Belgrad. Der serbische Präsident Tomislav Nikolic hat am Donnerstag seine Bereitschaft kundgetan, in Belgrad die Verantwortung für die Kosovo-Frage zu übernehmen. Er wolle Politiker, Intellektuelle, Geschäftsleute und kirchliche Würdenträger versammeln, um ein Positionspapier zum Kosovo zu formulieren, das sich auf die Verfassung und die Interessen der Bürger Serbiens stütze, meinte der frühere Ultranationalist Nikolic in einem Gespräch mit der Tageszeitung "Vecernje novosti". Für den Kosovo wolle er Lösungen vorschlagen, die anderswo bereits angewandt worden seien. Er erwähnte in diesem Zusammenhang die deutschsprachige Volksgruppe in Belgien und Südtirol.
Die frühere serbische Provinz Kosovo hatte sich im Februar 2008 mit Unterstützung der USA und der meisten EU-Staaten für unabhängig erklärt; dies wurde bisher von 91 Staaten anerkannt. Belgrad will, wie Nikolic gegenüber der Tageszeitung erklärte, verhindern, dass der Kosovo UNO-Mitglied wird. Serbien wird in dieser Frage von der UNO-Vetomacht Russland unterstützt. 90 Prozent der Bevölkerung des Kosovo sind Albaner, circa sechs Prozent Serben.
Viele Fragen offen
Nikolic meinte auch, dass sich in den Dialog zwischen Belgrad und Prishtina (serbisch: Pristina) über technische Fragen neben der Europäischen Union auch die Vereinten Nationen einschalten müssten. Die UNO hatte den Kosovo nach dem Krieg zwischen Albanern und Serben, in den die NATO aufseiten der Albaner eingriff, vor der Unabhängigkeit jahrelang verwaltet. Will Belgrad einen Termin für Beitrittsgespräche mit der Europäischen Union erhalten, muss es die Beziehungen zum Kosovo weiter normalisieren. Es geht dabei vor allem um die Lösung von Fragen der Telekommunikation und der Stromversorgung. Nikolic hat diese Problembereiche im Gespräch mit "Vecernje novosti" nicht erwähnt.