• vom 29.09.2012, 10:51 Uhr

Europastaaten

Update: 29.09.2012, 15:30 Uhr
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Italiens Ex-Premier macht Berlin für prolongierte Krise verantwortlich

Berlusconi gießt Öl ins Krisen-Feuer



  • Deutschland sei "ein Hegemonialstaat, kein solidarisches Land".

Rom. Silvio Berlusconi sorgt für neue Spannungen zwischen Rom und Berlin: Der frühere Premier Italiens wirft den Deutschen vor, einer Lösung der Euro-Krise im Weg zu stehen. Deutschland sei "ein Hegemonialstaat, kein solidarisches Land", meint Berlusconi. Ein Austritt des bevölkerungsreichsten Landes der Eurozone aus der Gemeinschaftswährung wäre für den Ex-Premier "keine Tragödie". Berlin reagiert auf diese Worte verschnupft.

Der Ex-Ministerpräsident kritisierte Deutschland, das seiner Ansicht nach für die aktuelle Sparpolitik in Europa verantwortlich sei. Diese schaffe "ein Klima der Unsicherheit und der Angst", das "uns immer weiter verarmen lässt angesichts einer Krise, deren Ende nicht abzusehen ist".

Ein Austritt Deutschlands aus dem Euro wäre nach Ansicht des Medienzaren eine von zwei Möglichkeiten, den Eurostaaten bei der Krisenbewältigung zu helfen, sagte der Ex-Ministerpräsident nach Angaben italienischer Medien. Die zweite Antwort auf die Eurokrise wäre Berlusconi zufolge, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) die Staaten nach dem Vorbild der USA unbegrenzt mit Geld versorgen könnte. Dies werde jedoch von der deutschen Angst vor Inflation verhindert.

Kritik aus Berlin und von politischen Gegenspielern
Berlin reagierte kritisch auf Berlusconis Worte. "Einfach zu behaupten, dass Deutschlands Austritt aus der Eurozone kein Drama wäre, ist absurd", reagierte Steffen Seibert, Sprecher der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der neue deutsche Botschafter in Italien, Reinhard Schäfers, meinte, dass Deutschlands Austritt aus dem Euro-Raum eine "Tragödie für uns alle" wäre.

Kritik muss Berlusconi auch in seiner Heimat hinnehmen. "Berlusconis Aussagen sind eine Schande", kommentierte der Parlamentarier der Mitte-links-Gruppierung Demokratische Partei (PD), Michele Ventura. Es sei begreiflich, dass man sich im Ausland Sorgen wegen einer möglichen Rückkehr Berlusconis als Mitte-rechts-Premierkandidat bei den Parlamentswahlen im kommenden Frühjahr mache.

Spitzen gegen Deutschland
Der 76-jährige Berlusconi hatte in den vergangenen Wochen immer wieder Deutschland kritisiert. "Wir kritisieren nur die übertrieben strenge Sparpolitik, weil wir denken, dass sie den Fortschritt hemmt. Wir wünschen uns ein europäischeres Deutschland, und kein 'deutscheres' Europa.", sagte Berlusconi vor kurzem im Interview mit der "Bild"-Zeitung.

Rückendeckung erhielt Berlusconi vom Chef seiner Mitte-rechts-Partei Volk der Freiheit (PdL - Popolo della libertá), Angelino Alfano. "Berlusconi hat keine anti-deutsche Haltung, er vertritt eine super-italienische Position. Wir haben eine hohe Meinung von Deutschland. Wir wünschen, dass es auf der anderen Seite auch so wäre", kommentierte Alfano.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-29 11:01:32
Letzte Änderung am 2012-09-29 15:30:09


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