
Brüssel/Hamburg. Dass Angela Merkel bei den Bundestagswahlen in einem Jahr erneut als Spitzenkandidatin der Union antreten wird, gilt als unbestritten. Die deutsche Kanzlerin selbst, die sich trotz Eurokrise und sinkendem Wirtschaftswachstum auch im achten Amtsjahr hoher Beliebtheit erfreut und deren CDU/CSU in Umfragen führt, ließ daran nie Zweifel aufkommen.
Umso mehr überraschte, dass sich ihr als loyal bekannter CDU-Parteikollege Günther Oettinger nun öffentlich Gedanken über ihre politische Zukunft macht. Die CDU-Chefin könnte einmal ein hohes Amt in der Europäischen Union annehmen, erklärte der für Energiefragen zuständige EU-Kommissar gegenüber der "Zeit".
Auf die Frage, ob es vorstellbar sei, dass Merkel Rats- oder Kommissionspräsidentin werde, antwortete Oettinger: "Erst einmal hat sich die Kanzlerin entschieden, dass sie Kanzlerin bleiben möchte. Aber ich schließe nicht aus, dass sich im Laufe des Jahrzehnts für sie die Frage nach einer hauptberuflichen Tätigkeit in Brüssel stellt."
Kommentatoren schlossen daraus, dass die CDU sich ihrer Mehrheit gemeinsam mit der FDP nach der Wahl nicht mehr so sicher ist.