• vom 27.04.2012, 20:29 Uhr

Europastaaten

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Die Schulden sind umstrukturiert, das zweite Hilfspaket ist geschnürt - ob das ausreicht, weiß aber niemand



  • Massive Einschnitte: Gehälter brachen im Vorjahr laut OECD um ein Viertel ein.



Athen/Wien. (reu/afp/mel) Hunderttausende Jobs sind in Griechenland, das das fünfte Jahr in Folge in einer schweren Rezession steckt, verschwunden. Und jene, die noch einen Arbeitsplatz haben, verdienen deutlich weniger als vor der Krise. Nach Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) brachen die Gehälter in der griechischen Privatwirtschaft im Jahr 2011 um rund ein Viertel ein. Auch der Staat hat als Arbeitgeber massive Einschnitte vorgenommen.

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Da Griechenland Teil der Eurozone ist, kann es seine Währung nicht abwerten, um die Wirtschaft international konkurrenzfähiger zu machen. Als Alternative bleibt dem Land die sogenannte "interne Abwertung" durch eine Senkung der Löhne - und damit der Preise für Produkte und Dienstleistungen. Dass das zunächst zu einem Einbruch der Kaufkraft führt - wodurch sich die wirtschaftliche Talfahrt verschärft -, dürfte den handelnden Politikern bewusst sein. Offen ist, ob die schmerzhafte Sanierung mittelfristig zum gewünschten Ziel führt, Griechenland finanziell auf eigene Beine zu stellen.

Im Vorjahr beliefen sich die Gesamtschulden des Mittelmeerlandes auf 355,6 Milliarden Euro oder 165,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Um den Schuldenberg abzubauen, wurden private Gläubiger dazu gedrängt, auf gut die Hälfte ihrer Forderungen (inklusive Zinsen sogar auf mehr als 70 Prozent) zu verzichten. Das komplizierte Finanzmanöver wurde diese Woche abgeschlossen. Das Volumen der Staatsschulden soll sich laut Regierungsangaben auf einen Schlag um rund 105 Milliarden Euro verringert haben.

Sozialbetrüger ertappt
Freilich entfallen große Teile der griechischen Schulden mittlerweile auf öffentliche Geldgeber. Im Mai 2010 haben die anderen Staaten der Eurozone dem hochverschuldeten Land Kredite im Gesamtausmaß von 110 Milliarden Euro zugesagt. Ein zweites Hilfspaket, das heuer geschnürt wurde, umfasst nun 130 Milliarden Euro. Entscheidend wird sein, ob 2015, wenn das zweite Hilfspaket zur Gänze ausbezahlt ist, Griechenland solide genug aufgestellt ist, um wieder Geld von privaten Investoren zu erhalten.

Die Regierung will bis 2014 das Haushaltsdefizit von zuletzt 9,1 Prozent der Wirtschaftsleistung auf drei Prozent senken. Der Schuldenstand soll sich bis 2020 auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduzieren. Um das zu erreichen, hat Regierungschef Lukas Papademos für die Jahre 2013 und 2014 eine Kürzung der Staatsausgaben um zwölf Milliarden Euro gefordert.

Große Hoffnungen setzt man in die Bekämpfung der Korruption: So hat Griechenland zuletzt die Sozialleistungen - etwa Pensionen - für 200.000 Bürger gestrichen, die diese durch Betrug erschlichen hatten oder gar nicht mehr am Leben sind. Der Betrug konnte offenbar einfach durch einen Abgleich von Daten aufgedeckt werden.

Unabhängig davon ist Griechenland freilich darauf angewiesen, sich so rasch wie möglich wirtschaftliche Wachstumsfelder zu erschließen. Die Rede war zuletzt etwa vom Bereich erneuerbare Energien. Gerade in diesem Sektor wollen sich freilich auch andere Staaten - mit bisher gemischtem Erfolg - eine Vormachtstellung aufbauen. Feuer am Dach ist jedenfalls nach jüngsten Meldungen beim Tourismus: In dem für Griechenland so wichtigen Wirtschaftszweig sind in den ersten beiden Monaten 2012 die Einnahmen im Jahresvergleich um 44,7 Prozent eingebrochen.

Selbst Papademos wollte zuletzt nicht ausschließen, dass sein Land noch ein drittes Hilfspaket brauchen könnte. "Wir müssen uns anstrengen, ein solches Ergebnis zu vermeiden", meint der Regierungschef.




Schlagwörter

Europa, Griechenland

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Dokument erstellt am 2012-04-27 20:35:13


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