• vom 13.05.2017, 08:33 Uhr

Europachronik


Eurovision

Kiew, die Szenestadt am Dnepr




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Von Thomas Seifert aus Kiew

  • Der Eurovision-Austragungsort Kiew hat einen tollen Vibe, eine Jugendszene strotzend vor Energie, hier ist alles auf Anfang.

Die quirlige Start-up-Szene von Kiew.

Die quirlige Start-up-Szene von Kiew.© Thomas Seifert Die quirlige Start-up-Szene von Kiew.© Thomas Seifert

Kiew. Oleksandr Skichko ist einer der Moderatoren beim Eurovision Song Contest und die personifizierte PR für seine Heimatstadt Kiew, wo das Finale des Song Contest am Samstag über die Bühne gehen wird. "Jeder will Rom oder Paris besuchen. Aber die wenigsten denken an Kiew, wenn es darum geht, einen coolen Städtetrip zu planen. Uns geht es beim Song Contest auch darum, zu zeigen, dass Kiew wirklich toll ist." Klingt wie aus der Tourismus-Werbung. Aber irgendwie hat Oleksandr recht.

Wie Berlin in den 90ern
Kiew ist eine Stadt wie Berlin in den frühen 90er Jahren: Mit einem guten Vibe, die Partyszene strotzend vor Energie, hier ist alles auf Anfang.

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Gut, Lemberg (Lwiw) mit seinem wunderschönen Marktplatz und engen Gassen wirkt irgendwie vertraut - ein putziges, adrettes Klein-Wien. Kiew, die Stadt am Dnepr, mit den vergoldeten Zwiebelkuppeln, romantischen Gässchen und imperialen Boulevards im Stadtzentrum, aber auch einer Portion megalomanischer Sowjetarchitektur und Plattenbauten am Stadtrand, ist da schon ein gutes Stück näher an der Ost-Exotik.

Aber die Bewohner von Kiew haben ein großes Herz. Die Revolution am Maidan, als die Menschen die verkommene, am Faden Wladimir Putins hängende Marionettenregierung von Viktor Janukowitsch aus der Stadt und aus dem Land gejagt haben, hat vor allem der Jugend der Stadt eine Selbstvertrauens-Infusion verpasst. Die jetzige Regierung ist zwar auch korrupt, aber es ist dennoch so etwas wie Aufbruchsstimmung spürbar.

Denn immerhin, das Land hat Kurs auf Europa genommen. Etwa im Coworking-Space i-zone, am Hafengelände am Dnepr im Stadtteil Podil. i-zone könnte genausogut in Berlin oder Wien sein. Hier arbeiten junge Künstler, Kreative und Entrepreneure. Oleksandra Kravchenko von der Kunstinitiative Izolyatsia sagt, die Energie der jungen Ukrainer speise sich aus dem "Mut der Verzweiflung": "Für manche Dinge zahlt man heute zwei, dreimal soviel, wie vor dem Beginn der Krise hier. Gleichzeitig haben viele die Hälfte ihres Einkommens verloren. Also heißt es improvisieren und das beste daraus machen", sagt sie. Euromaidan, die pro-europäische Revolution im Winter 2013/2014 habe aber das Denken der jungen Leute radikal verändert: "Viele Menschen haben verstanden, dass es nicht darum geht, wen man wählt, sondern darum, was man selbst tut." Die Regierung, so Sasha, wie sie hier alle nennen, hat nach der Revolution eine große Zahl von jungen Leuten in verantwortungsvolle Positionen gehievt, die den Wandel vorantreiben.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-12 16:03:05
Letzte ─nderung am 2017-05-12 17:17:13



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