• vom 21.09.2012, 17:54 Uhr

Europastaaten

Update: 21.09.2012, 20:29 Uhr
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Vor 50 Jahren leitete de Gaulle die deutsch-französische Aussöhnung ein

Zwischen Achtung und Argwohn


Von WZ-Korrespondentin Birgit Holzer

  • Bis heute ist das Verhältnis schwierig, Merkel und Hollande feiern trotzdem.

Das Verhältnis Merkel zwischen und Hollande ist bemüht, friktionsfrei ist es nicht.

Das Verhältnis Merkel zwischen und Hollande ist bemüht, friktionsfrei ist es nicht.© EPA Das Verhältnis Merkel zwischen und Hollande ist bemüht, friktionsfrei ist es nicht.© EPA

Paris. Plantus Vision von Angela Merkel ist nicht besonders schmeichelhaft. Wenn der französische Karikaturist, der mit bürgerlichem Namen Jean Plantureux heißt, sie abbildet, dann stets mit einer Currywurst und einem Bierkrug in nächster Nähe. Groß und üppig erscheint bei ihm die deutsche Kanzlerin - und droht den mickrigen französischen Präsidenten daneben fast plattzumachen. Ob er nun Nicolas Sarkozy heißt oder François Hollande: In Plantus Augen hat er momentan wenig zu melden.

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Seit 40 Jahren erscheinen seine Karikaturen in der französischen Tageszeitung "Le Monde". Unerbittlich zeichnet und überzeichnet er zähe Vorurteile, brutale Wahrheiten oder subtile Ängste - wie die vor einem übermächtigen, vor Kraft strotzenden Deutschland, das Frankreich zerquetscht. Über die spannungs- und abwechslungsreiche Partnerschaft beider Länder hat er ein Buch veröffentlicht. "Drôle de peuple!" heißt es - "Komisches Volk!". Und das gilt für beide.

Ein misstrauisches Beäugen mag hier wie dort geblieben sein, auch 50 Jahre nach der offiziellen Aussöhnung; und gleichzeitig eine lebendige Faszination darüber, beim anderen zu entdecken, was einem selbst fehlt: das berühmte französische "Savoir-Vivre", die Kunst zu leben und zu genießen auf der einen Rheinseite, die einwandfreie deutsche Organisation und bewunderten technischen Errungenschaften auf der anderen. "Es gibt keine zwei Kulturen, die einander besser ergänzen könnten", sagt der Deutsch-Franzose Pierre de Bartha, der als interkultureller Trainer für Manager den Spagat zwischen beiden Ländern versucht.

Doch seit einigen Monaten, da die wirtschaftliche Lage beider Länder zunehmend auseinanderklafft, fürchten viele Franzosen ein Ungleichgewicht zu ihrem Nachteil. Die Medien spiegeln diese Verunsicherung wieder mit unaufhörlichen Vergleichen. "Müssen wir das deutsche Modell kopieren?", fragen sie. Im französischen Präsidentschaftswahlkampf konnte Hollande punkten, indem er sich von "Spar-Kanzlerin" Merkel distanzierte, die viele Franzosen als zu unnachgiebig im Umgang mit den Euro-Schuldenländern kritisieren. Sarkozys wiederholte Verweise auf das erfolgreiche Vorbild Deutschland gerieten ihm zum Nachteil.

Kalter Krieg half nach
Auch seit seiner Wahl hat Hollande einen gewissen Abstand zu Merkel gewahrt, mit der er heute in Ludwigsburg zusammentrifft. Beide begehen das Jubiläum eines markanten Ereignisses: Vor 50 Jahren hielt Charles de Gaulle im Ludwigsburger Schlosshof seine berühmte Rede an die deutsche Jugend. "Ich beglückwünsche Sie, junge Deutsche zu sein und Kinder eines großen Volkes", rief der damalige französische Präsident, nur 17 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Jubel stürmte ihm entgegen.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-21 17:59:06
Letzte Änderung am 2012-09-21 20:29:55


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