Paris. Die Marschrute bei Frankreichs Sozialisten stand bereits mit der Nominierung der Kandidaten für die Parteispitze fest: Es geht weiter nach links. Zur Wahl standen der ehemalige Präsident der Anti-Rassismus-Organisation "SOS Racisme", Harlem Desir, und der ehemalige Trotzkist und Pariser Abgeordnete Christophe Cambadelis. Die noch amtierende Obfrau, Martine Aubry, entschied sich für Desir.
Grundsätzlich wird der EU-Abgeordnete zwar weder dem linken noch dem rechten Flügel der Partei zugerechnet, doch ist er bei der Parteilinken offenbar ausreichend vernetzt, um ihm zuzutrauen, diese trotz der kommenden Politik bei der Stange zu halten. Immerhin stehen für den sozialistischen Präsidenten François Hollande und seine Regierung Einsparungen und Steuererhöhungen an. Kurz vor seiner Nominierung hatte Desir erklärt: "Wir brauchen eine sozialistische Partei, die vollkommen mobilisiert ist und vereint hinter dem Präsidenten und der Regierung steht."
Aubry und Premierminister Jean-Marc Ayrault schlugen den 52-Jährigen am Mittwoch für den Parteivorsitz vor. Desirs Wahl durch die 175.000 Parteimitglieder im Oktober gilt somit als Formsache. Aubry und Ayrault hatten sich noch am Dienstagabend getroffen, um über die künftige Parteispitze zu beraten; nach Angaben eines Teilnehmers dauerten die Gespräche bis tief in die Nacht. Bei der Vergabe der Posten mussten die Interessen der verschiedenen Lager innerhalb der Partei berücksichtigt werden.
Formell wurde Desir als erster Unterzeichner des von Ayrault und Aubry ausgearbeiteten Leitantrags für den Parteitag der Sozialisten in Toulouse bestimmt. Die Parteimitglieder werden zunächst am 11. Oktober über alle eingereichten Anträge und dann am 18. Oktober über den vorgeschlagenen Kandidaten für das Amt des Parteichefs abstimmen, wobei eine Zustimmung für Desir als sicher gilt. Die Amtsübergabe wird dann auf dem Parteitag vollzogen, der am 26. Oktober beginnt.
Der unterlegene Cambadelis erklärte zwar, er sei "enttäuscht", rief aber zugleich die Sozialisten auf, sich hinter Desir zu stellen. Dies lässt die Sozialisten immerhin hoffen, nicht erneut eine Krise wie 2008 zu erleben. Damals führte der erbittert ausgetragene Kampf um die Parteispitze beinahe zur Spaltung der Partei. Am Ende setzte sich Aubry gegen die gescheiterte Präsidentschaftskandidatin Segolene Royal durch.