Warschau/Gronowo. Knapp einen Monat nach der Einführung des "kleinen Grenzverkehrs" zwischen Polen und der russischen Exklave Kaliningrad haben die ersten Russen die Grenze ohne Visum passiert. Ein Radfahrer am Grenzübergang Gronowo im nordostpolnischen Masuren überquerte in der Früh als erster die Grenze in die Schengen-Region der EU, wie die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtete. Bisher war dies den Kaliningradern ohne Visum verschlossen geblieben.
Er blieb nicht der einzige: Zahlreiche Russen, die am Freitag vom polnischen Konsulat im ehemaligen Königsberg die Reisegenehmigungen erhalten hatten, steuerten am Samstag Supermärkte und Handelszentren in den polnischen Grenzstädten an.
Viele Besucher aus Kaliningrad kamen polnischen Medienberichten zufolge in Luxusfahrzeugen in die Grenzregion, die als Armenhaus Polens gilt. Die meisten nutzten die Möglichkeit zum Großeinkauf. "Zu Hause bekomme ich schlechtere Qualität und muss zwei- bis dreimal so viel bezahlen", begründete ein Autofahrer PAP zufolge die Einkaufsfahrt nach Polen.
Tourismus und Arbeit
Die polnischen Gemeinden in der Region erhoffen sich vom kleinen Grenzverkehr nicht nur mehr Handel und Tourismus. Sie wünschen sich auch Investitionen der östlichen Nachbarn in dem Grenzgebiet, das von hoher Arbeitslosigkeit geprägt ist.
Die russischen Behörden hatten bereits vor zwei Wochen die ersten Reisegenehmigungen an Polen aus Masuren und Teilen Pommerns ausgestellt. Die meisten polnischen Grenzgänger sind nach Angaben der Grenzschützer entweder Kleinhändler oder Tanktouristen - angesichts der hohen Benzinpreise in Polen wird bereits seit Monaten ein Andrang an Tankstellen in Litauen und nun auch in Kaliningrad beobachtet.