• vom 06.06.2011, 13:08 Uhr

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Update: 20.06.2011, 11:48 Uhr

Deutschland

Südeuropäer arbeiten mehr als Deutsche




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  • Studie widerlegt Vorurteil und relativiert Merkel-Kritik an Griechen

Maiskolben mit griechischen Flaggen.

Maiskolben mit griechischen Flaggen.© Reuters Maiskolben mit griechischen Flaggen.© Reuters

Paris. Eine Studie einer französischen Bank über die Arbeitszeiten in Europa widerlegt die jüngste Kritik der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an der Arbeitsmoral in den krisengeschüttelten südlichen Euro-Ländern.

Laut der Studie der Natixis-Bank, die sich in erster Linie auf Zahlen des Statistikamts Eurostat und der OECD bezieht, beträgt die jährliche Arbeitszeit eines Deutschen im Durchschnitt 1.390 Stunden. Ein Grieche arbeitet demnach durchschnittlich 2.119 Stunden im Jahr, ein Italiener 1.773 Stunden, ein Portugiese 1.719, ein Spanier 1.654 und ein Franzose 1.554 Stunden.

Zum Vergleich: Dem so genannten "Better Life Index" der OECD zufolge, der in der letzten Maiwoche von der Organisation in Paris veröffentlicht wurde, liegen die Österreicher mit 1.621 Stunden Arbeitszeit pro Jahr ebenfalls unter dem OECD-Niveau von 1.739 Stunden.

Der zum Wochenende publizierten Bank-Studie entspricht die Produktivität eines deutschen Arbeiters "dem Durchschnitt der südlichen Länder". Zwar liege die Arbeitsproduktivität nach Stunden gemessen über dem Durchschnitt der Südländer, sei jedoch nicht höher als in Frankreich und Griechenland.

Pensionen

Auch bei der Pension liege Merkel mit ihrer Kritik nicht richtig, heißt es in der Studie weiter. Demnach scheiden die Deutschen derzeit im Durchschnitt mit 62,2 Jahren aus dem Erwerbsleben, die Portugiesen mit 62,6 und die Spanier mit 62,3 Jahren. Griechenland liege derzeit mit 61,5 Jahren zwar noch knapp darunter, doch steuere Athen mit der im Frühjahr 2010 beschlossenen Pensionsanhebung bereits dagegen.

"Die Deutschen arbeiten viel weniger als die Süd-Europäer. Sie arbeiten auch nicht intensiver", zieht der Autor der Studie, Natixis-Chefökonom Patrick Artus, das Fazit.

Nach seinen Worten zielt Merkel mit ihrer Kritik an den "wahren Problemen" der notleidenden südlichen Euro-Staaten vorbei. Deutschlands starke Wirtschaftsleistung liege vielmehr an den Innovations- und Spezialisierungsbemühungen seiner Spitzen-Industrien, den hohen Sparleistungen des privaten Sektors sowie an seinen gut ausgebildeten Arbeitskräften. Merkel hatte Mitte Mai die nach ihrer Ansicht großzügigen Urlaubs- und Rentenregelungen der südeuropäischen Länder kritisiert und gesagt, dass sich die Euro-Krise nur dann lösen lasse, wenn sich alle "ein wenig gleich anstrengen". (APA)

 





Schlagwörter

Deutschland, Griechenland, Athen

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Dokument erstellt am 2011-06-06 13:09:56
Letzte nderung am 2011-06-20 11:48:17



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