• vom 07.09.2017, 17:52 Uhr

Europäische Union

Update: 07.09.2017, 20:51 Uhr

Cyberangriff

Rüsten für den Cyberangriff




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  • EU und Nato wollen bei der Abwehr von Attacken aus dem Internet enger zusammenarbeiten.

Tallinn. (czar/apa) Die Übung dauerte zwei Stunden. Annahme war ein Cyberangriff auf militärische Strukturen der Europäischen Union. Die Verteidigungsminister der Mitgliedstaaten mussten schnell reagieren: Sie hatten nur begrenzte Zeit, um mit ihren Kollegen zu kommunizieren, sich im Krisenmanagement zu beweisen und Entscheidungen zu treffen.

"EU Cybrid 2017" nannte sich das Training, das erste seiner Art, an dem die Ressortleiter bei ihrem informellen Treffen in Tallinn teilnahmen. Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit der Länder stand dabei im Vordergrund. Cyberbedrohungen würden nämlich keine Grenzen zwischen Staaten oder Organisationen kennen, argumentierte der estnische Verteidigungsminister Jüri Luik, dessen Land derzeit den EU-Vorsitz innehat. Mit Hackerattacken hat es auch seine Erfahrungen: Vor zehn Jahren wurde es von massiven Internetangriffen auf Behörden, Banken und Medien getroffen.


Nun mühen sich die Europäer, geeignete Antworten auf solche Herausforderungen zu finden. Auch das Militärbündnis Nato, in dem etliche der EU-Staaten vertreten sind, will gegen Attacken aus dem Internet gewappnet sein. Die beiden Partner möchten in dem Bereich enger kooperieren.

Daher war Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ebenfalls in Tallinn dabei. Die Allianz werde heuer noch eine eigene Cyberübung durchführen, kündigte er an. Diese soll einer der größten solchen Tests weltweit werden; die EU werde daran teilnehmen.

Auf dem Weg zur Verteidigungsunion
"Wir haben viele Herausforderungen im Cyberbereich", befand Stoltenberg. So habe es allein im vergangenen Jahr einen 60-prozentigen Anstieg bei derartigen Angriffen gegen Nato-Netzwerke gegeben. Es sei wichtig, dass Nato und EU zusammenarbeiten, betonte der Generalsekretär. Dabei gehe es um einen rechtzeitigen Informationsaustausch und eine Harmonisierung der Verfahren.

Mehr Kooperation wünschen sich die EU-Mitglieder auch untereinander. Doch der Weg zur Verteidigungsunion - die, wie alle betonen, keineswegs eine Parallelorganisation zur Nato werden soll -, ist ein mühsamer. Im Beschaffungswesen, in Forschung und Entwicklung, in Ausrüstung: Auf etlichen Gebieten kommt es zu Doppelgleisigkeiten, die den Europäern Mehrkosten verursachen.

Dennoch üben sich manche Staaten schon im Optimismus. So erklärte die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in Tallinn, dass es im Vergleich zum Vorjahr "Quantensprünge" gegeben habe. Sie sei zuversichtlich, dass die EU noch in diesem Jahr mit dem Aufbau der Verteidigungsunion beginne.

Vor einem Jahr sei das Projekt noch auf viel Skepsis gestoßen, stellte von der Leyen fest. Jetzt befinde sich die EU in einer sehr positiven Phase bei der Etablierung einer "Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit". Es sei beinahe zu spüren, "dass alle mitmachen wollen", sagte die Ministerin.

Auch Österreich will sich nach Angaben von Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil daran beteiligen. Der Ressortleiter fügte hinzu: "Die Grenzen Österreichs sind ganz einfach die Neutralität." Dem Vernehmen nach will sich Wien in die Ständige Strukturierte Zusammenarbeit durch zwei Projekte einbringen: die Gebirgsjäger-Ausbildung sowie ein Industrieprojekt zu Cybertechnik und Luftsensorik.




Schlagwörter

Cyberangriff, NATO, Jüri Luik, Estland

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-07 17:57:03
Letzte nderung am 2017-09-07 20:51:32



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