• vom 12.01.2018, 20:49 Uhr

Europäische Union


Eurogruppe

Centeno übernimmt Führung der Eurogruppe




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  • Als Finanzminister führte er Portugal beispielhaft aus der Finanzkrise - dafür erhielt er Lob von Schäuble und eine neue Herausforderung.

Mario Centeno (l.) läutete seine Ära gleich selbst ein. - © reu

Mario Centeno (l.) läutete seine Ära gleich selbst ein. © reu

Paris/Brüssel. Sein Name war bisher nur wenigen Europäern geläufig. In den kommenden zweieinhalb Jahren wird Mario Centeno dafür umso stärker im öffentlichen Rampenlicht stehen. Der Portugiese hat am Freitag den Vorsitz in der Eurogruppe übernommen. Nach dem heutigen Luxemburger EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker und dem bisherigen Amtsinhaber Dijsselbloem ist Centeno der Dritte in dieser Funktion. Als symbolischen Akt überreichte ihm Dijsselbloem bei der Amtsübergabe eine Glocke. Mit ihr hatte der Niederländer stets die monatlichen Sitzungen der Finanzminister der 19 Euro-Staaten eingeläutet, künftig wird Centeno sie leiten. Nicht immer sind diese harmonisch verlaufen.

Auch für Centeno dürfte es nicht leicht werden, die Wirtschaftspolitik der Mitglieder der Währungsunion zu koordinieren und stärker zu harmonisieren, wie dies vor allem Frankreich und Deutschland fordern. In der Finanz- und Schuldenkrise fungierte die Eurogruppe als zentrale Schaltstelle für die Ausarbeitung von Rettungsprogrammen für vom Staatsbankrott bedrohte Länder wie Griechenland.


Lorbeeren für Musterschüler
Centeno kommt selbst aus einem einstigen Eurokrisenland. Dem ehemaligen Zentralbanker und Wirtschaftsprofessor mit Harvard-Abschluss ist in Lissabon das Kunststück geglückt, für eine sozialistische Minderheitsregierung das Budget zu sanieren, ohne zu große Proteste am linken Rand zu provozieren. 2014 konnte das Euro-Land, das nur durch Stützungen von EU und Internationalem Währungsfonds in Höhe von 78 Milliarden Euro einen Bankencrash verhindern konnte, das Rettungsprogramm wieder verlassen. Seit 2016 ist das Land wieder im grünen Bereich. 2017 erzielte es ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent. Für 2018 ist ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um zwei Prozent prognostiziert. Auch die Arbeitslosenrate sank deutlich. Der deutsche Ex-Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte den Sozialdemokraten im Mai 2017 deshalb als "Ronaldo der EU-Finanzminister" bezeichnet. Eine Belastung bleibt allerdings Portugals hohe Staatsverschuldung, wenngleich die EU 2017 das exzessive Defizitverfahren eingestellt hatte und zwei große Ratingagenturen das Land wieder für kreditwürdig halten.

"Portugals Erfahrung zeigt, dass es in Europa möglich ist, Haushaltssanierung und Wachstum unter einen Hut zu bekommen", hatte Centeno im November, als er seine Kandidatur für den Vorsitz der Eurogruppe angekündigt hatte, gemeint. Zum Ziel erklärte er, aus dem Euro "ein Instrument zur Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Annäherung" zu machen.

Als Kandidat Südeuropas will sich der politische Quereinsteiger nicht sehen. Er wolle in der Eurogruppe über Parteigrenzen hinweg Konsens erzielen, sagte er nach seiner Wahl Anfang Dezember. Europa mit dem größten Binnenmarkt der Welt müsse seine "Stärken zeigen" und seine Institutionen vervollständigen - gleich, ob man aus dem Süden, dem Norden, dem Osten komme.

Bis 2013 arbeitete der promovierte Wirtschaftswissenschafter bei der portugiesischen Zentralbank als stellvertretender Direktor der Abteilung für wirtschaftliche Studien. 2015 übernahm er als Parteiunabhängiger das Finanzressort.




Schlagwörter

Eurogruppe, Mario Centeno, EU

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-12 18:53:05
Letzte nderung am 2018-01-12 19:38:04



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