• vom 17.08.2012, 12:27 Uhr

Europa

Update: 19.08.2012, 09:22 Uhr
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Internationale Proteste gegen Verurteilung zu Lagerhaft

Mildere Strafen für Pussy Riot?



  • Auch Ex-Schachweltmeister Kasparow droht Haftstrafe.
  • Uni-Rektor Bast will Dissidentenkunst unterstützen.

Nadezhda Tolokonnikova von der Punkband Pussy Riot grüßt ihre Unterstützer in Moksau.

Nadezhda Tolokonnikova von der Punkband Pussy Riot grüßt ihre Unterstützer in Moksau.EPAweb / SERGEI CHIRIKOV Nadezhda Tolokonnikova von der Punkband Pussy Riot grüßt ihre Unterstützer in Moksau.EPAweb / SERGEI CHIRIKOV

Moskau. Nach der internationalen Empörung über die Verurteilung von drei Musikerinnen der regierungskritischen Punkband Pussy Riot in Russland wegen Rowdytums aus religiösem Hass rechnen Beobachter mit einer Abmilderung der Strafe. Russische Medien und äußerten am Samstag die Erwartung, dass die Strafe von jeweils zwei Jahren Lagerhaft in einem Berufungsverfahren reduziert werden dürfte.

Mutmaßungen über Entlassungen in einem Monat

Denis Dwornikow von der Zivilen Kammer, die russische Behörden berät, sagte eine Milderung der Strafen im Berufungsprozess voraus. Vermutlich würden die Verurteilten schon einen Monat nach dem Verfahren in die Freiheit entlassen, sagte Dwornikow der Nachrichtenagentur Interfax.

Information

Rund um das Urteil
  • "Die Angeklagten waren sich des beleidigenden Charakters ihrer Handlungen und ihres Äußeren bewusst. Sie hatten die Absicht, ihre Aktion publik zu machen und damit eine gesellschaftliche Resonanz hervorzurufen (…) Sie haben die orthodoxen Gläubigen tief beleidigt." (Aus der Urteilsbegründung)
  • Der russische Oligarch und Oppositionspolitiker Alexander Lebedew erschien im Gerichtssaal und bot an, eine Kaution für die Angeklagten zu hinterlegen.
  • Die Polizei  nahm vor dem Gericht die Oppositionsführer Garri Kasparow und Sergej Udaltsow fest.
  •  Im normalen Strafvollzug dürfen die Frauen pro Jahr sechs kurze Besuche (bis zu vier Stunden) erhalten sowie vier lange Besuche (bis zu drei Tage).

Nach der Berufung durch die Verteidiger werde das zuständige Moskauer Gericht vermutlich die Strafe von zwei Jahren Lagerhaft in ein Jahr verwandeln und "diese Idiotinnen freilassen, damit sie ihre Kinder und Angehörigen wiedersehen können", schrieb die Zeitung "Komsomolskaja Prawda" am Samstag.

Die im Gegensatz dazu kremlkritische Zeitung "Nowaja Gaseta" schrieb, ohne Präsident Wladimir Putin namentlich zu nennen: "Das Urteil ist ein Teil des Dammes, der die Macht verteidigt, vor dem Hintergrund fallender Zustimmungswerte des ersten Mannes im Staat, des erwachenden politischen Bewusstseins der urbanen Mittelklasse, säkularer Medien und der Modernisierung des Bewusstseins. (...) Mit diesem Urteil beweist die Führung, dass sie die Repressionen fortsetzen wird, manchmal auch unter dem Banner der Religiosität."

Die Musikerinnen von Pussy Riot sind schuldig gesprochen worden.

Die Musikerinnen von Pussy Riot sind schuldig gesprochen worden.APAweb / EPA, Maxim Shipenkov Die Musikerinnen von Pussy Riot sind schuldig gesprochen worden.APAweb / EPA, Maxim Shipenkov

Das russische Außenministerium äußerte sich nicht direkt zu dem Urteil. Es veröffentlichte aber am Samstag eine Erklärung, in der die in westlichen Staaten verhängten Strafen für "Rowdytum" an religiösen Orten aufgelistet wurden. Präsident Putin hatte sich Anfang des Monats gegen ein "zu hartes" Urteil ausgesprochen, zu der Gerichtsentscheidung äußerte er sich bisher nicht. Putin habe nicht das Recht, dem Gericht seine Meinung aufzuzwingen, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow nunmehr der Webseite PublicPost.ru. Die mit der Staatsführung verbundene russisch-orthodoxe Kirche forderte nach dem Urteil "Milde" für die drei Frauen.

Im In- und Ausland war die Verurteilung der drei Frauen scharf kritisiert worden. Das Gericht hatte die 22-jährige Nadeschda Tolokonnikowa, die 24-jährige Maria Alechina und die 30-jährige Jekaterina Samuzewitsch am Freitag schuldig erklärt und zu jeweils zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Sie hatten bei einer kurzen Performance in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale im Februar ein "Punkgebet" gegen Putin aufgeführt.




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Dokument erstellt am 2012-08-17 12:28:39
Letzte Änderung am 2012-08-19 09:22:58


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