Sarajevo. Die Beteiligung an den Kommunalwahlen in Bosnien-Herzegowina ist am Sonntag zunächst höher ausgefallen als zuvor erwartet. Bis 11.00 Uhr gaben laut der staatlichen Wahlkommission knapp 19 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, ein wesentlich höherer Wert als bei den allgemeinen Wahlen vor zwei Jahren. Damals belief sich die Wahlbeteiligung um dieselbe Zeit auf 13,48 Prozent, wie die Wahlkommission bei einer Pressekonferenz in Sarajevo mitteilte. Um 18.00 Uhr sollten die nächsten Zahlen zur Beteiligung bekanntgegeben werden.
In der kleineren Entität, der Serbischen Republik (Republika Srpska), lag die Beteiligung bis 11.00 Uhr mit 19,68 Prozent um zwei Prozentpunkte höher als im größeren Landesteil, der Bosniakisch-Kroatischen Föderation. Dort nahmen 17,64 Prozent der Stimmberechtigten an dem Urnengang teil.
In Srebrenica gaben dagegen nach offiziellen Angaben bis 11.00 Uhr nur 2,77 Prozent ihre Stimme ab. Die Wahlkommission sprach allerdings von "unvollständigen Angaben".
Medien hatten zuvor über ein großes Gedränge vor Wahllokalen in der einstigen bosniakischen Enklave berichtet. Gegen Mittag wurde ein Wahllokal im Stadtzentrum Srebrenicas vorübergehend geschlossen. Der Leiter der städtischen Wahlkommission, Nermin Alivukovic, erläuterte dies mit dem Gedränge vor dem Wahllokal und Druck auf die Mitglieder der Wahlkommission. Dieser wurde demnach von Wählern verursacht, die in Wahllokalen entweder mit serbischen oder überhaupt ohne Personaldokumente erschienen waren. Die Kommission verweigerte den betreffenden Personen die Stimmabgabe. Alivukovic erklärte, sie seien angewiesen worden, sich von der Polizei eine Bestätigung über einen ständigen Wohnsitz in Srebrenica ausstellen zu lassen, um ungehindert am Urnengang teilnehmen zu können.
Die rund 5.100 Wahllokale in Bosnien waren bis 19.00 Uhr geöffnet. Erste offizielle Ergebnisse wurden für die Nacht auf Montag erwartet.