Athen. Griechenland wird nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) sein Ziel der Schuldenreduzierung bis 2017 nicht erreichen. Die griechische Gesamtverschuldung werde in fünf Jahren bei 152,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen, teilte der IWF mit. Im Zusammenhang mit den Finanzhilfen für Griechenland ist eine Verschuldung von 137,3 Prozent des BIP geplant. Dieses Ziel hatte Griechenland mit dem IWF und der Europäischen Union (EU) vereinbart, und zwar als Basis des 130-Milliarden-Euro-Rettungspakets.
Nach diesem Programm soll Griechenland ab 2014 einen Haushaltsüberschuss von 4,5 Prozent des BIP erwirtschaften, um die Gesamtverschuldung bis 2020 auf 120 Prozent des BIP zu reduzieren. Dem aktuellen IWF-Bericht zufolge ist ein Haushaltsüberschuss nunmehr frühestens 2016 zu erwarten.
Draghi fordert größere Anstrengungen
EZB-Chef Mario Draghi hat Griechenland zu größeren Reformanstrengungen gemahnt. Vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments sagte Draghi am Dienstag: "Bei den Reformen muss in Griechenland mehr getan werden." Allerdings habe das klamme Land bereits "deutliche und wahrnehmbare" Reformschritte unternommen. Eine Bewertung der Schuldentragfähigkeit des Ägäis-Staates wollte Draghi allerdings nicht abgeben: "Wir müssen den Troika-Bericht abwarten, um die Lage beurteilen zu können."
Der Bericht von IWF, Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission wird im November erwartet. Der EZB-Chef äußerte sich vor dem Ausschuss zunächst als Chef des in Reaktion auf die Weltfinanzkrise geschaffenen European Systemic Risk Board (ESRB). Das Gremium ist eine Art Oberaufsicht über die europäischen Finanzaufseher für Banken, Versicherungen und Märkte.