• vom 03.06.2016, 18:15 Uhr

Europäische Union

Update: 03.06.2016, 18:16 Uhr

Flüchtlinge

Massengrab Mittelmeer




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Von Werner Reisinger aus Brüssel

  • Bootsunglück mit hunderten Vermissten. EU-Initiative fordert einen "Marshallplan" für Afrika.



Brüssel. Ihre Reise startete wohl in Nordafrika, glaubt man ersten Berichten der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und der griechischen Küstenwache. Aus welchen Ländern die Flüchtlinge stammen, ist nicht klar. Schon am Donnerstag war das Boot mit mindestens 700 Personen an Bord an der Grenze der Hoheitsgewässer von Griechenland und Ägypten in Seenot geraten, meldeten in der Nähe befindliche Schiffe, die den Flüchtlingen zu Hilfe kamen. Am Freitagmorgen kenterte das Boot schließlich, knapp 140 Kilometer vor der Küste von Kreta. Die griechische Küstenwache startete einen Großeinsatz, 340 Menschen konnten gerettet werden, vier Leichen wurden geborgen. Hunderte werden noch vermisst.

Allein seit Jahresbeginn kamen aktuellen Zahlen des IOM zufolge 205.509 Personen in Booten über das Mittelmeer, über 2400 bezahlten die riskante Überfahrt mit dem Leben, 700 waren es letzte Woche. Im vergangenen Jahr forderte die Fluchtbewegung über das Mittelmeer 5000 Todesopfer. Wie viele Menschen auf Schlepperbooten in den letzten Jahren ums Leben kamen, ist unklar. Schätzungen gehen von mindestens 30.000 Toten in den vergangenen 15 Jahren aus. Das Mittelmeer ist längst zu einem riesigen Friedhof geworden.

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100 Millionen Euro gefordert
Europa hat sich an das Massensterben vor den Mittelmeerküsten gewöhnt. Doch obwohl seit vielen Jahren Hunderttausende über das Mittelmeer kommen, steht der größte Teil der Fluchtbewegung wohl erst bevor. Weltweit sind laut UNHCR 60 Millionen Menschen auf der Flucht, allein im von Chaos geplagten Libyen warten laut IOM 200.000 Menschen auf eine Gelegenheit zur Überfahrt nach Europa. Die internationale Polizeibehörde Europol spricht gar von 800.000 Flüchtlingen in Libyen.

Im Inland des afrikanischen Kontinents zählen NGOs bis zu 15 Millionen Vertriebene. Weitaus mehr Tote als im Mittelmeer dürften die Fluchtetappen rund um die Sahara-Regionen fordern: eine Studie der deutschen Hanns Seidel Stiftung beziffert die Zahl derer, die bereits auf dem Weg Richtung nordafrikanische Küste den Tod fanden, mit eineinhalb Millionen. Afrika und dessen zahlreiche militärische Konflikte und politisch-humanitäre Krisen jedoch gerät dennoch nur zaghaft in den Fokus der europäischen Politik.

Nun aber werden immer mehr Stimmen laut, die ein nachhaltiges und strukturelles Engagements Europas in Afrika verlangen, um der Bevölkerung in den dortigen Krisenregionen eine Perspektive zu ermöglichen. "Europa retten heißt Afrika retten" - unter diesem Motto lud der österreichische EU-Parlamentarier Heinz K. Becker vergangene Woche zu einer internationalen Expertenkonferenz, die als Anstoß für die Entwicklung eines, wie Becker sagt, "europäischen Marshallplans für Afrika" dienen soll.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-06-03 18:11:06
Letzte nderung am 2016-06-03 18:16:43



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