• vom 28.09.2012, 14:25 Uhr

Europastaaten

Update: 28.09.2012, 14:31 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Haushaltsdefizit wird auf drei Prozent des BIP gesenkt

Frankreich will sparen



  • Staatsausgaben werden um zehn Milliarden Euro gekürzt.

Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault will mit einem "Kampfbudget" das Budgetdefizit senken. - APAweb / AP, Christophe Ena

Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault will mit einem "Kampfbudget" das Budgetdefizit senken. APAweb / AP, Christophe Ena

Paris. Mit Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen im Umfang von 36,9 Milliarden Euro will Frankreich das Haushaltsdefizit im kommenden Jahr auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) drücken. Die französische Regierung beschloss am Freitag den Haushalt für 2013.

Das Budget sieht nach Angaben der Regierung "nie dagewesene Anstrengungen" vor. Premierminister Jean-Marc Ayrault sprach von einem "Kampfbudget".

Um das Drei-Prozent-Ziel zu erreichen, sollen die Staatsausgaben um zehn Milliarden Euro gekürzt werden. Bei den Ausgaben der öffentlichen Krankenversicherung sollen zusätzlich 2,5 Milliarden gespart werden.

Vorgesehen sind zudem Steuererhöhungen von jeweils zehn Milliarden Euro für Privathaushalte und Unternehmen - zusätzlich zu den Steuererhöhungen von 4,4 Milliarden Euro, die die sozialistische Regierung bereits im Sommer beschlossen hatte. Von den Steuererhöhungen sollen in erster Linie große Unternehmen und Besserverdiener betroffen sein.

Der Haushalt sei ein "Haushalt der sozialen Gerechtigkeit" und "für das Wachstum, die Vorbereitung auf die Zukunft", sagte Ayrault nach einer Kabinettssitzung. Die Franzosen rief er auf, den "Kampf" für einen Wirtschaftsaufschwung zu unterstützen. Der Haushalt bereite den Weg für eine Rückkehr zum Wirtschaftswachstum, beteuerte der Sozialist.

Die Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen seien notwendig, um dem stetigen Anwachsen des Schuldenbergs entgegenzutreten, sagte Ayrault. Die Staatsverschuldung sei binnen fünf Jahren um 30 Prozentpunkte auf inzwischen mehr als 90 Prozent des BIP angestiegen.

Zuvor hatte das Statistikamt Insee mitgeteilt, dass die Staatsschulden mittlerweile 91 Prozent des BIP betragen. Wirtschafts-und Finanzminister Pierre Moscovici warnte, die Staatsverschuldung habe eine "absolut kritische Schwelle" erreicht.

Staatschef Francois Hollande lobte den Haushalt nach Angaben von Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem als "Träger für die Wiederankurbelung der Wirtschaft".

Kritik kam umgehend von der Opposition: Der Vorsitzende des Finanzausschusses in der Nationalversammlung, der konservative Abgeordnete Gilles Carrez, sagte, "niemals zuvor" sei Unternehmen und Haushalten ein solcher "Steuerschock" auferlegt worden. Die Massnahmen würden die Kaufkraft der Franzosen schwächen.

Frankreichs Defizit in diesem Jahr dürfte mit 83,6 Milliarden Euro bei 4,5 Prozent des BIP liegen. Für das kommende Jahr soll die Neuverschuldung auf 61,6 Milliarden Euro gesenkt werden.

Wirtschaftsexperten bezweifeln, dass das Staatsdefizit tatsächlich auf drei Prozent gesenkt werden kann. Sie sagen unter anderem negative Effekte der Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen auf das Wirtschaftswachstum voraus, das der Regierung zufolge 2013 bei 0,8 Prozent liegen soll.

Bei den Steuererhöhungen bei den Privathaushalten erhofft sich die Regierung in Paris unter anderem Mehreinnahmen von 3,5 Milliarden Euro über eine Erhöhung der Einkommenssteuer. Über die Reichensteuer von 75 Prozent auf Einnahmen über einer Million Euro sollen 200 Millionen Euro eingenommen werden.

