• vom 06.05.2013, 15:12 Uhr

Europäische Union

Update: 06.05.2013, 16:06 Uhr

EU-Saatgutverordnung

Lob und Tadel für EU-Saatgutverordnung




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Global 2000 warnt: "Vielfalt bleibt gefährdet"
  • Berlakovich: "Widerstand hat sich gelohnt".

Wien/Brüssel. Die EU-Kommission hat am Montag in ihrem bereits im Vorfeld umstrittenen Entwurf für eine Saatgut-Verordnung Ausnahmen für die Nutzung traditioneller Sorten sowie für Kleinunternehmen vorgeschlagen. Der zuständige Konsumentenschutz-Kommissar Tonio Borg sagte in Brüssel, für althergebrachte Sorten würden weiter abgeschwächte Registrierungsvorschriften gelten, die Erfordernis nach Tests entfalle für sie. Aus Österreich kam Kritik, allerdings in ziemlich abgeschwächter Form.

Sogenanntes "für Nischenmärkte bestimmtes Material" müsse überhaupt nicht registriert werden, sagte Borg. Mikrounternehmen bräuchten zudem keine Registrierungsgebühren zu bezahlen. Konkret sieht die EU-Kommission vor, dass Unternehmen bis zu zehn Angestellten und einem jährlichen Umsatz von bis zu zwei Millionen Euro das für Nischenmärkte bestimmte Saatgut ohne Registrierung auf den Markt bringen können. Borg sprach von "Missverständnissen" im Zusammenhang mit bisheriger Kritik an Plänen der EU-Kommission in Hinblick auf traditionelle Sorten von Saatgut.

Werbung

Saatgut und Vielfalt  
Ausgenommen von dem Anwendungsbereich der Verordnung ist nach Angaben der EU-Kommission der Einsatz von Saatgut für private Zwecke. Hobbygärtner könnten weiterhin jede Art von Pflanzenvermehrungsmaterial erwerben und ihr Saatgut in kleinen Mengen auf dem Markt bereitstellen, erklärte die Kommission. Insgesamt stellte die EU-Kommission ein Gesetzespaket bestehend aus fünf Rechtsakten für die Tier- und Pflanzengesundheit vor. Bevor es in Kraft treten kann, müssen der EU-Ministerrat und das Europaparlament darüber entscheiden.

Durchaus zufrieden reagierte Umweltminister Nikolaus Berlakovich (V): "Unser Widerstand hat sich gelohnt." Man habe "Verbesserungen im Sinne Österreichs durchgesetzt." Er wolle nun weiter für den Erhalt der Biodiversität bei Saat- und Pflanzgut kämpfen, bestehende Allianzen mit anderen Ländern sollen vertieft werden. "Die neuen Saatgutverkehrsregelungen dürfen keine Mehrbelastungen für die Produzenten von Saat- und Pflanzgut bringen, insbesondere, wenn sie dem Erhalt der genetischen Vielfalt dienen", betonte der Umweltminister.

"Weniger schlimm als erwartet"  
"Der Entwurf zur EU-Saatgutverordnung ist weniger schlimm als erwartet, aber es besteht noch kein Grund zur Entwarnung. Beispielsweise ist das Recht der Bäuerinnen und Bauern, ihr Saatgut untereinander zu tauschen, so für dieses keine exklusiven Eigentumsrechte vorliegt, noch nicht gewährleistet. Hier sind definitiv noch Nachbesserungen notwendig", analysierte Wolfgang Pirklhuber, Landwirtschaftssprecher der Grünen, die Veröffentlichung der EU-Kommission.

Kaum Positives konnten dem Entwurf hingegen die Vertreter von Global 2000 abgewinnen. Agrarsprecherin Heidemarie Porstner: "Der heute veröffentlichte Vorschlag ist kein Beitrag zum Gemeinwohl, sondern dient den Interessen der Agrarkonzerne. Beispielsweise können viele Landwirte von den Ausnahmeregelungen nicht profitieren und werden an der Weitergabe von eigenem Saatgut gehindert. Der Saatgutmarkt liegt somit in der Hand der großen Konzerne."




Schlagwörter

EU-Saatgutverordnung

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-05-06 15:14:14
Letzte nderung am 2013-05-06 16:06:52



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Auto raste in zwei Bushaltestellen
  2. Europaweite Fahndung nach Attentäter
  3. "Sie führten ein ruhiges Leben"
  4. Routenwechsel auf See
  5. Spanische Ermittler haben Imam im Visier
Meistkommentiert
  1. Rückzug der NGOs aus dem Mittelmeer
  2. EU nimmt mehr Tote im Mittelmeer in Kauf
  3. Noch größerer Anschlag war geplant
  4. "Wird der kleine Bruder zu frech, kriegt er eins auf den Deckel"
  5. Die polnische Flüchtlingslüge

Werbung



Erklärung der Hohen Vertreterin/Vizepräsidentin Federica Mogherini und des für humanitäre Hilfe und Krisenmanagement zuständigen Mitglieds der Europäischen Kommission Christos Stylianides zum Welttag der humanitären Hilfe 2017


Europäische Kommission - Erklärung Brüssel, 18. August 2017 Die Europäische Union (EU) setzt sich für die Sicherheit humanitärer Helfer ein. Sie schließt sich alljährlich zum Welttag der humanitären Hilfe der globalen Kampagne an, mit der die humanitären Helfer gewürdigt werden, die Tag für Tag ihr eigenes Leben aufs...




Juni 2017 gegenüber Mai 2017-Produktion im Baugewerbe im Euroraum um 0,5% gesunken-Rückgang um 0,2% in der EU28


Europäische Kommission - EUROSTAT Brüssel, 18. August 2017 Im Juni 2017 sank die saisonbereinigte Produktion im Baugewerbe gegenüber Mai 2017 im Euroraum (ER19) um 0,5% und in der EU28 um 0,2%, laut ersten Schätzungen von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union.




Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Anzeige gegen islamische Privatschule in Wien
  2. Auto raste in zwei Bushaltestellen
  3. Kurz wirft Kanzleramt Versäumnisse vor
  4. Manöver trotz Drohungen
Meistkommentiert
  1. Kurz wirft Kanzleramt Versäumnisse vor
  2. Mehr als 200 IS-Kämpfer getötet
  3. Anzeige gegen islamische Privatschule in Wien
  4. Manöver trotz Drohungen


Werbung