07.2012, 18:45 Uhr
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Vorschläge zur Vermögensbesteuerung werden radikaler

Die Reichen werden nicht erfreut sein


Von Stefan Melichar

  • Wegen hoher Krisenkosten suchen Staaten nach zusätzlichen Geldquellen.

Wer sich eine Villa mit Pool leisten kann, muss vielleicht bald damit rechnen, vom Staat stärker zur Kasse gebeten zu werden. - EPA

Wer sich eine Villa mit Pool leisten kann, muss vielleicht bald damit rechnen, vom Staat stärker zur Kasse gebeten zu werden. EPA

Wien. Frankreich hat eine und will sie ausbauen. Spanien hat seine 2008 abgeschafft, nur um sie im Vorjahr dann doch wieder einzuführen. In Italien hat man zuletzt noch einmal darauf verzichtet: Kaum eine politische Debatte wird in Europa so hitzig geführt wie jene über die Vermögenssteuern. Nun legen namhafte Experten immer radikalere Vorschläge auf den Tisch.

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Die Ausgangslage ist klar: Nach vier Jahren Finanz-, Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise sind viele Staaten dringend auf der Suche nach neuen Geldquellen, um ihre überstrapazierten Budgets zu sanieren. Gleichzeitig herrscht vielerorts die Ansicht, vermögende Bevölkerungsgruppen würden zu wenig zum Wohl der Allgemeinheit beitragen.

Bereits im März hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für Deutschland eine Vermögenssteuer von 0,5 Prozent vorgeschlagen, die die rund 400.000 Millionäre der Bundesrepublik betreffen sollte. Vor ein paar Tagen ließ das DIW aber mit einer viel weitreichenderen Idee eine kleine Bombe platzen: Personen, die netto über mehr als 250.000 Euro Vermögen verfügen, könnten gezwungen werden, dem Staat Geld zu borgen, meinen die Forscher. Das DIW geht bei seinen Berechnungen von 10 Prozent des 250.000 Euro übersteigenden Vermögens aus. Wenn die Betroffenen Glück haben, bekommen sie das Geld nach einigen Jahren wieder, wenn nicht, werden die "Zwangsanleihen" eben einfach in eine einmalige Vermögensabgabe umgewandelt.

Große Umsetzungsprobleme
Obwohl dies eine Maßnahme ist, die sonst eher in Nachkriegszeiten zum Einsatz kommt, ist es nicht der radikalste Vorschlag, der auf dem Tisch liegt: Die Boston Consulting Group, ein Beratungsunternehmen, hat zum Beispiel Berechnungen vorgelegt, in denen von einem "Haircut" auf private Finanzvermögen von 11 bis 30 Prozent ausgegangen wird, um die Kosten der nötigen Entschuldung zu bezahlten. Neben einer Vermögenssteuer könnten auch Kapitalverkehrskontrollen eingeführt und Anleger gezwungen werden, ihr Geld zu mageren Zinsen im eigenen Land anzulegen.

So verlockend es für manche Politiker sein mag, Vermögen stärker zu besteuern, so groß sind die Probleme in der Praxis: "Die Schwierigkeiten fangen schon damit an zu ermitteln, wer wie viel Geld hat", meint Steuerrechtsexperte Werner Doralt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Es müsste zum Beispiel festgestellt werden, was Betriebe oder Grundstücke tatsächlich wert wären. Dies sei in Zusammenhang mit befristeten Zwangsanleihen viel zu aufwendig, erklärt Doralt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-17 18:18:09
Letzte Änderung am 2012-07-17 18:45:52


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