• vom 13.06.2017, 15:52 Uhr

Europäische Union

Update: 13.06.2017, 16:46 Uhr

Flüchtlinge

EU geht gegen Polen, Tschechien
und Ungarn nun rechtlich vor




  • Artikel
  • Kommentare (10)
  • Lesenswert (14)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA

  • Trotz rechtlicher Verpflichtungen hätten die Länder nicht die notwendigen Handlungen zur Aufnahme von Flüchtlingen ergriffen.

Das Tempo der Flüchtlings-Umverteilungen ist im laufenden Jahr nach Angaben der EU-Kommission gestiegen. Bis zum 9. Juni seien von den knapp 100.000 zu verteilenden Flüchtlingen insgesamt 20.869 Flüchtlinge umverteilt worden. - © APAweb / dpa, Christian Charisius

Das Tempo der Flüchtlings-Umverteilungen ist im laufenden Jahr nach Angaben der EU-Kommission gestiegen. Bis zum 9. Juni seien von den knapp 100.000 zu verteilenden Flüchtlingen insgesamt 20.869 Flüchtlinge umverteilt worden. © APAweb / dpa, Christian Charisius

Straßburg/Brüssel. Die EU-Kommission hat erstmals Vertragsverletzungsverfahren gegen Polen, Tschechien und Ungarn wegen fehlender Aufnahme von Flüchtlingen eingeleitet. Die EU-Kommission erklärte, trotz entsprechender wiederholter Aufforderungen hätten die drei Länder entgegen ihrer rechtlichen Verpflichtungen noch nicht die notwendigen Handlungen zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Italien und Griechenland ergriffen.

"Die Umverteilung (Relocation) ist keine Option", sagte EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos. Es sei eine rechtliche Verpflichtung, die durchgeführt werden müsse. Es habe "genug Verzögerungen und Diskussionen" gegeben, "jetzt ist die Zeit zum handeln", sagte der EU-Kommissar am Dienstag in Straßburg. Avramopoulos widersprach der Auffassung, dass die EU mit ihrer Flüchtlingspolitik gescheitert sei.

Tempo der Umverteilung steigt

Das Tempo der Flüchtlings-Umverteilungen ist im laufenden Jahr nach Angaben der EU-Kommission gestiegen. Bis zum 9. Juni seien von den knapp 100.000 zu verteilenden Flüchtlingen insgesamt 20.869 Flüchtlinge umverteilt worden, davon 13.973 aus Griechenland und 6.896 aus Italien.

Polen, Ungarn und Tschechien hätten seit einem einem Jahr nichts mehr bei der Flüchtlingsverteilung getan, kritisierte Avramopoulos. Ungarn habe nie die Aufnahme von Flüchtlingen zugesagt, Polen seit dem Dezember 2015 nicht mehr, ohne jemals Flüchtlinge aufzunehmen, sagte der EU-Kommissar. Und Tschechien habe seit August 2016 keine Flüchtlinge mehr umverteilt.

Avramopoulos lobt Österreich

Avramopoulos erwähnte hingegen lobend Österreich und die Slowakei, die zuletzt Zusagen "im Geiste der Verpflichtung" abgegeben hätten. Österreich sei am Anfang einer der Hauptproponenten der EU-Flüchtlingspolitik gewesen, habe aber dann seinen Standpunkt aufgrund einer innenpolitischen Entscheidung geändert, sagte der EU-Kommissar. Jetzt sei Österreich zu loben, weil es in Kürze seine Tore für Flüchtlinge aus Italien und Griechenland öffne.

Die Zahl der täglichen Überfahrten von der Türkei auf die griechischen Inseln beträgt nach Angaben der EU-Kommission derzeit weiterhin etwa 50 pro Tag, die Zahl der Todesopfer in der Ägäis sei trotz der jüngsten tragischen Ereignisse erheblich zurückgegangen. Insgesamt sei die Zahl der Neuankömmlinge seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingsdeals um 97 Prozent zurückgegangen. Seit März seien 311 Rückführungen in die Türkei erfolgt, wodurch die Gesamtzahl der rückgeführten Migranten auf 1.798 gestiegen sei. Allerdings liege die Zahl der Neuankömmlinge immer noch über der Zahl der Rückführungen von den griechischen Inseln in die Türkei, wodurch die griechischen Inseln Druck ausgesetzt seien.

Österreich nimmt 50 Flüchtlinge aus Italien auf

Nachdem die EU-Kommission mit einem Vertragsverletzungsverfahren gedroht hatte, hat die österreichische Bundesregierung vor wenigen Wochen die Aufnahme von zunächst 50 Flüchtlingen aus Italien zugesagt.

Österreich prüft derzeit die ersten elf Personen, die von Italien als Übernahme-Kandidaten im Rahmen des Relocation-Programms genannt wurden. Dabei geht es um "Personen im Familienverband und unbegleitete Minderjährige".

Diese sogenannte "Sicherheitsüberprüfung" ist aktuell im Gange, hieß es am Dienstag aus dem Innenministerium. Die genannten elf Personen sind die ersten, die im Rahmen des Relocation-Programms übernommen werden könnten. Zuvor wurden seitens anderer EU-Staaten noch keine Flüchtlinge zur Übernahme vorgeschlagen, hieß es im Innenressort.





10 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-13 15:53:04
Letzte nderung am 2017-06-13 16:46:39



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Polen erwartet Einleitung von EU-Verfahren
  2. Grünes Licht für zweite Brexit-Phase
  3. Die Grenzen der Einheit
  4. EU-Digitalkommissar will an Netzneutralität festhalten
  5. Europäischer Exportschlager
Meistkommentiert
  1. SPD beißt mit Wunsch nach Familiennachzug auf Granit
  2. "Unsere Seele ist europäisch"
  3. Nicht in Stein gemeißelt
  4. Europas Herzkammer
  5. Gipfeltreffen der Außenminister

Werbung



Bekämpfung des unerlaubten Handels mit Tabakerzeugnissen: Erklärung von Kommissar Andriukaitis anlässlich des Beschlusses der EU zur Einführung eines EU-weiten Verfolgungs- und Rückverfolgungssystems


Europäische Kommission - Erklärung Brüssel, 15. Dezember 2017 Die EU ist heute bei der Bekämpfung des unerlaubten Handels mit Tabakerzeugnissen einen großen Schritt weitergekommen. Dank des heute beschlossenen EU-weiten Verfolgungs- und Rückverfolgungssystems werden sich Tabakerzeugnisse in der EU mithilfe eines individuellen Erkennungsmerkmals für jedes Produkt leicht rückverfolgen lassen.




Oktober 2017 - Überschuss des Euroraums im internationalen Warenverkehr in Höhe von 18,9 Mrd. Euro - Defizit 0,3 Mrd. Euro für die EU28


Europäische Kommission - EUROSTAT Oktober 2017 - Oktober 2017 - Brüssel, 15. Dezember 2017 Nach ersten Schätzungen lagen die Warenausfuhren des Euroraums (ER19) in die restliche Welt im Oktober 2017 bei 187,9 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Anstieg von 8,8% gegenüber Oktober 2016 (172,6 Mrd.).




Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Hochegger belastet Grasser schwer
  2. Wo Zwang zur liberalen Notwendigkeit wird
  3. Volle Konzentration auf die Krankenkassen
  4. Koalitionsverhandler auf der Zielgeraden
Meistkommentiert
  1. Wo Zwang zur liberalen Notwendigkeit wird
  2. Eine gute Nachricht
  3. Polen erwartet Einleitung von EU-Verfahren
  4. Billiger versichern kann teuer werden


Werbung


Werbung