London/Paris/Berlin. Hochspannung rund um die geplante Megafusion des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems: Am Dienstag drehte sich die Meldungslage fast im Minutentakt. Zunächst hieß es, der Deal sei geplatzt: Das wollte die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen erfahren haben, die in die Gespräche eingebunden sind. Demnach hätten sich Frankreich und Großbritannien nicht über die Modalitäten des Zusammengehens geeinigt.
Die beiden betroffenen Unternehmen bestätigten das Ende der Fusionsgespräche nicht. "Wir sind überrascht über die Berichte aus Berlin", so ein Sprecher in München. Die Gespräche zwischen Großbritannien und Frankreich hätten vielmehr deutliche Fortschritte gemacht. Die Frist für das Fusionsbegehren läuft heute, Mittwoch, um 18 Uhr ab, eine Verlängerung wäre allerdings möglich. Verhandlungsnahen Kreisen zufolge wäre diese aber nur sinnvoll, wenn es zumindest in Grundsatzfragen Einigkeit gäbe. Großbritanniens Verteidigungsminister Philip Hammond machte zuletzt wenig Hoffnung: "Ehrlich gesagt gehe ich nicht davon aus, dass es irgendeine Chance gibt, dass bis Mittwoch eine Vereinbarung steht."
Streit um Staatsanteile
Großbritannien könne allenfalls eine Beteiligung Frankreichs im einstelligen prozentualen Bereich akzeptieren, um der Fusion den Segen geben zu können, so Hammond. Die deutsche Bundesregierung gab sich weiter zurückhaltend, machte aber deutlich, dass der Gesprächsfaden zwischen den Regierungen nicht endgültig abgerissen sei. Wegen des Streits zwischen Frankreich, Großbritannien und Deutschland unter anderem über die Höhe der Staatsanteile am neuen Konzern sind die Verhandlungen zuletzt in eine Sackgasse geraten. "Unsere Position ist, dass die Franzosen eine signifikante Rückführung ihres Anteils vornehmen müssen", erklärte Hammond. Derzeit hält der französische Staat 15 Prozent an EADS, was 9 Prozent am neuen Konzern ergäbe. Sollte Frankreich auch noch das Aktienpaket des französischen Medienunternehmens Lagardere dazu kaufen, käme es nun auf 13,5 Prozent.
Deutschland hat immer wieder betont, sich auch bei der Beteiligung am neuen Unternehmen auf einer Augenhöhe mit Frankreich wiederfinden zu wollen. Hielte Berlin ebenfalls 13,5 Prozent, kämen die beiden Nachbarländer zusammen auf eine Sperrminorität und könnten das Unternehmen maßgeblich beeinflussen. Für diesen Fall will die britische Regierung wie bereits angekündigt ihr Veto einlegen - die Fusion wäre damit gescheitert.
Die deutsche Bundesregierung ließ sich nicht in die Karten schauen. "Es hat diese Gespräche gegeben in mehreren Runden, und ich kann Ihnen jetzt nicht sagen, ob es weitere gibt", sagte Sprecher Steffen Seibert. Es gelte nach wie vor, dass Berlin "mit großer Sorgfalt" die relevanten Fragen mit Unternehmen wie Regierungen erörtere. "Wir sind während der ganzen Zeit aus gutem Grund vorsichtig gewesen", räumte Seibert ein. Von einem Scheitern aber wollte er auch auf Nachfrage nicht sprechen.
Deutschland will Firmensitz
Im Raum steht auch noch die deutsche Forderung, dass der Sitz eines wichtigen Konzernteils in Deutschland sein sollte. Derzeit gelten als Sitze der neuen Gesellschaft Toulouse für den Flugzeugbau und London für die Verteidigungstechnik als gesetzt.
Mit der Fusion entstünde das weltweit größte Unternehmen der Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungstechnik. EADS hat in Deutschland 29 Standorte mit fast 50.000 Beschäftigten. Sollte es doch noch zur Fusion mit BAE Systems kommen, entstünde ein Gigant mit 72 Milliarden Euro Umsatz und 220.000 Mitarbeitern.