• vom 08.01.2018, 21:10 Uhr

Europachronik


Deutschland

"Ich bedauere mein Verhalten zutiefst"




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  • Sergej W. gesteht den Anschlag auf den Borussia-Mannschaftsbus. Eine Tötungsabsicht bestreitet der Angeklagte aber.

Habgier ist aus der Sicht der Staatsanwaltschaft das zentrale Motiv für den 28-jährigen Deutschrussen Sergej W. gewesen. - © reuters

Habgier ist aus der Sicht der Staatsanwaltschaft das zentrale Motiv für den 28-jährigen Deutschrussen Sergej W. gewesen. © reuters

Dortmund. Am ersten Verhandlungstag hatte Sergej W. noch kein Wort gesagt. Am Montag brach der 28-Jährige vor dem Dortmunder Schwurgericht allerdings sein Schweigen. "Ich bedauere mein Verhalten zutiefst", sagte W., als er im Prozess um den Splitterbombenanschlag auf den Mannschaftsbus des deutschen Fußballvereins Borussia Dortmund die Tat gestand. Allerdings bestritt der Elektrotechniker, der im Jahr 2003 seine russische Heimat verließ und inzwischen einen deutschen Pass besitzt, jede Tötungsabsicht. Er habe einen Anschlag vortäuschen wollen und dafür die Sprengvorrichtungen "extra so konzipiert, dass keine Personenschäden zu erwarten waren".

Die Staatsanwaltschaft hat W. unter anderem wegen 28-fachen versuchten Mordes angeklagt. Laut Anklage hatte er in der Woche vor dem Anschlag um mehr als 26.000 Euro Optionsscheine und Kontrakte gekauft - und damit gewissermaßen eine Wette auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie abgeschlossen. Wäre der Kurs infolge des Anschlags tatsächlich auf einen Euro abgerutscht, hätte der 28-Jährige über eine halbe Million Euro Gewinn gemacht.


Bei der Verhandlung am Montag wurden allerdings rasch Zweifel an der Darstellung laut, W. hätte durch die spezielle Konstruktion der drei Splitterbomben Personenschäden ausgeschlossen. Nach Ansicht eines Ermittlers des deutschen Bundeskriminalamts ging von den Sprengsätzen sogar eine tödliche Gefahr aus. So habe ein Gutachter errechnet, dass tödliche Verletzungen ab einer Aufprallenergie von 79 Joule zu erwarten gewesen seien. Tatsächlich sei jeder einzelne der über 100 Stahlbolzen aus den Sprengsätzen mit einer Energie von 135 Joule auf sein Ziel geprallt.

W. soll am 11. April in einer Hecke unweit des Mannschaftshotels der Dortmunder drei mit Metallstiften gefüllte Sprengsätze deponiert haben. Als sich das Team im Bus auf den Weg zu einer Champions-League-Partie gegen den AS Monaco machen wollte, soll er die Sprengsätze aus der Ferne gezündet haben. Der Abwehrspieler Marc Bartra und ein auf einem Motorrad vorausfahrender Polizist wurden verletzt.

Zehn Tage nach der Tat wurde W. festgenommen, nachdem die auffälligen Finanzgeschäfte durchleuchtet worden waren. Außerdem fanden die Ermittler Hinweise darauf, dass er vor dem Anschlag zahlreiche Elektroartikel gekauft hatte, die für den Bau einer Bombe verwendet werden könnten.




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Dokument erstellt am 2018-01-08 20:35:06



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