• vom 01.12.2017, 10:00 Uhr

Europachronik


Südtirol

La Dolce Vita




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Von Bettina Figl

  • Blütensuppe, Dolomiten-Gin und Espresso-Kultur: Die Seiser Alm in Südtirol ist eine der höchsten Hochweiden Europas. Auch kulinarisch ist man auf der Höhe.

Skifahrer in Südtriol. - © Helmuth Rier www.fotorier.i

Skifahrer in Südtriol. © Helmuth Rier www.fotorier.i

Nähert man sich der Seiser Alm von Innsbruck aus auf Passstraßen und dem Brenner, erblickt man ihn schon von weitem: den Schlern, das Markenzeichen Südtriols. Man erkennt den Berg an seiner markanten Form, die an einen Pfeiler erinnert – er ist das wahre Spektakel der Region.

Die in den Südtrioler Dolomiten gelegene Seiser Alm, eine der größten Hochweiden Europas, ist noch so etwas wie ein Geheimtipp, denn die meisten Touristen zieht es nach wie vor ins nahegelegene Kastelruth oder nach St. Ulrich. Im Winter kommen die Skifahrer und Tourengeher, im Sommer die Wanderer, Kletterer und Bergsteiger – und Feinspitze kommen in Südtirol ganzjährig auf ihre Kosten.

Information

Die Skisaison startet auf der Seiser Alm am 6. Dezember 2017. Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Pressereise auf Einladung von Seiser Alm Marketing.

Heublütensuppe und selbstgemachter Frischkäse

Blumensalat, Heublütensuppe oder Safran-Frischkäse aus der eigenen Sennerei: Der kulinarische Schwerpunkt der auf 1900 Höhenmetern gelegenen Gostner Schwaige liegt auf Blüten und selbstgemachtem Käse. Hütten-Gaudi sucht man hier vergebens, die Marende – wie die Südtiroler ihre Brettljause nennen – nimmt man zu sich, während im Hintergrund Geigen und Flöten zu hören sind

Langsame Volksmusik, Slow Food, Dolce Vita in Italien: Vor der Hütte sitzt eine Gruppe italienischer Skifahrer in der Sonne, trinkt Aperol Spritz und unterhält sich lautstark. Die Liftkarte bis zum Letzen auszunutzen hat hier keine Priorität. "Dass die Italiener zum Sporteln in die Berge fuhren, das gab es früher nicht", sagt Helmuth Kompatscher.

Er ist Besitzer des Familienbetriebs "St. Anton", einem Hotel in Völs am Schlern, der erzählt: Die Seiser Al wurde erst nach und nach touristisch erschlossen. Bis in die 1950er-Jahre gab es kaum Zufahrtsstraßen, die Region war sehr abgelegen. Die Familie Kompatscher wuchs allmählich in die Rolle der Hoteliers: Seine Eltern waren Kaffeehaus-, und dann Restaurantbesitzer. Heute betreiben sie ein Hotel mit kleinem Spa-Bereich.

Hotel-Wildwuchs in Südtirol

"Unser Betrieb ist einer von vielen, die klein begonnen haben und immer mehr gewachsen sind", sagt Kompatscher. Doch diese Entwicklung der Region sei nicht nur positiv: "Bei den Hotels gibt es viel Wildwuchs, viele sind viel zu schnell gewachsen – selbst der Almabtrieb ist heute ein touristisches Spektakel."

In St. Valentin-Seis befindet sich die Destilliere ZuPlun; in einem Bauernhaus aus dem Jahr 1400 werden Spirituosen wie Gin und Rum hergestellt. Mit Blick auf den gewaltigen Schlern verkostet Destillateur Florian Rabanser süßen Granatapfel-Gin oder salzigen Austern-Gin. Rabanser hat vor sechs Jahren begonnen Grappa zu brennen. Dann experimentierte er mit Gin. Zwei Jahre Entwicklungsarbeit stecken in seinem Gin, der neben der klassischen Ingredienz Wachholder 20 weitere Kräuter wie Schafgabe, Holunderblüten oder Hagebutten vereint. Oder sogar Austern.

Nicht ganz so experimentierfreudig geht es in der Kaffeerösterei "Caffè Caroma" in Völs am Schlern zu. Betritt man das Verkaufslokal, weht einem der Geruch von frisch gemahlenem Kaffee entgegen.

Stolz verköstigt Röster Moritz Hofer seine Gäste Espresso aus 100% kubanischer Arabicabohne, und fragt: "Schmeckt ihr das? Gar keine Säure, nur dunkle Schokolade im Nachgeschmack."

Die Rösterei gibt es seit über 20 Jahren, gegründet hat sie Valentin Hofer, der erste Kaffeesommelier Italiens. Neben Bio-Kaffee gibt es Projektkaffees - die kommen zwar nicht aus Bio-Landwirtschaft, aber beim Kauf eines "Indonesien Sumatra Orangutan"-Kaffees gehen 50 Cent direkt an den im Regenwald lebenden Bauern. "Die haben kein teures Bio-Zertifikat, aber der Kaffee ist sowieso Bio, weil der Oranggutan sonst nicht überleben könnte", sagt Hofer.

"Die Qualität des Kaffees wurde lange Zeit vernachlässigt"

Der Röster, der mit Gelfrisur, Schnauzbart und Lederschürze aussieht wie aus einem Quentin Tarantino-Film, erklärt: "Wo der Kaffee herkommt und unter welchen Bedingungen er hergestellt wurde, hatte in Italien lange Zeit keine Priorität." Deutschland und Österreich seien hier bereits weiter. "Italien hat keinen besonders guten Kaffee, die Qualität wurde lange Zeit vernachlässigt", sagt Hofer, aber gesteht: "Espressokultur, ja, die gibt es schon."

Dies zeigt sich auch auf den Skihütten, nach jedem Mahl wird obligatorisch ein Espresso gekippt. Kurz bevor die Lifte Betriebsschluss haben, leeren sich die letzten Espresso-Tässchen, man verabschiedet sich vom Wirten mit einem "Ciao Pfirti", schnallt die Ski an und brettert ein letztes Mal die Piste herunter. La Dolce Vita.





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Südtirol, Seiser Alm

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-19 14:04:31
Letzte nderung am 2017-09-21 11:04:45



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