• vom 16.08.2012, 18:58 Uhr

Europa

Update: 16.08.2012, 22:11 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Mitgliedern von Pussy Riot droht mehrjährige Haft

Kämpferisch bis zum Schluss



  • Nach fünf Monaten U-Haft endet politisch gelenkter Schauprozess gegen Pussy Riot.

Moskau. (is/apa) Im Prozess gegen Pussy Riot wird Richterin Marina Syrowa heute das Urteil sprechen. Um 13 Uhr MEZ soll es so weit sein, wenn alles nach Plan läuft. Ein letztes Mal werden die drei jungen Performancekünstlerinnen in ihrem Plexiglaskäfig des Gerichtssaals Platz nehmen, ein letztes Mal den Kampfhunden gegenübersitzen, die während der zweiwöchigen Verhandlung gemeinsam mit den Wärtern im Prozessraum Wache schoben in jenem Chamowniki-Gericht, wo schon der Putin-kritische Ölmagnat Michail Chodorkowski seine langjährige Haftstrafe ausfasste.

"Sie werden nicht durchkommen": Tolokonikova gab sich im Prozess stets kämpferisch.

"Sie werden nicht durchkommen": Tolokonikova gab sich im Prozess stets kämpferisch.© REUTERS "Sie werden nicht durchkommen": Tolokonikova gab sich im Prozess stets kämpferisch.© REUTERS

Und vielleicht wird Nadeschda Tolokonnikowa, die jüngste und aufsässigste der drei wegen eines Putin-kritischen Punkgebets in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale angeklagten Punkerinnen, der Staatsmacht symbolisch noch einmal die Siegesfaust entgegenstrecken, wie es die 22-Jährige schon mehrmals getan hat, nachdem man ihr im Gericht die Handschellen abgenommen hatte. Doch nach einem Sieg sieht es für die jungen Frauen nicht aus.

Werbung

Ein Freispruch gilt als nahezu ausgeschlossen - damit würde die politische Führung vor der ganzen Welt eingestehen, dass die Entscheidung, gegen die drei Frauen wegen ihres schrillen Punkgebetes in der Christ-Erlöser-Kathedrale juristisch vorzugehen, falsch war, heißt es.

Dass sie, Maria Aljochina (24) und Jekaterina Samuzewitsch (29), heute, Freitag, den Gerichtssaal als freie Personen verlassen, wie vor allem einige internationale Medien spekulierten, halten die meisten russischen Beobachter für unwahrscheinlich; dafür dürfte das Strafmaß nur so hoch ausfallen, wie die U-Haft gedauert hat - fünfeinhalb Monate. Angeklagt sind die Frauen wegen "Rowdytum aus religiösem Hass". Die Höchststrafe dafür liegt bei sieben Jahren. Staatsanwalt Alexander Nikiforow hatte in seinem Schlussplädoyer Ende letzter Woche drei Jahre Straflager beantragt, nachdem sich Präsident Putin jüngst bei einem London-Besuch auch öffentlich für eine "nicht allzu harte Strafe" ausgesprochen.

Dass es sich um einen vom Kreml gelenkten politischen Schauprozess handelt, daran bestehen in Russland kaum Zweifel. "Ziel (. . .) ist es, anderen Regimekritikern eine Lektion zu erteilen", schrieb Chodorkowski jüngst in einem Brief aus seiner Haft. Von einem politischen Gewaltakt spricht der bekannte Oppositionspolitiker Boris Nemwoz.

Auch das Strafmaß wird auf höchster Ebene entschieden, sind sich Dissidenten, die Anwälte der Angeklagten sowie die Angehörigen der jungen Pussy-Riot-Mitglieder einig. Der Ehemann Tolokonnikowas, Pjotr Werzilow, rechnet deshalb "mit zwei bis drei Jahren Haft" für seine Frau, wie der Aktionismus-Künstler kürzlich auf Youtube zum Besten gab. Auch er war nach dem Auftritt der Punkband in der Moskauer Kirche Ende Februar vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen worden, wurde kurz darauf wegen seines kanadischen Passes wieder freigelassen und passt seither auf die gemeinsame vierjährige Tochter auf.




Schlagwörter

Urteil, Russland, Pussy Riot

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-16 19:05:10
Letzte Änderung am 2012-08-16 22:11:10


Beliebte Inhalte



Ex-Telekom-Manager Fischer bekannte sich der Untreue teilschuldig. Er wollte Jörg Haider "einen Gefallen tun". apa/Hochmuth
  • Prozess um mutmaßliche Telekom-Zahlung an FPÖ startet mit Teilgeständnissen von Telekom-Angeklagten.
  • weiter

Auch wenn Teilergebnisse gefeiert wurden, das Gesamtergebnis verursacht bei den meisten Fraktionen eher Katerstimmung. - APAweb / Herbert Neubauer
  • Mandatsgewinne vor allem für kleiner Gruppierungen
  • TU Graz schaffte Auszählung nicht
  • weiter

Schafe in der Zieleinfahrt: Der Abfahrt-Hang in Schladming wird wieder als Weide genutzt, Skygate (Stahlbogen vor der Ziellinie) und Riesenbildschirm (links hinten) sind noch nicht ganz abgebaut . - Pock
  • Dringliche Anfrage der steirischen Grünen brachte wenig Licht ins Dunkel.
  • weiter

Handschlagqualität. Was Minister Klug (r.) vorgibt, wird Kommandant Commenda exekutieren. - apa
  • Othmar Commenda: Gehorsam gegenüber Politik als stärkste Waffe.
  • weiter

 Ein Deutscher ist am Mittwoch beim Wandern auf dem Meraner Wanderweg oberhalb von Naturns in Südtirol auf rund 1...weiter

Am "Internationalen Tag der Pflege" haben sich die Seniorenvertreter von SPÖ und ÖVP für die Abschaffung des Pflegeregresses in der Steiermark ausgesprochen. - APAweb / Barbara Gindl
  • Frühere Angleichung des Frauenpensionsalters für Khol "keine aktuelle Frage"
  • weiter

Alle Lehrer werden Master. Auch Volksschullehrer müssen länger studieren. - apa/Georg Hochmuth
  • Alle Sekundarlehrer erhalten dieselbe Ausbildung; Mobilität wird erhöht.
  • weiter

  • Vizechef Norbert Hofer dementiert rassistische Aussagen.
  • weiter

SPÖ -Kampfpapier gegen die Steuerpläne der ÖVP. (Faksimile)
  • Der Rosenkrieg vor der Wahl ist eröffnet - und er wird "dirty". Doch die zweite Ehe winkt bereits.
  • weiter

Michael Spindelegger will Kanzler werden und die ÖVP zur Nummer eins machen. - apa/Jäger
  • Ziel der ÖVP: 420.000 neue Arbeitsplätze bis 2018 - und ein ÖVP-Bundeskanzler.
  • weiter




Werbung



Umfrage

Werbung


Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

Werbung