Vilnius. Die oppositionelle Arbeiterpartei hat die meisten Stimmen bei der ersten Runde der Parlamentswahl in Litauen vom Sonntag geholt. Das sagt eine Exit Poll, eine Befragung von Wählern nach der Stimmabgabe, voraus, welche das nationale Fernsehen kurz nach Schließung der Wahllokale veröffentlichte.
Die Befragung des Instituts RAIT für die baltische Nachrichtenagentur BNS sieht die Arbeiterpartei mit ihrem Spitzenkandidaten Viktor Uspaskich bei 19,8 Prozent. Die Sozialdemokraten unter Ex-Finanzminister Algirdas Butkevicius, die ein Wahlbündnis mit der Arbeiterpartei eingangen und eigentlich favorisiert worden waren, liegen demnach bei 17,8 Prozent. Die regierende Mitte-rechts-Formation Vaterlandsunion von Premier Andrius Kubilius folgt mit 16,7 Prozent.
Sieger steht erst nach Direktwahl fest
Am Sonntag werden allerdings nur 70 der 141 Parlamentssitze nach dem Verhältniswahlrecht vergeben, die übrigen 71 Mandate erst in zwei Wochen in einer Direktwahl von Kandidaten, so dass erst dann der Sieger feststehen wird.
Uspaskich schlug sogleich eine Regierungskoalition seiner Arbeitspartei mit den Sozialdemokraten und einer weiteren Partei vor. Es gebe die Möglichkeit, eine Koalition aus mindestens drei Parteien zu bilden, sagte Uspaskich gegenüber BNS. Als dritte Partei nannte der Ex-Wirtschaftsminister die Partei von Ex-Präsident Rolandas Paksas "Für Ordnung und Gerechtigkeit", die laut der Exit Poll auf 8,4 Prozent der Stimmen kam.
Wahlbeteiligung bei rund 50 Prozent
Die neue, populistische Partei "Weg des Mutes" und einer der beiden Koalitionspartner der Vaterlandsunion, die "Liberale Bewegung" erhielten laut Wählerbefragung jeweils 8,5 Prozent.
Die Wahlbeteiligung lag eine Stunde vor Schließung der Wahllokale um 19.00 Uhr Ortszeit (18.00 Uhr MESZ) bei knapp über 50 Prozent, teilte die Zentrale Wahlkommission mit. Vor vier Jahren war die Wahlbeteiligung zur selben Zeit rund vier Prozent niedriger.
Umfragen
Schon vor der Wahl hatten Umfragen auf einen Wechsel zugunsten des Linksbündnisses hingedeutet. Kubilius hatte sich in Teilen der Wählerschaft durch einen drastischen Sparkurs unbeliebt gemacht. Das Linksbündnis versprach, den Mindestlohn anzuheben und eine progressive Einkommensteuer einzuführen.
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