• vom 28.09.2012, 18:54 Uhr

Europastaaten

Update: 28.09.2012, 19:05 Uhr
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Die CDU beschwört ihren Übervater Helmut Kohl


Von WZ-Korrespondentin Christine Zeiner

  • Alte Konflikte sind vergessen, heute ist Kohl der Euro- und Einheitskanzler.

Festakt zum 30. Jahrestag der Wahl Kohls zum Bundeskanzler: Lange waren sich Kohl und Merkel nicht so freundlich gesinnt. - © dapd

Festakt zum 30. Jahrestag der Wahl Kohls zum Bundeskanzler: Lange waren sich Kohl und Merkel nicht so freundlich gesinnt. © dapd

Berlin. Die Kanzlerin ist ein bisschen zu spät. Über den Hamburger Gänsemarkt zieht derweil zur Überbrückung Musik, die in jeden Hollywood-Film passen könnte. Konrad Adenauer, Helmut Kohl, Angela Merkel zeigt der CDU-Werbespot auf der Leinwand: Große Menschen, die Großes geleistet haben - Wirtschaftswunder, Wende, Wege aus der Finanzkrise. Und Merkel tritt an, um weiterhin Großes zu leisten. Das war die Botschaft im vergangenen Bundestagswahlkampf vor drei Jahren.

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Bald ist wieder Wahlkampf. Konrad Adenauer und Helmut Kohl werden in der Erzählung der Christemokraten von Tradition, Beständigkeit, Verlässlichkeit und glanzvollen Zeiten nicht fehlen. Und auf Kohl wird man noch lieber verweisen als damals – denn die dunklen Flecken in der Beziehung zu ihm gehören seit dieser Woche endgültig der Vergangenheit an. Die Christdemokraten zelebrieren ihren CDU-Übervater: Am Montag vor 30 Jahren wurde Kohl zum ersten Mal zum Kanzler gewählt. Sechzehn Jahre lang blieb er es, so lang wie sonst niemand in der Bundesrepublik.

Zum Festakt der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in das Deutsche Historische Museum Ende der Woche in Berlin waren alle waren gekommen, 800 Gäste, selbst der Finanzminister, wenn auch mit Verspätung. Wolfgang Schäuble und Helmut Kohl sprechen wegen der CDU-Spendenaffäre seit Jahren nicht miteinander – die Zeiten enger Vertrautheit sind lang vorüber. Bis heute ist unklar, woher bis zu 2 Mio. DM an Parteispenden stammen, obwohl Kohl laut Gesetz dazu verpflichtet war, die Spender zu nennen. Doch er habe diesen sein "Ehrenwort" gegeben, argumentierte Kohl nach der verlorenen Bundestagswahl 1998. Ein Ermittlungsverfahren der Bonner Staatsanwaltschaft wurde wegen geringer Schuld eingestellt, Kohl hatte 300.000 DM Bußgeld zu zahlen. Die damalige Generalsekretärin Angela Merkel riet am 22. Dezember 1999 via "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ihrer Partei, sich von Kohl zu distanzieren. Dieser legte seinen Ehrenvorsitz zurück. Sie denke nicht darüber nach, ihm diesen wieder anzutragen, sagte Merkel dazu anlässlich Kohls 80. Geburtstags vor zwei Jahren.

"Das ist alles lange, lange her", befand der stellvertretende Unions-Klubchef Michael Fuchs am Dienstagnachmittag, kurz bevor Kohl das erste Mal seit zehn Jahren seinem Parlamentsklub einen Besuch abstattete. Man freue sich sehr auf den Besuch Kohls und hoffe auf Worte zu Europa - "das Thema treibt ihn um". Auch im Historischen Museum hielt Kohl eine kurze Rede: "Wir wollen weitermachen mit der Einigung Europas", sagte er. Kanzlerin Merkel verwies erneut darauf, dass die Europäer "ein gutes Stück ihres Glück" Kohl zu verdanken hätten. Sie, die in der Europa-Politik mitunter als visionslos gilt, versucht an ihren "Ziehvater" anzudocken.




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CDU, Deutschland

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-28 19:03:06
Letzte Änderung am 2012-09-28 19:05:32


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