• vom 19.09.2012, 18:17 Uhr

Europäische Union

Update: 19.09.2012, 19:04 Uhr
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Neue Mohammed-Karikaturen - die Politik reagiert überaus besorgt

Der nackte Prophet und die Angst


Von WZ-Korrespondentin Birgit Holzer

  • Aus Sorge vor Racheakten schließt
  • Frankreich Botschaften in 20 Ländern.

Für Chefredakteur Charbonnier spielt man mit Selbstzensur den Extremisten in die Hände. - © dapd

Für Chefredakteur Charbonnier spielt man mit Selbstzensur den Extremisten in die Hände. © dapd

Paris. Alle 75.000 Exemplare innerhalb von wenigen Stunden vergriffen, die Internet-Seite lahm gelegt und der eigene Name auf sämtlichen Info-Kanälen - das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" hat mit seiner aktuellen Ausgabe einen Verkaufs-Coup gelandet. Wenn auch zum Preis einer Provokation, die riskant ist: Auf mehreren Seiten druckt es Karikaturen des Propheten Mohammed ab, teils nackt und in gewagten Posen.

Auf der Titelseite schiebt ein orthodoxer Jude Mohammed im Rollstuhl, der sagt: "Man darf sich nicht lustig machen!" Mit der Überschrift "Intouchables 2" wird auf den französischen Kino-Hit "Ziemlich beste Freunde" angespielt, in dem es um die Freundschaft eines Pflegers mit Migrationshintergrund und eines Querschnittsgelähmten geht - zweier "unberührbarer" Männer am Rande der Gesellschaft.

Aufmerksamkeit ist den Zeichnungen gewiss - nicht zufällig erscheinen sie zu einem Zeitpunkt, an dem in mehr als 20 Ländern weltweit erzürnte Muslime auf die Straße gehen, um gegen das Islam-Schmähvideo "Innocence of Muslims" ("Die Unschuld der Muslime") zu protestieren. Die teils gewaltsamen Kundgebungen haben bereits dutzende Tote gefordert. Am Wochenende hatte sich die Bewegung von der arabischen Welt aus auch auf Europa ausgeweitet, wo es nach Aufrufen über soziale Netzwerke in der belgischen Stadt Anvers und in Paris zu unerlaubten Protestaktionen kam. In der französischen Hauptstadt demonstrierten bis zu 250 Menschen vor der US-Botschaft, 150 von ihnen wurden vorübergehend festgenommen.

Die Stimmung ist aufgeladen, die Politik und die Vertreter der muslimischen Gemeinschaft in Frankreich reagieren nervös. Laut dem Außenministerium werden am morgigen Freitag französische Einrichtungen in 20 Ländern geschlossen werden, darunter Botschaften, Kultureinrichtungen und Schulen. Er sei sehr besorgt angesichts des Risikos einer Eskalation, erklärte Außenminister Laurent Fabius.

Demonstrationen verboten
Premier Jean-Marc Ayrault appellierte hingegen an das "Verantwortungsgefühl aller". Er erinnerte an die Meinungsfreiheit als "eines der fundamentalen Prinzipien unserer Republik", aber ebenso an die Werte der Toleranz und des Respekts vor religiösen Überzeugungen. Wer sich in seinem Glauben verletzt fühle, könne Anzeige erstatten. Der Antrag für eine Demonstration gegen den Anti-Islam-Film an diesem Samstag in Paris wurde laut Ayrault aber abgelehnt. "Es gibt keinen Grund, in unser Land Konflikte einzulassen, die es gar nicht betreffen." In mehreren größeren Städten sind am Wochenende offenbar dennoch Protestaktionen geplant.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-19 18:24:22
Letzte Änderung am 2012-09-19 19:04:22


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