• vom 13.09.2017, 21:38 Uhr

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Die EU profitiert vom politischen Chaos in den USA




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  • Zehn Jahre nach Beginn der Finanzkrise wächst der Optimismus, während sich die USA auf gefährliches Terrain begeben.

Frankfurt am Main/London. Ist in Europa die Morgenröte nach einer langen Nacht angebrochen? Die Erschütterungen durch die Finanzkrise, die vor zehn Jahren begonnen hat, rücken zunehmend in den Hintergrund. Die Wachstumszahlen in der EU steigen, das Bruttoinlandsprodukt legte laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat im zweiten Quartal um 0,6 Prozent zu. Sogar das ewige EU-Sorgenkind Griechenland kann sich mittlerweile wieder auf eigene Rechnung Geld an den Finanzmärkten besorgen. Besonders Spanien und der europäische Wirtschaftsmotor Deutschland schneiden gut ab, Italien und Frankreich hinken ein wenig hinterher.

Dennoch sind die Aussichten für das seit langem kriselnde Frankreich nicht ausschließlich negativ. Die Märkte hoffen, dass der neue französische Präsident Emmanuel Macron, der selbst als Ex-Investmentbanker aus der Finanzbranche kommt, seine liberale Reformagenda allen innenpolitischen Protesten linker Gewerkschafter zum Trotz durchsetzen kann. Mit seiner deutschen Amtskollegin Angela Merkel scheint sich der prononcierte EU-Befürworter gut zu verstehen. Optimisten erwarten, dass nach Merkels zu erwartender Wiederwahl Macron mit ihr ein starkes deutsch-französisches Tandem bilden wird.


Euro-Höhenflug
Die Voraussetzungen dafür scheinen zumindest günstig. Die Eurozone, die in den letzten Jahren von Krise zu Krise taumelte, steuert auf das konjunkturell beste Jahr seit zehn Jahren, seit dem Ausbruch der Finanzkrise, zu. "Der Euroraum befindet sich in einem robusten Aufschwung, die konjunkturelle Belebung erstreckt sich auf sämtliche Länder des Währungsraums. Wir kehren langsam zur Normalität zurück", sagte Jörg Zeuner, der Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.

Tatsächlich hat die aktuelle Stärke des Euro viele Beobachter überrascht. Seit Jahresanfang hat der Euro vor allem gegenüber dem US-Dollar aufgewertet. Anfang des Monats kletterte die Gemeinschaftswährung erstmals seit rund zweieinhalb Jahren über die Marke von 1,20 Dollar.

Experten begründen das damit, dass die Wirtschaft im Euroraum robust wächst, während es in den USA nicht mehr so rund läuft. Als Donald Trump im Jänner sein Amt als US-Präsident antrat, hatten die Märkte auf Steuersenkungen und staatliche Ausgabenprogramme gehofft. Nichts davon ist bisher eingetreten. Stattdessen ist die US-Politik vor allem eines geworden: schwer berechenbar, auch für die Märkte. Das hat für die globale Leitwährung Dollar Folgen. Die US-Währung verliert nicht nur gegenüber dem Euro, sondern auch gegenüber derzeit selbst angeschlagenen Währungen wie dem britischen Pfund oder dem japanischen Yen.

Während in den vergangenen Jahren der US-Dollar stets zulegte, wenn irgendwo auf der Welt eine Krise ausbrach, scheuen die Anleger diesmal die Flucht in den vermeintlich sicheren Hafen Dollar. Als sich vor kurzem der Streit mit Nordkorea zuspitzte, verlor die US-Währung massiv an Wert.

Die isolationistischen Signale, die Trump immer wieder aussendet, könnten sich vor allem für den Dollar als verheerend erweisen. Manche Beobachter werten das derzeitige Geschehen als tektonische Plattenverschiebung in der Weltwirtschaft - und sind der Ansicht, dass sich statt des bisherigen Systems mit dem US-Dollar als Leitwährung eine neue multipolare internationale Währungsordnung herausbilden wird. In dieser Währungsordnung, die durch den rasanten Aufstieg von Schwellenländern wie China noch beschleunigt wird, könnte auch der Euro eine prominente Rolle spielen.

Traum oder Albtraum?
Ob dieses optimistische Szenario eintritt, ist freilich ungewiss. In einer Zeit, in der die Europäische Zentralbank (EZB) immer noch eine Nullzinspolitik verfolgt, um die Finanzkrise in den Griff zu bekommen, könnte der scheinbar stabile europäische Aufschwung auch wieder rasch verpuffen. Auch die Visionen, die EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in seiner Rede skizzierte, begeistern nicht jeden. Vor allem in der Ausweitung des Euro auf jedes EU-Land sehen Pessimisten eine Überforderung, die aus dem europäischen Traum einen Albtraum machen könnte.




Schlagwörter

Europa, EU, USA

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Dokument erstellt am 2017-09-13 18:42:03



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