Madrid/Tokio. (hes/ag) Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte Staatsanleihen von Euro-Krisenländern wie Spanien selbst dann (aus zweiter Hand) aufkaufen, wenn der Euro-Rettungsschirm ESM noch keine eigenen Käufe getätigt hat. Voraussetzung sei lediglich, dass die Regierung in Madrid eine Vereinbarung mit der Eurogruppe ("Memorandum") unterzeichnet, das die Konditionen für die ESM-Hilfe festlegt. Dazu muss das Land nicht komplett unter den Rettungsschirm schlüpfen - es genügt der Antrag auf eine vorsorgliche Kreditlinie, sagte der französische EZB-Direktor Benoît C"uré in Tokio. Allerdings müsste der Internationale Währungsfonds (IWF) in die Überprüfung der Auflagen eingebunden sein.
Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos wollte in Tokio nicht erläutern, wann Madrid um Hilfe ansuchen wird. Er dementierte, dass Berlin das verhindern wolle: "Es gibt keinen Druck, weder in die eine noch in die andere Richtung." Man werde sich auch nicht von den Ratingagenturen dazu drängen lassen. Standard & Poors hat Spanien jüngst zurückgestuft, die Bonität ist nur eine Stufe von Hochrisikoanleihen entfernt.
"Ermutigende Anzeichen"
Die heftige Debatte rund um Griechenland ging auch am Freitag weiter. IWF-Chefin Christine Lagarde will Athen zwei Jahre mehr Zeit einräumen, um seine Sparziele zu erreichen. C"uré erklärte, dass dafür weiteres Geld nötig wäre - und Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble kritisierte, dass Lagarde dem Troika-Bericht vorgegriffen habe. Sein Landsmann, der deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen, sieht unterdessen bei Griechenland "ermutigende Anzeichen, dass die haushaltspolitischen Ziele für das nächste Jahr erfüllt werden können". Das Primärdefizit, also der Haushaltssaldo ohne Zinsen und Schuldentilgungen, sei zwischen 2009 und 2011 um beachtliche acht Prozentpunkte gesunken.