• vom 12.09.2012, 19:45 Uhr

Europäische Union

Update: 13.09.2012, 12:37 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Brüssel drängt auf Umsetzung der Bankenunion, Berlin bremst - Vorerst kein zentraler Fonds zum Sparerschutz

EZB soll bei Banken hart durchgreifen



  • Barnier: Aufsicht soll trotz Widerstand aus Deutschland für alle Banken gelten.

Straßburg. (reu/apa/hes) Die Europäische Zentralbank (EZB) als mächtige Aufsichtsbehörde über alle 6200 Banken der 17 Euroländer, nicht nur über die Großinstitute: Darauf hat sich die EU-Kommission festgelegt - trotz Widerstands aus Deutschland. "Es wird eine Aufsicht für alle Banken der Eurozone sein", kündigte Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso in Straßburg an. Die Aufseher müssten überall hinsehen dürfen, "weil systemische Risiken überall sein können, nicht nur bei den sogenannten systemrelevanten Banken", begründete er seinen Gesetzesvorschlag für eine europäische Bankenunion.

Die EZB-Chefs, Präsident Mario Draghi und Vizepräsident Vitor Constancio, erhalten neue Macht.

Die EZB-Chefs, Präsident Mario Draghi und Vizepräsident Vitor Constancio, erhalten neue Macht.© EPA Die EZB-Chefs, Präsident Mario Draghi und Vizepräsident Vitor Constancio, erhalten neue Macht.© EPA

Die Befugnisse der EZB wären groß: Laut den Plänen vergibt und entzieht sie Banklizenzen, kontrolliert und sanktioniert Verstöße gegen Kapital- und Liquiditätsvorschriften, entscheidet über Fusionen und Verkäufe, kann Durchsuchungen vornehmen und Strafen sowie Geldbußen aussprechen. Dafür müsste die EZB freilich interne Parallelstrukturen schaffen, damit Interessenkonflikte mit der Geldpolitik der Zentralbank vermieden werden. Als EZB-Chefaufseher handeln Medienberichte den portugiesischen EZB-Vizepräsidenten Vitor Constancio.

Die deutsche Bundesregierung warnte vor Schnellschüssen. "Ich halte den Vorschlag für eine gute Grundlage zum Aufbau der neuen Europäischen Bankenaufsicht", sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble in Berlin, fügte aber hinzu: "Qualität muss in jedem Fall vor Schnelligkeit gehen."

Tatsächlich ist der Fahrplan ambitioniert: Binnenmarktkommissar Michel Barnier hofft, dass sich das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten binnen weniger Wochen einigen. Denn schon am 1. Jänner 2013 soll die EZB ihre Aufsicht ausüben dürfen. Ab Juli 2013 sollen die Großbanken einem regelmäßigen Monitoring unterzogen werden. Und ab Anfang 2014 soll die Aufsichtsarchitektur komplett installiert sein.

Den nationalen Behörden blieben dann die tagtäglichen Aufsichtsagenden und die Wahrung der Konsumentenrechte. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA), die erst Anfang 2011 installiert wurde, soll indes künftig die Einheitlichkeit der Regelanwendung für alle 27 EU-Staaten gewährleisten. Die neue Bankenunion gilt nämlich primär für die Eurozone, wenngleich sie Nicht-Euroländern offen stehen soll. Als konfliktträchtig gilt insbesondere die Rolle Großbritanniens: Der Finanzplatz London habe eine große Bedeutung für die gesamte EU, betonte Barnier am Mittwoch.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-12 19:54:17
Letzte Änderung am 2012-09-13 12:37:45


Beliebte Inhalte



Ja zur Union, aber nicht in der gegenwärtigen Form: Botschafterin Susan le Jeune d’Allegeershecque im Gespräch. - Urban
  • Großbritanniens Botschafterin im Interview über Zentralismus, Bürokratie, und Vorschriften.
  • weiter

Emmelie de Forest holt den nächsten Song Contest nach Dänemark. - APAweb / AP / Alastair Grant
  • Emmelie de Forest setzte sich mit "Only teardrops" gegen 25 Konkurrenten durch.
  • weiter

Die Hände udn Taschen voller Geld, eine schöne Vorstellugn wenn das Gewicht den Wert nicht bei Weitem übertreffen würde. - APAweb/Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Karas regt Druck von 1- und 2-Euro-Scheinen an.
  • weiter

Solidarität, Unverständnis, aber auch Furcht und Hass machen sich in London breit. - APAweb/REUTERS/Luke MacGregor
  • Islamistischer Tathintergrund: Polizei geht von "einsamen Wölfen" aus.
  • weiter

20.000 Obdachlose leben allein auf den Straßen Athens. - APAweb / EPA / Orestis Panagiotou
  • Wer arbeitslos wird, landet schnell auf der Straße.
  • weiter

Blumen geschockter Anrainer in der Nähe des Tatortes. Noch sind die Motive der Angreifer unklar. Sicher ist, dass sie schockieren und Angst verbreiten wollten. Da wir dies nicht unterstützen wollen, finden Sie hier keine bluttriefenden Bilder. (red/ja) - Foto: apaWeb / EPA - Arrizabalaga
  • Mutige Frau verwickelte Täter in ein Gespräch.
  • weiter

Die Medien seien durch ein neues Mediengesetz bedroht, während neue Justizgesetze, die unter anderen die Zwangspensionierung von rund 300 Richtern zur Folge hatten, die Unabhängigkeit der Justiz unterhöhlten. - APAweb/HERBERT PFARRHOFER
  • Menschenrechtsorganisation fordert scharfes EU-Vorgehen wegen umstrittener Verfassungsänderungen.
  • weiter

Münzenmeer - APAweb/REUTERS/Leonhard Foeger
  • Herstellung der Münzen führte seit 2002 zu Verlust von 1,4 Mrd. Euro.
  • weiter

Blumenspende am Ort des Grauens. - APAweb / Reuters / Neil Hall
  • Soldat mit Fleischerbeil abgeschlachtet.
  • Experten sprechen von islamistischen Terrorakt.
  • weiter

In Buenos Aires Bischof der Armen : Seine Besuche in den Slums haben den Papst stark geprägt. - epa
  • Wurzel aller Kapitalismus-Kritik:
  • Pontifex erlebte Argentinien-Desaster 2001.
  • weiter




Werbung



Die Europäische Union stellt sich vor

Europabroschüre - Bild:  European Commission Die Mitgliedstaaten der EU bündeln einige ihrer Hoheitsrechte, um gemeinsam stärker und einflussreicher zu sein, als sie es einzeln wären... weiter




Der neue 5-Euro-Schein ist da

Euro-Fälschungen einfach erkennen

Euro - Fuehlen - ©EZB Anlässlich der Vorstellung der neuen 5-€- Banknote mit erweiterten Sicherheitsmerkmalen hat die Europäische Zentralbank aktuelle Statistiken... weiter




Werbung