• vom 05.12.2012, 08:16 Uhr

Europäische Union


Militär

EU-Militärexperte sieht Trend zu Berufsheer




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  • Technisierung und häufigere Auslandseinsätze machen Professionalisierung nötig

EU-weit/Wien. Schweden war 2010 das bis jetzt letzte Land in einer längeren Reihe, das die Wehrpflicht abschaffte. Der EU-Militärexperte Joe Coelmont, ein ehemalige Brigadegeneral des belgischen Heeres und nun Analyst beim Brüsseler Egmont Institut, sieht darin einen europaweiten Trend. Im Gespräch mit der APA nennt Coelmont mehrere Gründe:


Die Heere der Zukunft seien zunehmend technisiert, die Handhabung der neuen Waffensysteme erfordere darum mehr Schulung und professionellen Umgang. Hier seien Berufssoldaten im Vorteil.

Mit der Abkehr vom Prinzip der Territorialverteidigung innerhalb Kerneuropas liege der Schwerpunkt eher bei Friedensmissionen und Einsätzen in Krisenregionen. Für diese würden kaum Grundwehrdiener eingesetzt, auch seien gute Vorbereitung und Kenntnis der lokalen Begebenheiten erforderlich, die man eher Profisoldaten angedeihen lasse.

Der Grundwehrdienst sei auch eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit; in EU-Staaten gebe es ihn nur für Männer. Damit seien 50 Prozent der Bevölkerung von vornherein nicht dabei, weiters würden oft weniger als die Hälfte der Wehrpflichtigen tatsächlich eingezogen. Die breite Repräsentation aller Schichten im Militär sei damit ohnehin nicht gegeben.

Als praktisches Argument gilt für Coelmont auch die Dienstzeit: Diese sei oft viel kürzer, als es eine gründliche Ausbildung erfordere. In Österreich dauert der Grundwehrdienst sechs Monate. Welche Dauer ideal sei, lasse sich schwer sagen, sagte der EU-Experte. Er verweist allerdings auf den steigenden Schulungsbedarf in modernen Heeren.

Für die Zukunft sieht der europäische Militäranalyst nicht nur ein Abgehen von der Wehrpflicht, sondern auch eine Transformation des Konzepts der Neutralität. "Der Begriff hatte in der Vergangenheit eine Bedeutung", sagte Coelmont. Mehr und mehr seien jedoch auch neutrale Staaten wie Österreich, die sich zu Zeiten des Kalten Krieges nicht positionieren wollten, an gemeinsamen Außeneinsätzen der EU-Staaten beteiligt. Dies gelte für logistische, politische oder finanzielle Unterstützung, etwa beim Libyen-Einsatz der NATO.

Was Europa in Zukunft brauche, sei eine gemeinsame EU-Militärstrategie, betonte Coelmont, der sich auf Einladung des Austria Institut für Europa- und Sicherheitspolitik in Wien befand. "Dabei geht es um Krisenmanagement, und nicht darum, eine Art europäisches Imperium zu verteidigen."




Schlagwörter

Militär, EU, Berufsheer

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Dokument erstellt am 2012-12-05 08:17:26



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