• vom 26.10.2012, 09:25 Uhr

Europäische Union

Update: 26.10.2012, 09:54 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



"Makrelenkrieg"

Fischereiquoten gefährden Islands möglichen EU-Beitritt


Von Andreas Stangl/APA

  • Zusätzlich auch innenpolitischer Widerstand gegen einen Beitritt.

Stein des Anstoßes für Uneinigkeit zwischen EU und Island: Fisch.

Stein des Anstoßes für Uneinigkeit zwischen EU und Island: Fisch.APAweb / EPA/YONHAP Stein des Anstoßes für Uneinigkeit zwischen EU und Island: Fisch.APAweb / EPA/YONHAP

Reykjavik/Wien. Die Fischereiquoten für Makrelen im Nordatlantik bleiben ein Damoklesschwert über dem angestrebten Beitritt Islands zur EU. Die jüngsten Verhandlungen zwischen der EU, Island, Norwegen, den Färöern und Russland um die Quoten der kommerziell bedeutendsten Fischart im Nordatlantik, der Makrele, verliefen diese Woche erneut ergebnislos im Sand. Die von Island geforderte Reduzierung der Quoten um 15 Prozent auf die von Experten empfohlene halbe Million Tonnen Makrelen pro Jahr wird nun ebenso wenig Realität wie die Erhöhung der isländischen Anteile auf die von Reykjavik geforderten 16 Prozent.

Das Scheitern der Verhandlungen bedeutet nicht nur einen Rückschlag für die offiziell im Fahrplan liegenden, de facto aber lediglich in den mehr oder weniger selbstverständlichen Bereichen durchgewunkenen Kapiteln im Beitrittsprozess Islands, sondern auch, dass dem Makrelenbestand im Nordatlantik wegen Überfischung das gleiche Schicksal droht wie dem Dorsch, der in den vergangenen Jahrzehnten infolge des kommerziellen Fischfangs in der Nord- und Ostsee praktisch ausgerottet wurde.

Island sei von Oslo und Brüssel, die an ihren bisherigen 90 Prozent an der gesamten Fangmenge Makrelen im Nordatlantik festhalten wollen, niemals mehr als sieben Prozent angeboten worden, wussten isländische Quellen dieser Tage zu berichten. Ebenso war in isländischen Medien von drohenden Sanktionen gegen Island die Rede.

Als die isländische Regierung im Sommer 2009 das Beitrittsansuchen an Brüssel richtete, hoffte Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir und ihre pro-europäischen Sozialdemokraten noch auf einen raschen Abschluss der Verhandlungen innerhalb von eineinhalb Jahren und einen Beitritt zur EU noch vor oder spätestens gemeinsam mit Kroatien. Zum derzeitigen Zeitpunkt kann davon trotz der kroatischen Verspätung - ursprünglich angepeilter Zeithorizont 2011, Beitritt nun Mitte 2013 - keine Rede mehr sein.

Nicht alle befürworten einen Beitritt

Den isländischen Beitrittsbemühungen steht trotz aller jüngst vonseiten Brüssels und der isländischen Regierung monierten Fortschrittsbilanz außer dem Disput um die Fischereiquoten auch die innenpolitische Situation im Wege. Gegen einen EU-Beitritt Islands sind prinzipiell nicht nur die derzeit mitregierenden Linksgrünen, sondern auch die früher staatstragende, konservative Unabhängigkeitspartei, die bei den Wahlen nächstes Jahr wieder an die Regierung strebt. Die Volksmeinung ist seit einem kurzfristigen EU-Enthusiasmus während der Bankenkrise 2008 längst wieder in eine solide Ablehnung gekippt.

Bisher haben Island und die EU zehn der 33 Verhandlungskapitel abgehakt. Dabei handelt es sich durchwegs um Bereiche die zur Gänze vom EWR-Abkommen bereits gedeckt waren und somit reine Formalitäten bedeuten. Unter den diese Woche eröffneten Kapiteln finden sich die ersten, bei denen es ernst zu nehmende Auffassungen gibt. So etwa das Kapitel Finanzielle Dienstleistungen, wo die im Fahrwasser der Bankenkrise zum Schutz von Privatschuldnern in Island verfügten wirtschaftlichen und finanziellen Restriktionen mit den geltenden EU-Regeln weitgehend unvereinbar sind.

Ungeklärt ist auch nach wie vor der Streit um die Rückzahlung der Verluste an den geplatzten Icesave-Konten an die Regierungen Großbritanniens und der Niederlande, die beim Zusammenbruch der isländischen Landsbanki für die Kunden im Rahmen der nationalen Bankgarantien in den beiden EU-Staaten einspringen mussten.




