Berlin/Athen. In der Euro-Krise und den Debatten darüber, wie Griechenland doch noch gerettet werden könnte, lässt Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble die Tür für ein Zugeständnis an die Regierung in Athen offen.
Unmittelbar vor entscheidenden Treffen zu weiteren Griechenland-Hilfen sagte der CDU-Politiker am Donnerstag im SWR, eine Verlängerung der Frist zur Umsetzung der Reformen hänge vom Bericht der Troika aus Vertretern der EU-Kommission, der EZB und des IWF ab. Dieser soll in der zweiten Septemberwoche vorliegen. Bisher hatte sich Schäuble gegen zeitliche Zugeständnisse an Griechenland gewehrt. Die SPD forderte eine Streckung der Fristen unter bestimmten Umständen.
"Zeit allein löst die Probleme nicht"
Auch am Donnerstag argumentierte Schäuble, dass es Griechenlands Probleme längst nicht löse, dem Land bloß mehr Zeit zu geben. Es gehe darum, einen Weg zu finden, der die Eurozone insgesamt aus dem mangelnden Vertrauen der Finanzmärkte herausführe. Spekulationen über das weitere Vorgehen seien schädlich, zunächst müsse der Troika-Bericht abgewartet werden. Grundsätzlich müsse man aber für die schwierige Lage Griechenlands Verständnis haben, sagte Schäuble. Klar sei auch, dass das Land wegen der Wahlen viel Zeit für Reformen verloren habe.
So oder so hofft Griechenlands Premierminister Antonis Samaras auf einen Aufschub bei den strengen Sparauflagen, um die in der Rezession steckende Wirtschaft wieder in Schwung bringen zu können. Kurz vor seinem Aufbruch nach Berlin und Paris rief er auch nachdrücklich dazu auf, "das Gerede" über ein Ausscheiden seines Landes aus der Eurozone zu beenden. "Wie kann man privatisieren, wenn jeden Tag europäische Verantwortungsträger über ein potenzielles Ausscheiden Griechenlands aus der gemeinsamen Währung spekulieren?", fragte Samaras in der französischen Zeitung "Le Monde".
"Rettung Griechenlands zeigt Europas Stärke"
Wenn Griechenland seine Reformen umsetze und "seinen Arbeit" tue, dann könne das Land gerettet werden, so Samaras. Vorausgesetzt, es bekomme weiter die Hilfszahlungen. Sollte nämlich die nächste für Oktober erwartete Tranche aus dem Rettungspaket von 31 Milliarden Euro ausfallen, wäre Griechenland pleite, warnte der Premierminister. Werde sein Land aber gerettet, dann zeige das wiederum, "dass Europa stark und fähig sei, seine Probleme erfolgreich zu meistern".
Dagegen wäre ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum laut Samaras "verheerend" für das Land selbst und "schädlich" für ganz Europa. Die dann folgenden sozialen Verwerfungen in Griechenland könnten "sehr ansteckend" auch für andere europäische Länder werden. Zusammen mit der Instabilität im Nahen Osten könnte dies ein "geopolitischer Alptraum" werden.
Noch am Donnerstagabend besprach die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, die Samaras heute, Freitag, zu Gesprächen in Berlin empfängt, mit dem französischen Präsidenten François Hollande, wie es mit Griechenland weitergehen sollte.
Bisher war ja Frankreich eher zu einer Fristverlängerung geneigt als Deutschland. Am Samstag reist Samaras zu Hollande nach Paris weiter. Im Vorfeld dieser beiden Treffen, waren Merkel und Hollande bemüht, eine gemeinsame Linie gegenüber Samaras zu finden.