
Frankfurt. (hes) EZB-Präsident Mario Draghi muss sich wegen seiner Mitgliedschaft in einem Bankerverein rechtfertigen: Kenneth Haar von der Nichtregierungs-Organisation Corporate Europe Observatory wirft dem Italiener vor, seine Teilnahme an den halbjährlichen Sitzungen der "Group of Thirty" (G30) führe zu Interessenskonflikten mit seiner Aufgabe als Chef der Europäischen Zentralbank und Bankenaufseher. Er fordert Draghis sofortigen Austritt. Die G30 sind eine exklusive Runde hochrangiger aktueller und ehemaliger Bankmanager, Notenbanker und Ökonomen. Neben Draghi-Vorgänger Jean-Claude Trichet und Ex-Federal-Reserve-Chef Paul Volcker gehören auch der britische Zentralbankchef Mervyn King oder die Amtskollegen aus Japan und China dazu. Schon im November 2011 hatte Haar eine Anfrage an die EZB gerichtet, die auch beantwortet wurde. Jetzt wandte er sich mit einer offiziellen Beschwerde an den EU-Ombudsmann. Eine EZB-Sprecherin bestätigte der "Wiener Zeitung" den Eingang des Schreibens. Die Anfrage muss die EZB bis Ende Oktober beantworten. Vorwürfe eines Interessenskonflikts weist sie zurück. Draghis Vereinsmitgliedschaft sei letztlich Privatsache und völlig in Einklang mit EZB-internen Ethikregeln.
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