Brüssel. EU-Justizkommissarin Viviane Reding macht einem Bericht zufolge mit ihren Plänen für eine Frauenquote in den Aufsichtsräten von Konzernen Tempo. Künftig sollten 40 Prozent aller Aufsichtsräte dem unterrepräsentierten Geschlecht angehören, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Redings Entwurf für eine im Herbst geplante Richtlinie. Demnach gilt dieses Ziel für börsennotierte Unternehmen und soll bis zum 1. Jänner 2020 umgesetzt sein. Bei Verstößen drohen dem Blatt zufolge Bußgeld, ein Entzug von Subventionen oder ein Ausschluss von öffentlichen Wettbewerben. Die Entscheidung über Sanktionen solle aber bei den Mitgliedstaaten liegen.
Wie die "WamS" weiter berichtete, sind kleinen und mittlere Unternehmen (KMU) von den Regelungen ausgeschlossen, auch wenn sie börsennotiert sind. So seien Familienunternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von weniger als 50 Mio. Euro ausgenommen. Den Plänen müssen EU-Parlament und Mitgliedstaaten im EU-Rat zustimmen.
Bundesarbeitministerin Ursula von der Leyen lobte die Vorschläge der luxemburgischen Politikerin. "Wenn die Länder Europas international wettbewerbsfähig bleiben wollen, dann geht das nicht ohne Frauen an der Spitze", sagte von der Leyen dem Blatt.
Reding macht sich schon länger für eine europaweite Frauenquote in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen stark. Sie hatte zuletzt für Anteile von 30 Prozent bis 2015 und von 40 Prozent bis zum Jahr 2020 geworben. In deutschen Vorstandsetagen sind Frauen mit einem Anteil von 3 Prozent die Ausnahme. In Aufsichtsräten kommen sie auf 10 bis 15 Prozent der Mitglieder.
Heinisch-Hosek begrüßt Initiative
Frauenministerin und SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek begrüßt den Vorschlag von Reding zur Einführung einer Frauenquote in den Chefetagen der börsenotierten Unternehmen in einer Aussendung. 40 Prozent der Aufsichtsräte sollen bis 2020 weiblich besetzt sein. Das will Reding in einen Richtlinien-Entwurf hineinschreiben. Kritik kommt dagegen vom BZÖ, das in der Quote eine "sinnlose Zwangsregelung" sieht.
Die Frauenministerin sieht die Vorschreibung einer Quote als ein wirksames Mittel an, was sich auch bei den staatsnahen Unternehmen in Österreich zeige. Im Vorjahr habe der Bund eine 25-Prozent Quote bis Ende 2013 verordnet, ein Jahr später hätte schon die Hälfte der Unternehmen einen Frauen-Anteil von 25 Prozent im Aufsichtsrat, so die Ministerin.
BZÖ-Frauensprecherin Marina Schenk kritisiert dagegen in einer Aussendung, dass "jede Quote automatisch eine Diskriminierung und eine Herabwürdigung der Frauen" bedeuten würde. Bei der Diskussion über eine Quote in Vorstands- bzw. Führungspositionen ginge es "um eine Handvoll von Frauen", während die wahren Probleme bei sogenannten "typischen Frauenberufen" zu suchen wären. Dort wäre ein gesetzlicher Mindestlohn von 1.500 Euro notwendig.