• vom 17.08.2017, 17:20 Uhr

Europäische Union

Update: 17.08.2017, 17:39 Uhr

Flüchtlinge

Routenwechsel auf See




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  • Die Zahl der Flüchtlinge, die übers westliche Mittelmeer nach Europa gelangen, steigt.

Diese Gruppe wurde in der Straße von Gibraltar gerettet, als sie mit einem untauglichen Boot Spanien erreichen wollte, und in den andalusischen Hafen Tarifa gebracht. - © apaWeb / AFP - Guerrero

Diese Gruppe wurde in der Straße von Gibraltar gerettet, als sie mit einem untauglichen Boot Spanien erreichen wollte, und in den andalusischen Hafen Tarifa gebracht. © apaWeb / AFP - Guerrero



Rom/Wien. (czar/lse) Von einer Trendwende zu sprechen, wäre verfrüht. Dennoch geben die aktuellen Flüchtlingszahlen Hilfsorganisationen und Behörden zu denken. Während nämlich in Italien die Zahl der Ankünfte zurückgegangen ist, ist sie in Spanien gestiegen. Allein am Mittwoch ist die spanische Küstenwache in der Straße von Gibraltar fast 600 Menschen zu Hilfe gekommen. Mehr als ein Dutzend Boote mit Migranten hatte sie zu bergen.

Die Vermutung liegt nahe, dass sich die Flüchtlingsroute über den Seeweg verlagert - von Italien als Ankunftsort nach Spanien, über das westliche Mittelmeer. Ein Grund dafür könnte laut EU-Grenzschutzagentur Frontex die Präsenz der libyschen Küstenwache sein, die Schmuggler abschrecke. Hilfsorganisationen weisen außerdem auf die gefährlichen Wege nach Libyen selbst hin, über die Sahara und umkämpfte Gebiete. Daher könnten Migranten nun verstärkt nach Marokko ausweichen. Von dort ist es nicht mehr weit nach Spanien - und die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla befinden sich direkt dort. Und in diesen wird immerhin mehr als ein Drittel der irregulären Ankünfte verzeichnet.

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Im Juli meldeten die spanischen Behörden, dass heuer fast 11.000 Menschen in das Land gelangt seien. Das seien doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bis Mitte August waren es nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 11.849 Flüchtlinge. Das waren beinahe so viele wie im gesamten vergangenen Jahr: 2017 wurden 13.246 Menschen gezählt. In Spanien könnten heuer mehr Migranten ankommen als in Griechenland.

Es werden zwar deutlich weniger sein als in Italien, wo bis Mitte August fast 97.300 Menschen aufgenommen wurden. Dennoch ist dort in den vergangenen Wochen die Zahl der Ankünfte zurückgegangen.

Als eine Trendwende möchte IOM das allerdings noch nicht bezeichnen. Die Bewegungen - und Motivationen - der Menschen müssten erst analysiert werden, heißt es in der Organisation. Klar sei aber, dass die Migrationsroute über das Mittelmeer nicht völlig geschlossen werden könne, ohne dass sie sich verlagert.

Ruf nach mehr Finanzhilfe
Dennoch sind die Europäische Union und einzelne Mitglieder wie Italien bemüht, die Migration einzudämmen. Sie setzen dabei auf eine Kooperation mit libyschen Behörden. Das stößt bei Menschenrechtsorganisationen ebenso auf Einwände wie die sich häufenden Angriffe auf private Helfer, die im Mittelmeer Flüchtlinge aus Seenot bergen.

"Wir können keine Pauschalkritik an den Nichtregierungsorganisationen brauchen", erklärte etwa Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes, bei einem Pressegespräch in Wien. Es gebe nämlich keine Beweise für eine Zusammenarbeit der Helfer mit Schleppern, wie ein Vorwurf eines italienischen Staatsanwalts lautet. Und solange keine Beweise vorliegen, dürften die Rettungsschiffe nicht aus dem Mittelmeer verbannt werden, befand Schöpfer. Andernfalls würde die Zahl der Ertrunkenen in die Höhe schnellen. Das wiederum wäre "Politik auf Kosten der Ärmsten".

Kritik übte Schöpfer an der EU, die es weder schaffe, eine Harmonisierung des Asylrechts durchzusetzen, noch legale Wege nach Europa öffne. Stattdessen versage die Gemeinschaft bei Fragen der Flucht und Migration.

Dabei erlebt Europa nur einen Bruchteil der Flüchtlingsbewegungen - und darauf weisen etliche Organisationen im Vorfeld des Tages der humanitären Hilfe am morgigen Samstag hin. Denn weltweit sind dutzende Millionen Menschen auf der Flucht. In Österreich erinnerte die Dachorganisation Globale Verantwortung an die zwanzig Millionen Menschen, die in Ostafrika vom Hungertod bedroht seien. In Somalia wiederum habe nicht einmal ein Drittel der Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser. Probleme mit der Wasserversorgung gebe es auch in Uganda, wohin hunderttausende Südsudanesen geflohen seien.

Einmal mehr forderten die Organisationen die österreichische Regierung zu mehr Finanzhilfe auf. Zwar ist der Auslandskatastrophenfonds vor wenigen Jahren auf etwas mehr als zwanzig Millionen Euro aufgestockt worden. Doch sollten die Mittel um fünf Millionen Euro pro Jahr erhöht werden, meinte Rotkreuz-Präsident Schöpfer. Immerhin würden Staaten mit ähnlicher Einwohnerzahl und Wirtschaftsleistung wie Österreich das Zehn- bis Zwanzigfache zur Verfügung stellen. Die Schweiz etwa mobilisiere 332 Millionen Euro, und in Schweden seien es 409 Millionen Euro.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-17 17:24:06
Letzte nderung am 2017-08-17 17:39:24



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