• vom 07.06.2016, 18:13 Uhr

Europäische Union

Update: 08.06.2016, 11:00 Uhr

Flüchtlinge

Europäischer "Marshallplan für Afrika"




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Experten stehen dem Plan jedoch differenziert bis skeptisch gegenüber. Evita Schmieg, Expertin für internationale Handelspolitik und Entwicklungszusammenarbeit am deutschen Institut für Internationale Politik und Sicherheit der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, bezweifelt, dass man das Konzept des historischen Marshallplans so einfach auf Afrika umlegen könne. "Den USA ging es 1945 um den Wiederaufbau, sie konnten sich auf bereits vorhandene industrielle Strukturen stützen. Fabriken, Maschinen und die Infrastruktur waren zwar zerstört, aber dennoch vorhanden. Auch auf eine bestehende Verwaltung konnte man aufbauen", erklärt Schmieg.

In Afrika habe man es mit einer völlig unterschiedlichen Ausgangssituation zu tun. Die Idee eines "Marshallplans für Afrika" sei nicht neu, vor rund 15 Jahren habe es bereits ähnliche Pläne gegeben. Die Idee, vor allem der Privatwirtschaft in afrikanischen Staaten Mittel zur Verfügung zu stellen, kann die Expertin durchaus einiges abgewinnen: "Es macht Sinn, in Ländern, in denen dies möglich ist, die ökonomische Grundsituation zu verbessern. Viele Staaten in Afrika weisen aktuell ein dynamisches Wirtschaftswachstum auf."

Zuwanderung in die Ballungszentren sei in Afrika ein großes Problem, deshalb gelte es, vor allem am Land Arbeitsplätze zu schaffen. "Es ist richtig, in den ländlichen Regionen Schritte zu setzen, damit man dort über den reinen Rohstoffexport hinauswachsen und die Weiterverarbeitung von Produkten anregen kann."

Schwierige Koordination
Speziell in den armen ländlichen Regionen, in denen ein starkes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen ist, sei es für Bauern und auch Kleinunternehmer sehr schwierig, an Gelder zur Finanzierung zu gelangen. Ein etwaiger Afrika-Marshallplan sollte also vor allem den Aufbau einer funktionierenden Finanzwirtschaft beinhalten, rät Schmieg. Dass ein Marshallplan automatisch ein koordiniertes, kollektives Investment bedeute, bezweifelt die Expertin. "Egal ob Entwicklungspolitik oder Marshallplan - die Problematik ist immer die gleiche. Wer Geld nach Afrika schickt, will sichergehen, dass es an den richtigen Stellen ankommt, dass es Kontrolle gibt." Jeder Staat vertraue lieber den eigenen entwicklungspolitischen Kriterien und Kontrollmechanismen, deshalb sei die klassische Entwicklungsarbeit so kompliziert und schwer international koordinierbar.

Auch ein europäischer Marshallplan würde deshalb zwangsläufig zur Ausbildung derartiger Kriterien führen, wenn man wolle, dass Investitionen einen positiven Effekt mit sich bringen, ist Schmieg überzeugt.

Ein solcher könne sehr wohl Fluchtursachen bekämpfen - allerdings eben nur in Ländern, in denen ausreichend politische Stabilität herrsche. Schmieg: "Dort, wo bereits Bürgerkrieg und Diktatur herrschen, würde das wenig Sinn machen." Um so mehr müsse man Regierungen, die Korruption und Misswirtschaft ernsthaft bekämpfen, politisch unterstützen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-06-07 18:17:05
Letzte nderung am 2016-06-08 11:00:09



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