• vom 05.09.2012, 17:21 Uhr

Europa

Update: 06.09.2012, 07:43 Uhr
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Seit Ausländer in den Niederlanden kein Cannabis mehr kaufen dürfen, kämpfen die Coffeeshops ums Überleben

Rauchzeichen im Wahlkampf



  • Die Coffeeshops werben für die SP. Diese will den Hasch-Pass wieder abschaffen.

Mit dem "Cannabus" gehen die Coffeeshop-Besitzer auf Werbetour für die Sozialistische Partei. Sie fürchten um ihr Geschäft und warnen vor einer Verlagerung des Drogenhandels auf die Straße. - © EPA

Mit dem "Cannabus" gehen die Coffeeshop-Besitzer auf Werbetour für die Sozialistische Partei. Sie fürchten um ihr Geschäft und warnen vor einer Verlagerung des Drogenhandels auf die Straße. © EPA

Amsterdam. (apa/rs) Im Süden lässt sich derzeit schon beobachten, was möglicherweise auch bald dem Norden bevorsteht. Seit 1. Mai herrscht in den Coffee-Shops in den Grenzprovinzen Zeeland, Nord-Brabant und Limburg tote Hose, mehr als 600 Mitarbeiter mussten die Betreiber bereits feuern, weil die ausländische Kundschaft durch die Einführung des Wietpas - auf deutsch heißt das in etwa Hasch-Pass - ausbleibt. Auch viele Einheimische haben sich noch nicht registrieren lassen, seit die Hasch-Cafés auf Anordnung der Mitte-Rechts-Koalition unter Mark Rutte in geschlossene Klubs umgewandelt wurden, in denen nur Erwachsene mit Wohnsitz in den Niederlanden zugelassen sind.

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Für die Coffeeshop-Besitzer im Norden, wo am 1. Jänner 2013 der Wietpas eingeführt werden soll, ist der Süden vor allem ein abschreckendes Beispiel. Und sie wollen nicht klein beigeben, solange auch noch die geringste Chance besteht, das Gesetz, das vor allem zur Eindämmung des Drogentourismus ersonnen wurde, zu kippen. Seit knapp zwei Wochen mischt sich die Branche auch überaus aktiv in den Parlamentswahlkampf ein. Mit der selbst organisierten "Cannabus-Tour" rührt sie die Werbetrommel für die Sozialistische Partei, die in ihrem Wahlprogramm die Abschaffung des Wietpasses versprochen hat. "Wenn ihr weiterhin Marihuana bei uns rauchen wollt, wählt am 12. September Emile Roemer!", ruft Nol van Schaik, der die Promotion-Tour angestoßen hat, in die kleine Menge am Amsterdamer Nieuw-Markt am Rande des Rotlichtviertels. Dort befindet sich ein Großteil der insgesamt 220 Coffeeshops der niederländischen Hauptstadt. Ein paar Dutzend sind gekommen, um ihre Abneigung gegen den Wietpas zu demonstrieren.

"Sogar mein Opa, der schon 70 Jahre lang raucht und seinen eigenen Coffeeshop besitzt, müsste sich registrieren", empört sich Van Schaik. Der Kampagnenleiter wirkt gestresst, aber professionell im Umgang mit Journalisten, antwortet auf jede Frage wie aus der Pistole geschossen. Immerhin ist Amsterdam die bereits 14. Station des "Cannabus". 500 Euro hat jeder der teilnehmenden Coffeeshop-Besitzer in den Topf gelegt, um den silberfarbenen Bus kaufen zu können, der mit zahlreichen SP-Wahlplakaten und einer Soundanlage aufgepeppt wurde.

Mehr Dealer in Maastricht
In Amsterdam sei man von den Politikern enttäuscht, in Den Haag seien wenigstens vier Abgeordnete auf Einladung der Organisatoren bei der Aktion erschienen, erklärt Van Schaik. Alle Parteien wurden per Brief eingeladen, mit der SP gab es sogar vor Beginn der Tour ein Treffen. Dort wurde die gegenseitige Unterstützung besiegelt. "Wir brauchen euer Know-how und eure Erfahrung", sollen SP-Politiker gesagt haben. "Sie sehen die Coffeeshops nicht als das Problem, sondern als die Lösung", sagt Van Schaik stolz. Daraufhin habe man sich entschieden, die SP, die nach einem kurzfristigen Kopf-an-Kopf-Rennen mit Ruttes VVD nun in den Umfragen knapp hinter der Arbeiterpartei (PvdA) auf Platz drei liegt, nicht nur zu wählen, sondern auch andere von deren Regierungsqualität zu überzeugen. "Roemer in der Regierung? Stimm SP!" steht auf den T-Shirts, Feuerzeugen und Plakaten, die an das Publikum verteilt werden.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-05 17:26:08
Letzte Änderung am 2012-09-06 07:43:13


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