Berlin. Die rheinland-pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer soll Nachfolgerin von Kurt Beck (beide SPD) im Amt des Mainzer Ministerpräsidenten werden. Wenn sie das Amt antritt, ist ein Viertel der Ministerpräsidenten in Deutschland weiblich: Dreyer wäre die vierte Frau, die derzeit an der Spitze einer der 16 Landesregierungen in Deutschland steht.
Noch bis vor drei Jahren war Heide Simonis die einzige Frau in Deutschland, die es je in ein Ministerpräsidentenamt geschafft hat. Die Sozialdemokratin übernahm 1993 in Kiel die Landesregierung und führte diese bis zu ihrem Sturz im April 2005 fast zwölf Jahre lang. Während der Ära Simonis versuchten auch andere Frauen, Ministerpräsidentin zu werden, jedoch vergeblich. So scheiterte etwa 1994 und 1998 die SPD-Spitzenkandidatin Renate Schmidt in Bayern an der CSU-Übermacht, in Baden-Württemberg schaffte es SPD-Frau Ute Vogt 2001 trotz Stimmengewinnen nicht, Erwin Teufel von der CDU abzulösen.
So dauerte es bis zum 30. Oktober 2009, ehe es zur Wahl der zweiten Ministerpräsidentin kam. Christine Lieberknecht war für die CDU in Thüringen bei der damaligen Landtagswahl aber nicht einmal Spitzenkandidatin. Sie kam zum Zuge, weil Regierungschef Dieter Althaus massive Stimmenverluste verantworten musste und sich zurückzog. Die Wahl der ersten CDU-Frau zur Ministerpräsidentin geriet holprig - im Landtag benötigte sie drei Wahlgänge.
Auch Hannelore Krafts Weg in die nordrhein-westfälische Staatskanzlei war nicht reibungslos. Nachdem das Wunschbündnis der Sozialdemokratin mit den Grünen nicht ausreichend Stimmen erreicht hatte, ließ sie sich am 14. Juli 2010 zur Chefin einer Minderheitsregierung wählen. Dass diese im vergangen März scheiterte, erwies sich für Kraft als Segen. Seit der vorgezogenen Neuwahl im Mai regiert sie mit einer komfortablen rot-grünen Mehrheit und gilt als zweitmächtigste Frau der deutschen Politik nach Kanzlerin Angela Merkel (CDU).
Schwierig verlief auch der Start von Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) als erste Ministerpräsidentin des Saarlands. Nach dem Rückzug ihres Vorgängers Peter Müller benötigte sie im Landtag zwei Wahlgänge bis zu ihrer Wahl am 10. August 2011. Nur fünf Monate später ließ sie ihre Jamaika-Koalition platzen. Seit der Landtagswahl in diesem März regiert sie an der Spitze einer CDU/SPD-Koalition.