• vom 02.09.2012, 09:44 Uhr

Europa

Update: 02.09.2012, 10:01 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Rajoy präsentiert mehrstufigen Plan für Anleihen und Fiskalunion

Madrid legt Fahrplan in Richtung Eurobonds vor



  • Portugal wird Sparziel nicht erreichen.

Madrid. Mariano Rajoy will bei der Umsetzung von Eurobonds und Fiskalunion Nägel mit Köpfen machen: Ein dreistufiger Fahrplan, den Spaniens Ministerpräsident nun vorgestellt hat, sieht unter anderem Einführung einer europäischen Budgetbehörde bis 2015/16 vor. Gleichzeitig soll die gemeinsame Schuldenaufnahme durch Eurobonds verwirklicht werden. Die Notwendigkeit dieser Maßnahme ist für Rajoy gegeben: "Eine Währungsunion kann nicht funktionieren, wenn sich manche Länder zu negativen Zinssätzen finanzieren, während andere untragbar hohe Zinsen aufbringen müssen."

Geht es nach Spaniens Ministerpräsident, sollen die Euro-Länder bis 2013/14 Maßnahmen treffen, um die steuerlichen und wirtschaftlichen Konvergenzkriterien sowie alle Auflagen des Europäischen Rats zu erfüllen, sagte Rajoy der deutschen Zeitung "Bild am Sonntag". In einem zweiten Schritt bis 2015/16 müsse eine europäische Budgetbehörde zur Kontrolle der nationalen Budgets geschaffen werden.

  In dieser Phase sollte die überwiegende Schuldenaufnahme durch die Nationalstaaten erfolgen, Eurobonds könnten aber bereits begeben werden. In einer dritten Phase könnten dann verbindliche Haushaltsziele für den gesamten Euro-Raum beschlossen werden und gemeinschaftliche Anleihen ausgegeben werden, schlug der Regierungschef vor, dessen Land unter enorm hohen Refinanzierungskosten leidet.

"Gegenwärtige Situation lässt sich nicht durchhalten"
   Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone hatten im Juni vereinbart, bis zum Jahresende einen Fahrplan zum Aufbau einer "echten Währungsunion" zu entwerfen. Bausteine dazu sind eine Fiskalunion mit einer stärker verzahnten Haushaltspolitik und gemeinsamen Finanzierungsinstrumenten, eine Bankenunion mit gemeinsamer Aufsicht und eine bessere demokratische Kontrolle.

   Der spanische Regierungschef verlangte entschiedene Schritte, um die Differenzen bei den Zinssätzen für Staatsanleihen zu verringern. Rajoy fügte hinzu: "Die gegenwärtige Situation lässt sich nicht über einen längeren Zeitraum durchhalten."

Rajoy hofft auf deutsche Führungsverantwortung
   Der Konservative Rajoy forderte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, weitere Führungsverantwortung bei der Reform der Währungsunion zu übernehmen. "Frau Merkel ist eine Regierungschefin mit einer unglaublichen Solidität. Als deutsche Bundeskanzlerin hat sie eine Führungsrolle bei der Lösung der drängenden Probleme beim Euro und der europäischen Integration. Dazu ist sie nach meinem Eindruck bereit." Merkel soll mit Rajoy demnächst zu Beratungen zusammenkommen.

Von der EU-Kommission hat sich Spanien Lob eingehandelt: Die Maßnahmen zur Sanierung der maroden spanischen Banken wäre ein wichtiges Signal, sich an die Anforderungen und den Zeitrahmen des Programms zu halten, teilte EU-Währungskommissar Olli Rehn mit.

  Die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte zuvor eine tiefgreifende Reform des Bankensektors beschlossen. Herzstück ist die Gründung einer Auffangbank im November. In dieser Art "Bad Bank" sollen notleidende Immobilienkredite in Milliardenhöhe gesammelt werden.

Portugal wird Defizitziel verpassen
Als weniger erfreulich stellt sich jedoch die Entwicklung in Portugal dar:  Das iberische Land wird heuer nach Einschätzung von Experten ein weitaus höheres Budgetdefizit haben als mit den internationalen Gläubigern vereinbart. Wenn die Schätzungen sich bestätigten, reichten die vorgesehenen Sparmaßnahmen nicht aus, um das Defizitziel von 4,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) zu erreichen, hieß es in einem Expertenbericht an Mitglieder des Budgetausschusses des portugiesischen Parlaments.