Schlagwörter

EU-Erweiterung, EU, Island

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-26 09:26:03
Letzte Änderung am 2012-10-26 09:54:59


Beliebte Inhalte



20.000 Obdachlose leben allein auf den Straßen Athens. - APAweb / EPA / Orestis Panagiotou
  • Wer arbeitslos wird, landet schnell auf der Straße.
  • weiter

Blumen geschockter Anrainer in der Nähe des Tatortes. Noch sind die Motive der Angreifer unklar. Sicher ist, dass sie schockieren und Angst verbreiten wollten. Da wir dies nicht unterstützen wollen, finden Sie hier keine bluttriefenden Bilder. (red/ja) - Foto: apaWeb / EPA - Arrizabalaga
  • Mutige Frau verwickelte Täter in ein Gespräch.
  • weiter

  • Neue Regierung will Verhandlungen mit Brüssel nicht fortsetzen.
  • weiter

Was von der Nacht übrig blieb: Aufräumarbeiten im Vorort Husby, wo die Ausschreitungen begannen. - APAweb /  EPA/FREDRIK SANDBERG
  • Ausschreitungen weiten sich aus, Augenzeugen werfen der Polizei Rassismus vor.
  • weiter

Blumenspende am Ort des Grauens. - APAweb / Reuters / Neil Hall
  • Soldat mit Fleischerbeil abgeschlachtet.
  • Experten sprechen von islamistischen Terrorakt.
  • weiter

Blumen geschockter Anrainer in der Nähe des Tatortes. Noch sind die Motive der Angreifer unklar. Sicher ist, dass sie schockieren und Angst verbreiten wollten. Da wir dies nicht unterstützen wollen, finden Sie hier keine bluttriefenden Bilder. (red/ja) - Foto: apaWeb / EPA - Arrizabalaga
  • Mutige Frau verwickelte Täter in ein Gespräch.
  • weiter

Die Medien seien durch ein neues Mediengesetz bedroht, während neue Justizgesetze, die unter anderen die Zwangspensionierung von rund 300 Richtern zur Folge hatten, die Unabhängigkeit der Justiz unterhöhlten. - APAweb/HERBERT PFARRHOFER
  • Menschenrechtsorganisation fordert scharfes EU-Vorgehen wegen umstrittener Verfassungsänderungen.
  • weiter

Durch Preisabsprachen könnte das Benzin für den Endverbraucher teurer geworden sein, vermuten die Kartellwächter der EU und führten Razzien bei den Konzernen BP, Shell und Statoil durch. - reuters
  • Marktverzerrung ist vergleichbar mit Milliarden-Skandal um Libor-Zinssatz.
  • weiter

Münzenmeer - APAweb/REUTERS/Leonhard Foeger
  • Herstellung der Münzen führte seit 2002 zu Verlust von 1,4 Mrd. Euro.
  • weiter

In Buenos Aires Bischof der Armen : Seine Besuche in den Slums haben den Papst stark geprägt. - epa
  • Wurzel aller Kapitalismus-Kritik:
  • Pontifex erlebte Argentinien-Desaster 2001.
  • weiter




Werbung



Die Europäische Union stellt sich vor

Europabroschüre - Bild:  European Commission Die Mitgliedstaaten der EU bündeln einige ihrer Hoheitsrechte, um gemeinsam stärker und einflussreicher zu sein, als sie es einzeln wären... weiter




Der neue 5-Euro-Schein ist da

Euro-Fälschungen einfach erkennen

Euro - Fuehlen - ©EZB Anlässlich der Vorstellung der neuen 5-€- Banknote mit erweiterten Sicherheitsmerkmalen hat die Europäische Zentralbank aktuelle Statistiken... weiter



Kartellrecht: Kommission erklärt Verpflichtungsangebote der Star-Alliance-Mitglieder Air Canada, United und Lufthansa zum transatlantischen Passagier­luft­verkehrs­markt für rechtsverbindlich


Europäische Kommission Pressemitteilung Brüssel, 23. Mai 2013 Die Europäische Kommission hat die Verpflichtungen angenommen, die Air Canada, United und Lufthansa angeboten haben, um die Bedenken der Kommission auszuräumen, dass die Zusammenarbeit der Parteien im Rahmen eines Joint Ventures mit Einnahmenteilung möglicherweise gegen die EU-Kartellvorschriften verstößt und sich für die Premium-Passagiere...




Kommission schlägt neue europäische Industriestrategie für die Elektronik vor - gezieltere Unterstützung der Mobilisierung privater Neuinvestitionen in Höhe von 100 Milliarden EUR


Europäische Pressemitteilung Brüssel, den 23. Mai 2013 Kommission Die Europäische Kommission hat heute eine Kampagne für koordinierte öffentliche Investitionen in die Mikro- und Nanoelektronik (Halbleiter und Computerchips) gestartet, um die hochentwickelte Fertigung in Europa auszubauen.




Kommission bringt Unterstützung der Darlehenstätigkeit der EIB außerhalb der EU während der nächsten sieben Jahre auf den Weg


Europäische Pressemitteilung Brüssel, 23 Mai 2013 Kommission Die Europäische Kommission hat heute einen legislativen Vorschlag bezüglich EU-Haushaltsgarantien zur Unterstützung von Investitionsprojekten der Europäischen Investitionsbank (EIB) ausserhalb der EU verabschiedet.





Werbung