(hes) Bisher galt bei EU-Personalien: Kriegst du den einen Job, habe ich Anspruch auf den anderen. Insbesondere galt das für die Großen - die Machtbalance durfte ja nicht ins Wanken geraten. Jetzt stellt Jean-Claude Juncker das Prinzip auf den Kopf: Der Eurogruppenchef und Premier von Luxemburg - nicht gerade ein Euro-Schwergewicht - signalisiert: Mache ich den einen Job, kriege ich auch den anderen.
Ja, er würde schon noch sechs Monate als Chef der Eurogruppe weitermachen, sagte Juncker. Aber nur unter der Bedingung, dass der Luxemburger Notenbankchef Yves Mersch (62) - ein Urgestein der Währungsunion - in den sechsköpfigen EZB-Vorstandes gewählt wird. Zwei Luxemburger in Euro-Schlüsselfunktionen - eine ungewöhnliche Vorstellung. Eigentlich galt Juncker als amtsmüde - als Nachfolger wurde Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble gehandelt. Dann hätte aber der Deutsche EFSF-Boss Klaus Regling nicht in den Chefsessel des ESM rücken dürfen, sondern der Spanierin Belèn Romana Garcia Platz gemacht (immerhin ist gerade ein Spanier, José Manuel Gonzalez-Paramo, aus dem EZB-Direktorium ausgeschieden). "Da gibt es noch Abstimmungsbedarf", sagte Kanzlerin Angela Merkel jetzt mit Blick auf Eurogruppe und ESM. Auslöser der Rochaden war, dass Frankreichs Präsident François Hollande einem Eurochef Schäuble nicht zustimmen wollte. Die Europa-Variante der "Reise nach Jerusalem" (immer ein Platz zu wenig) geht also weiter . . .
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