  Demnach dürfte das Staatsdefizit im ersten Halbjahr dieses Jahres zwischen 6,7 und 7,1 Prozent des BIP erreichen. Die Experten machten vor allem den deutlichen Rückgang an Steuereinnahmen für das Verfehlen des Sparziels verantwortlich.

  Vertreter der internationalen Gläubiger aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank hatten am Dienstag ihre fünfte Mission in Portugal begonnen, um die Umsetzung des zugesicherten Sparprogramms zu überprüfen. Das Reformprogramm war Bedingung für die Gewährung internationaler Finanzhilfen in Höhe von 78 Milliarden Euro. Doch die Konsolidierungsmaßnahmen machen der Wirtschaft des Landes schwer zu schaffen, und die Arbeitslosenquote erreichte mit derzeit 15 Prozent ein Rekordhoch.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-02 10:00:43
Letzte Änderung am 2012-09-02 10:01:46


Beliebte Inhalte



Die Moschee in Telfs ist in Österreich eines der wenigen islamischen Gebetshäuser mit Minarett. Die meisten Moscheen oder Kulturvereine sind nicht so sichtbar. - apa/Gindl
  • Chef der Islam-Glaubensgemeinschaft fordert Rücktritt von Efgani Dönmez.
  • weiter

Der grüne Bundesrat Efgani Dönmez bekundet sein Bedauern und nimmt via Aussendung alles zurück. - APAweb
  • "Das verwendete Bild war eine unglückliche, überspitzt getätigte Formulierung und eine Grenzverletzung."
  • weiter

Aus dem Iran und Afghanistan nach Oberösterreich: Hesam (l.) und Mahmud wollen in Österreich bleiben, vorerst sind sie zum Nichtstun verdammt. Schmidt
  • 20.000 Asylweber sind in Österreich in Grundversorgung - die "Wiener Zeitung" hat drei von ihnen besucht.
  • weiter

Aufschrei: E. Dönmez - apa
  • Bundesrat Dönmez: "One-Way-Ticket" für alle Pro-Erdogan-Demonstranten.
  • weiter

  • Verhandlungen mit Investoren ziehen sich; Hoffnung auf ausländische Banken.
  • weiter

Aufschrei: E. Dönmez - apa
  • Bundesrat Dönmez: "One-Way-Ticket" für alle Pro-Erdogan-Demonstranten.
  • weiter

Österreich hat mit dem Abzug seiner UN-Soldaten von den Golan-Höhen begonnen, am heutigen Mittwoch kehren die ersten Blauhelme zurück. - reuters
  • Der Golan als Beispiel, dass UN-Missionen künftig härter werden.
  • weiter

Wo bleibt der Nachwuchs? Der ÖGB hat Mühe, mit der Jugend in Kontakt zu treten. - apa/Newald
  • Nur jeder Dritte ist bei der Gewerkschaft.
  • weiter

WEGA-Beamte erschossen in Wien einen Mann. - APAweb / APA, Georg Hochmuth
  • 52-Jähriger war mit Messer auf Beamten losgegangen
  • weiter

Vor mehr als einem Jahr endete der umstrittene Tierschützerprozess in Wiener Neustadt mit einem Freispruch von dreizehn Aktivisten. Die Sendung "Am Schauplatz. Märtyrer oder Mafiosi?", befasst sich noch einmal mit dem Tierschützerprozess, wobei das Filmmaterial eines Staatsanwalts, der mit einer "Schieß-Geste" auf Tierschützer "zielt", neuerlich gesichtet wurde. Im Bild: Ein unbeteiligter Staatsanwalt aus Wr. Neustadt der bei dieser "Schieß-Geste" gegen Tierschützer von einem ORF-Kamera Team nach dem Freispruch, am 2. Mai 2011, gefilmt wurde. - APA/ORF Wiener Neustadt/Wien. Das Oberlandesgericht (OLG) Wien hat einen Teil der Freisprüche im Tierschützer-Prozess aufgehoben...weiter




Werbung



Umfrage

Werbung


Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

19.6.2013: Ein Turopolje-Schwein schwimmt in einem Teich im Tierpark in Schleswig-Holstein. Die robusten Schweine stammen ursprünglich aus den Flussniederungen der Save in Kroatien. Die Turopolje sind ausgezeichnete Schwimmer, die sich bei Überschwemmungen die Nahrung auch unter Wasser suchen und sogar nach Muscheln tauchen. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung