Moskau. Im umstrittenen Prozess gegen die russische Punkband Pussy Riot haben sich die drei angeklagten Frauen am zweiten Verhandlungstag über massive Einschüchterungsversuche in der Untersuchungshaft beklagt. "Ich kann nicht am Prozess teilnehmen. Wir haben nicht geschlafen und kein Essen bekommen - das ist Folter", sagte Maria Aljochina (24) am Dienstag laut der Agentur Interfax. Richterin Marina Syrowa weigerte sich zunächst, der Bitte der Angeklagten um eine Verhandlungspause nachzukommen; erst als eine der Verteidigerinnen ihr mit einem Abberufungsantrag drohte, lenkte die Richterin ein. Die Sitzung wurde unterbrochen.
Aljochina (24) und den beiden anderen Punkerinnen Nadeschda Tolokonniwa (22) und Jekaterina Samuzewitsch (29) drohen sieben Jahre Haft, weil sie in der Moskauer Erlöserkathedrale ein Stoßgebet gegen Präsident Wladimir Putin gesprochen haben und ihren Auftritt ins Internet stellten. Die Anklage lautet auf Rowdytum aus religiösem Hass. Verteidigung und Opposition sprechen von einem politischen Schauprozess.
Ein solcher droht nun auch einem weiteren scharfen Kritiker des Putin-Regimes. Am Dienstag wurde in Moskau Oppositionsführer Alexej Nawalny angeklagt. Der Vorwurf: Veruntreuung von Staatsgeldern. Der populäre Blogger und Aufdecker von Korruptionsskandalen in der Moskauer Führung soll 2009 den staatlichen Holzbetrieb KirowLes um etwa 1,3 Millionen Rubel (knapp 33.000 Euro) geschädigt haben. Nawalny, der damals als Berater des liberalen Gouverneurs von Kirow, Nikita Belych, fungierte, ist einer der Hauptorganisatoren der jüngsten Massenproteste gegen Putin. Zuletzt zog er sich den Zorn von Russlands oberstem Justizermittler Alexander Bastrykin zu, weil er dessen verdeckte Beteiligung an einer tschechischen Immobilienfirma aufdeckte.