• vom 17.05.2017, 18:20 Uhr

Europachronik

Update: 17.05.2017, 18:45 Uhr

Luftfahrt

Laptop-Verbot macht europäische Airlines nervös




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  • USA und EU diskutieren, ob das Laptop-Verbot auf Direktflüge aus Europa ausgeweitet werden soll.

In Tunesien müssen USA-Reisende bereits auf ihren Laptop im Fluggastraum verzichten.

In Tunesien müssen USA-Reisende bereits auf ihren Laptop im Fluggastraum verzichten.© afp In Tunesien müssen USA-Reisende bereits auf ihren Laptop im Fluggastraum verzichten.© afp

Washington/Brüssel. (ast) Die Präsentation am Laptop vorbereiten, Filme am Tablet schauen, Bilder an der Kamera durchgehen, die Flugzeit mit dem E-Reader verkürzen - all das könnte auf Reisen in die USA bald der Vergangenheit angehören, sollte das sogenannte Laptop-Verbot für den Fluggastraum der US-Regierung tatsächlich auf Transatlantikflüge ausgeweitet werden.

In Brüssel führten die EU und hochrangige Vertreter des US-Heimatschutzministeriums am Mittwoch Gespräche über das erwogene Verbot von elektronischen mobilen Endgeräten auf Flügen aus dem EU-Raum in die USA. Schon seit März dürfen größere elektronische Geräte auf bestimmten Strecken aus dem Nahen Osten und Nordafrika in die USA nicht im Handgepäck mitgeführt werden. Großbritannien verhängte im März ein ähnliches Verbot. Grund ist die Befürchtung, dass in den Geräten Sprengsätze versteckt werden könnten.

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3250 Flüge pro Woche betroffen
Kommt tatsächlich ein Verbot, wären laut dem Flughafenbetreiber-Verband ACI Europe mehr als 3250 Flüge pro Woche in die USA betroffen. Die Details der geplanten Auflagen für Flüge aus Europa sind jedoch noch völlig unklar. Für die Austrian Airlines sind das "alles Spekulationen". Man müsse abwarten "ob da was kommt und wenn da was kommt, wie das dann genau definiert ist", sagt AUA-Pressesprecherin Patricia Stempfer der "Wiener Zeitung".

Die USA stützen sich in ihrer Argumentation jedenfalls auf Geheimdienst-Informationen. US-Medien hatten Anfang April berichtet, Terrororganisationen hätten Methoden entwickelt, um Sprengsätze in Laptops und anderen elektronischen Geräten zu verbergen. Der Sprengstoff werde möglicherweise von den Scannern bei der Sicherheitskontrolle an Flughäfen nicht entdeckt. Die Medien beriefen sich auf Informanten aus der US-Bundespolizei FBI und andere Quellen aus Geheimdiensten.

Was sich die USA von dem Kabinen-Verbot versprechen, ist aus europäischer Sicht jedoch schwer nachvollziehbar. Denn die Geräte würden ja weiterhin mitfliegen, nur eben im Frachtraum.

Der europäische Pilotenverband European Cockpit Association fürchtet, dass solche Auflagen die Branche vom Regen in die Traufe führen. Denn wenn Passagiere ihre Tablets und Laptops nicht mit in die Kabine nehmen dürfen, fliegen im Frachtraum große Mengen von Geräten mit Lithium-Batterien mit, was als mögliches Brandrisiko gilt. Dadurch könnte der Frachtraum erst recht zum attraktiven Ziel für Terroristen werden, warnt der Verband.

Sollte ein US-Verbot am Ende nur für bestimmte Flughäfen in Europa gelten, müssten diese einen erheblichen Wettbewerbsnachteil fürchten. Auf Reisende kämen wohl zusätzliche Kontrollen zu, außerdem müssten sie teures Gerät mit persönlichen oder auch sensiblen geschäftlichen Daten aus den Händen geben. Verlorenes Gepäck würde zu einem noch größeren Ärgernis als bisher. Geschäftsreisenden ginge auf langen Transatlantikflügen wertvolle Arbeitszeit verloren. Der Geschäftsreiseverband VDR rechnet deshalb mit Buchungsrückgängen.

Teure Einschränkungen
Die neuen Sicherheitsbestimmungen würden Fluglinien, die nicht-US-amerikanische Airlines ungleich mehr belasten. Übernimmt in den USA die Kosten für Sicherheitskontrollen am Flughafen das Ministerium für Innere Sicherheit, müssten in Österreich oder Deutschland die Airlines selbst die erhöhten Kosten für die Personal- und zeitintensiven Kontrollen tragen. Eine Ausweitung des Verbots auf Europa würde die Passagiere zudem mehr als eine Milliarde US-Dollar kosten, schätzt der Weltluftfahrtverband IATA. So verlören die Passagiere nutzbare Arbeitszeit im Wert von 655 Millionen Dollar, weitere 216 Millionen Dollar kämen für längere Reisezeiten hinzu. Um etwa Tablets an Bord nutzen zu können, müssten sie dann Geräte bei den Airlines mieten - für geschätzte 195 Millionen Dollar.




Schlagwörter

Luftfahrt, Laptop-Verbot, EU, USA

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Dokument erstellt am 2017-05-17 18:24:14
Letzte nderung am 2017-05-17 18:45:18



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