In französischen Ministerien sollen dem Haushaltsplan zufolge knapp 12.300 Stellen gestrichen werden. Im Gegenzug sollen rund 11.000 neue Stellen für Lehrer, bei der Polizei und in der Justiz geschaffen werden.




Schlagwörter

Budget, Frankreich

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-28 14:26:04
Letzte Änderung am 2012-09-28 14:31:23


Beliebte Inhalte



Die Hände udn Taschen voller Geld, eine schöne Vorstellugn wenn das Gewicht den Wert nicht bei Weitem übertreffen würde. - APAweb/Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Karas regt Druck von 1- und 2-Euro-Scheinen an.
  • weiter

Die Rezession rückt die Energiekosten vor ökologische Aspekte. - dpa
  • EU-Staats- und Regierungschefs sollen sich mit steigenden Preisen befassen.
  • weiter

Budapest übt Schadensbegrenzung nach der Kritik des deutschen Außenministers Guido Westerwelle am ungarischen Premier Viktor Orban. Orban hatte Deutschland wegen eines Nazi-Vergleichs erzürnt, was Westerwelle als "bedauerliche Entgleisung, die wir klar zurückweisen", bezeichnete. - APAweb/EPA/MIGUEL A. LOPES Budapest/Berlin. Budapest übt Schadensbegrenzung nach der Kritik des deutschen Außenministers Guido Westerwelle am ungarischen Premier Viktor Orban...weiter

Premierminister David Cameron verlangt mehr Transparenz von den britischen Überseegebieten und Besitztümern der Krone. - epa
  • EU-Gipfel sagt Steuersündern Kampf an - Briten bringen "eigenes Haus in Ordnung".
  • weiter

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hat die Bekämpfung von Steuerbetrug und Steuerflucht als "wesentlich für die politische und soziale Akzeptanz der Haushaltskonsolidierung" bezeichnet. Es handle sich nicht nur um ein Zeichen von Fairness. - APAweb/Armin Weigel dpa/lby
  • Ratspräsident in Einladungsschreiben: Ist wesentlich für politische und soziale Akzeptanz der Haushaltskonsolidierung
  • weiter

Die Medien seien durch ein neues Mediengesetz bedroht, während neue Justizgesetze, die unter anderen die Zwangspensionierung von rund 300 Richtern zur Folge hatten, die Unabhängigkeit der Justiz unterhöhlten. - APAweb/HERBERT PFARRHOFER
  • Menschenrechtsorganisation fordert scharfes EU-Vorgehen wegen umstrittener Verfassungsänderungen.
  • weiter

Durch Preisabsprachen könnte das Benzin für den Endverbraucher teurer geworden sein, vermuten die Kartellwächter der EU und führten Razzien bei den Konzernen BP, Shell und Statoil durch. - reuters
  • Marktverzerrung ist vergleichbar mit Milliarden-Skandal um Libor-Zinssatz.
  • weiter

Münzenmeer - APAweb/REUTERS/Leonhard Foeger
  • Herstellung der Münzen führte seit 2002 zu Verlust von 1,4 Mrd. Euro.
  • weiter

In Buenos Aires Bischof der Armen : Seine Besuche in den Slums haben den Papst stark geprägt. - epa
  • Wurzel aller Kapitalismus-Kritik:
  • Pontifex erlebte Argentinien-Desaster 2001.
  • weiter

Viktor Orbán. - epa
  • Ungarischer Premier vergleicht Politik Berlins mit Hitlers Besetzung von 1944.
  • weiter




Werbung




Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof

Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi" Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York.

Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen: 21. 5. 2013: Schwere Zeiten für Fans des glänzenden Metalls: Der Goldpreis erklimmt keine neuen Höhen mehr, das Interesse der Anleger ist merkbar gesunken.

Werbung