Berlin/Frankfurt/Paris. Angesichts der sich zuspitzenden Eurokrise rücken die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Francois Hollande demonstrativ zusammen. Nach einem Krisentelefonat verbreiteten sie am Freitagnachmittag eine gemeinsame Erklärung, in der es heißt: "Deutschland und Frankreich sind der Integrität der Eurozone zutiefst verpflichtet. Sie sind entschlossen, alles zu tun, um die Eurozone zu schützen." Alle Mitgliedstaaten und die EU-Institutionen müssten dafür ihre Verpflichtungen einhalten.
Hollande und Merkel riefen in einer gemeinsamen Erklärung nach ihrem Telefonat dazu auf, die Beschlüsse des letzten EU-Gipfels "rasch" umzusetzen. Dazu gehört auch die Möglichkeit eines erleichterten Aufkaufs von Staatsanleihen durch die beiden Euro-Rettungsfonds EFSF und ESM.
Das Telefonat der Telefonate
Auf dem EU-Gipfel Ende Juni hatte Hollande sich auf die Seite der Regierungschefs aus Spanien (Mariano Rajoy) und Italien (Mario Monti) gestellt, die beide Merkel unter Druck gesetzt hatten. In ihrer Erklärung erwähnten Merkel und Hollande am Freitag weder Griechenland, dem wegen stockender Sparanstrengungen ein Aus der internationalen Hilfe droht, noch die dramatische Lage Spaniens oder das Dilemma Italiens. Die deutsche Kanzlerin hatte von ihrem Urlaubsort in Südtirol aus mit Hollande telefoniert. Nach Informationen der dpa hatte Hollande um das Gespräch gebeten. Rasche finanzwirksame Entscheidungen seien aber nicht vorgesehen.

Die gestrigen Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi zu möglichen Staatsanleihenkäufen durch die Europäische Zentralbank (EZB) haben an den Börsen Mut gemacht, in Europa aber zunächst gemischte Reaktionen ausgelöst. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble begrüßte die Äußerungen des EZB-Präsidenten.
Schäuble stimmte zu, dass die EZB "im Rahmen des bestehenden Mandats" die notwendigen Maßnahmen zur Euro-Rettung ergreifen sollte. Voraussetzung sei allerdings, dass auch die Politik die notwendigen Maßnahmen zur Bewältigung der Finanz- und Vertrauenskrise umsetze, erklärte Schäuble am Freitag in Berlin. "An erster Stelle stehen die Reformanstrengungen der Mitgliedsländer selbst."
Kritische Töne
Deutlich kritischere Töne waren von der Deutschen Bundesbank zu hören. "Der Mechanismus von Staatsanleihenkäufen ist problematisch zu sehen, weil dadurch falsche Anreize gesetzt werden", sagte ein Sprecher der Bundesbank in Frankfurt.