
In Moskau wird am Dienstag die Hauptverhandlung im international kritisierten Prozess gegen Mitglieder der regierungskritischen Punkband Pussy Riot fortgesetzt. Die drei angeklagten Frauen erklärten am Montag ihre Unschuld und bedauerten, falls ihr in einer orthodoxen Kirche aufgeführtes "Punk-Gebet" gegen Wladimir Putin Gläubige verletzt habe.
Den seit März inhaftierten Musikerinnen Nadeschda Tolokonnikowa, Jekaterina Samuzewitsch und Marina Alechina wird "Rowdytum" vorgeworfen; ihnen drohen bis zu sieben Jahre Haft. Maskiert hatten sie im Februar in der Moskauer Erlöserkathedrale dafür gebetet, dass Russland von dem damaligen Premier und jetzigen Präsidenten Putin erlöst werden möge. Sie hatten unter anderem "Maria, Mutter Gottes - verjage Putin!" gesungen.
Die Frauen im Alter zwischen 22 und 29 Jahren wurden am Montag im selben Gerichtssaal vorgeführt, in dem auch die Verhandlung gegen den Putin-Kritiker Michael Chodorkowski stattfand. In dem voll besetzten Saal im Bezirksgericht Chamownitscheski verlas Anwältin Violetta Wolkowa Erklärungen der Frauen: Der Auftritt sei "ein verzweifelter Versuch" gewesen, "um das politische System zu ändern", hieß es in den Ausführungen Tolokonnikowas in dem live im Internet übertragenen Verfahren.

Die in Boxen aus Plexiglas eingesperrten Aktivistinnen erklärten, sie hätten auf die autoritäre und anti-feministische Politik Putins aufmerksam machen wollen. Außerdem wollten sie die enge Verzahnung von Staat und Kirche vor der jüngsten Präsidentenwahl am 4. März kritisieren. Die Staatsanwaltschaft wies Vorwürfe eines politischen Prozesses hingegen strikt zurück. Die von langer Hand geplante Aktion habe die Gefühle der Gläubigen verletzen sollen.
Die Frauen beantragten mehr Zeit, um sich mit den 3.000 Seiten Ermittlungsakten vertraut zu machen. Richterin Marina Syrowa lehnte die Forderung ab, auch den russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill als Zeugen vorzuladen. Der Vater von Samuzewitsch, Stanislaw, zeigte sich wenig optimistisch, dass seine Tochter von dem Gericht Milde erwarten könne. "Natürlich werden sie ins Gefängnis geschickt", sagte er. "Das ist ein politischer Prozess."
Die Staatsanwaltschaft lässt durchblicken, dass sie die gewaltige Medienpräsenz für übertrieben hält; sie lässt Filmaufnahmen und Mitschnitte einschränken.
Vorwürfe eines politischen Prozesses weist der Ankläger strikt zurück. Leise nuschelnd und kaum verständlich trägt er in seiner blauen Uniform die Anschuldigungen vor. Aus religiösem Hass hätten die Frauen gehandelt, als sie - mit Strickmasken verkleidet - "vulgär" im Altarraum vor den heiligen Ikonen herumsprangen. Die von langer Hand geplante Aktion habe die Gefühle orthodoxer Christen verletzen sollen. "Wir verhandeln einen Kriminalfall", souffliert die Vertreterin der Nebenklage.